Die Altersvorsorge der Normalsparer kommt unter die Räder, fürchtet der Sparkassenverband. Foto: dpa

Bisher wurden Sparer bei Sparkassen von negativen Zinsen verschont. Doch der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands sieht die anstehende Zinsentscheidung der EZB mit Sorge.

Stuttgart - An diesem Donnerstag entscheidet die Europäischen Zentralbank (EZB), ob sie die Zinsen weiter senkt. Peter Schneider, Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands, warnt vor diesem Schritt. Sollte die EZB ihren geldpolitischen Kurs noch verschärfen, „würde dies vor allem die Sparerinnen und Sparer treffen“, sagte Schneider am Mittwoch. Bisher hätten die Sparkassen in Baden-Württemberg Negativzinsen im breiten Kundengeschäft ausgeschlossen, so Schneider. Doch die Lage würde sich ändern, sobald ein Wettbewerber anfange, Negativzinsen auf Erspartes zu erheben. „Dann müssen nach und nach alle mitziehen, sonst wird man mit Einlagen geflutet“, sagte Schneider. Der betriebswirtschaftliche Druck würde immer größer werden.Konkret bedeutet das, sobald eine Bank Geld für das Aufbewahren von Erspartem der Privatkunden fordert, wandern die Kunden dieser Bank nach und nach zu einer anderen Bank ab, die noch keine Negativzinsen erhebt. Diese sieht sich dann mit sehr hohen Einlagen konfrontiert, für die sie selbst teilweise Strafzinsen bei der EZB zahlen muss, was ihren Gewinn schmälert. Aktuell liegt dieser negative Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent.

Die Wucht der Zinsentwicklung

Schneider betonte jedoch: „Wir wollen keine Negativzinsen. Als öffentliches Institut sind wir der Förderung des Spargedankens verpflichtet.“ Er überlasse da gerne anderen den Vortritt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte angesichts düsterer Konjunkturaussichten jüngst eine weitere Lockerung der Geldpolitik angedeutet und weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen. Diese Ankündigung nannte Schneider „regelrecht schockierend“. Die Altersvorsorge der Normalsparer käme unter die Räder, fügte er hinzu.

Schneider zeigte an einem einfachen Beispiel die Auswirkungen der Niedrigzinsentwicklung. Aus einer monatlichen Sparrate von 100 Euro wird nach 35 Jahren bei einer Verzinsung von vier Prozent ein Kapital von 92 000 Euro angespart. Beträgt der Zinssatz nur 0,5 Prozent, hätte sich sich das Sparvermögen auf 46 000 Euro halbiert. „Die volle Wucht dieser Zinsentwicklung werden die Menschen in Deutschland erst nach und nach richtig zu spüren bekommen – wahrscheinlich sogar erst dann, wenn es für eine Kurskorrektur zu spät ist“, sagte Sparkassenpräsident Schneider.

Normalsparer blieben bisher verschont

Viele Banken und Sparkassen geben die Negativzinsen schon seit Längerem an Unternehmen, institutionelle Anleger wie Kommunen und sehr reiche Privatkunden mit hohen Einlagen weiter. Normalsparer blieben davon bisher verschont. Falls Negativzinsen anfallen würden, beträfe das alle Konten – unabhängig von der Höhe des Guthabens. Die Zukunft beschrieb Schneider jedenfalls so: „Die wertbeständige sichere Anlage der Vergangenheit – das Sparbuch – gibt es nicht mehr.“

Den niedrigen Sparzinsen stehen auf der anderen Seite günstige Zinsen für Immobiliendarlehen gegenüber. Im letzten Jahr stieg bei den 51 Sparkassen im Land die Summe der Immobilienkredite um 6,3 Prozent auf 68 Milliarden Euro an. Diese wurden zu 80 Prozent von Privatpersonen aufgenommen. Unterm Strich, so Schneider, würden jedoch die Vorteile durch günstige Zinsen bei Weitem durch die steigenden Baupreise aufgefressen.

In diesem Jahr rechnet der Sparkassenverband nicht mit Minuszinsen für Normalsparer – auch wenn die IT-mäßigen Voraussetzungen bereits vorhanden seien. Peter Schneider machte deutlich: „Negativzinsen wären nur ganz schwer vorstellbar und für mich der Abgrund.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: