Lastwagen quälen sich täglich durch Heimerdingen. Foto: factum/Bach

In Heimerdingen stauen sich die Autos schon heute regelmäßig. Die Situation wird sich 2017 verschärfen, wenn der Engelbergtunnel saniert wird. Derweil ergreifen die Bürger selbst die Initiative, um eine Lösung voranzutreiben.

Ditzingen - Hirschlanden hat eine, Schöckingen auch – nur der Ditzinger Stadtteil Heimerdingen harrt noch sehnsüchtig seiner Ortsumfahrung. Die lässt auf sich warten, vor 2019 werde sie nicht gebaut, heißt es beim Land, das die Hauptlast des mindestens 18 Millionen Euro teuren Baus trägt und finanziert.

Daran lässt sich offenbar nichts ändern, zumal die Zeiten längst vorbei sind, in denen örtliche Landespolitiker ein Projekt mit ihren Möglichkeiten forcierten. Nur weil der Ditzinger Landtagsabgeordnete Günther Oettinger nebst seinem christdemokratischen Parteifreund, Minister Herman Schaufler, einst das Projekt vorantrieben, sei die Schöckinger Umfahrung so schnell realisiert worden, sagen einstige Wegbegleiter.

So bleibt den Heimerdingern grundsätzlich nur abzuwarten – und das, obwohl sich die Verkehrssituation innerorts nach und nach zuspitzt. „14-Tonner fahren auf einem unbefestigten Feldweg, die Ortsmitte ist total verstopft, in Wohnstraßen kann man nicht mehr wohnen und schmale Straßen werden zur Durchgangsstrecken“, schildert der Heimerdinger Ortsvorsteher Fritz Hämmerle die Situation in seinem Ort, in dem ohnehin schon fünf Kreis- und Landesstraßen sternförmig zusammenlaufen.

Projekte in der Nachbarschaft verschärfen das Problem

Für die Verschärfung des Problems macht Hämmerle zwei zeitlich befristete Projekte in der Nachbarschaft verantwortlich. Zum einen bekommen die Heimerdinger offenbar die Sperrung der Straße inzwischen Hemmingen und Eberdingen während der Arbeiten am Übergang der Strohgäubahn zu spüren. Zum anderen machen sich in dem Ditzinger Stadtteil wohl auch die Auswirkungen der Bauarbeiten an der A 8 bemerkbar. Wer nach Heimsheim oder Rutesheim will, fahre eher von der Autobahn ab – und durch Heimerdingen durch.

Den anderen Kommunen sei dies grundsätzlich egal, sie hätten eine Umfahrung. „Nur Heimerdingen hat keine.“Als ob das alles nicht genug wäre, wird vom nächsten Jahr an zusätzlich im Engelbergtunnel gebaut. Die Sanierung werde fünf bis acht Jahre in Anspruch nehmen, weiß Hämmerle. Auch diese Ausweichroute werde teils über Heimerdingen führen, ist sich nicht nur der Ortsvorsteher und CDU-Stadtrat sicher. „Wenn die Baustelle kommt, sehen wir einen enormen Druck für Ditzingen“, sagt nämlich auch der Rathaussprecher Guido Braun. Er verknüpft diese Feststellung deshalb mit der Forderung, dass „eine Entlastung für die Stadt Ditzingen stattfinden muss“.

Wie das gelingen soll, ist freilich offen. Die Bürger haben derweil selbst die Initiative ergriffen und eine Unterschriftenaktion begonnen. Mehrere Hundert Bürger haben laut Hämmerle bisher unterschrieben, „Die geplante Südumfahrung darf nicht länger hinausgezogen werden“, heißt es auf dem Blatt, und Unterschriften würden gesammelt, „da das Verkehrsaufkommen in Heimerdingen immer mehr überhand nimmt“.

Das Land finanziert die Trasse

Die Heimerdinger, so bitter das auch klingen mag, sind Verkehr gewöhnt. Seit Jahren quält sich der Verkehr durch die Ortsmitte, vor allem dann, wenn Stau am Autobahndreieck Leonberg ist. Die geplante Umfahrung soll deshalb eine merkliche Entlastung für die Bürger bringen: Statt der täglich bisher rund 12 000 Fahrzeuge sollen es dann maximal 5500 täglich sein. Weil das Land die Trasse finanziert, sind der Kommune weitgehend die Hände gebunden. Die Heimerdinger Ortsverwaltung und das Ditzinger Rathaus werden deshalb immer wieder zum Ziel empörter Heimerdinger. Ihnen geht es nicht schnell genug, auch wenn Verwaltung und Gemeinderat die Voraussetzungen dafür schaffen, um mit dem Bau zu beginnen, sobald das Land die Gelder genehmigt. Dass sie in dieser Zeit bei der Politik nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgen die Ditzinger selbst: Die Landtagsabgeordneten erhalten dieser Tage verstärkt Post aus Heimerdingen. Unter anderem von Fritz Hämmerle.

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