Der südkoreanische Autobauer Hyundai hat beschlossen, 21 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Der Schritt ist als Reaktion auf die Androhungen von Zöllen durch US-Präsident Trump zu verstehen. Und könnte noch zu weiteren Verwerfungen führen.
Die Worte, die Hyundai-Chef Chung Eui-sun am Montag in Washington verkündete, könnten in Südkorea noch lange nachwirken. „Ich bin froh, ein zusätzliches Investitionspaket in Höhe von 21 Milliarden US-Dollar über die nächsten vier Jahre verkünden zu können – unsere größte Investition in den USA jemals.“ Der Manager stand im Weißen Haus, sprach in ernstem Ton. Neben ihm stand ein selbstzufrieden lächelnder US-Präsident Donald Trump. Der sah sich als Sieger.
Die Hyundai Motor Group, hinter Samsung und dem Mischkonzern SK Group das drittgrößte Konglomerat Südkoreas und weltweit einer der größten Autobauer, will auf diese Weise 1300 neue Jobs in den USA schaffen. So werde im Wert von 8,6 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden Euro) in die Autoproduktion investiert, hinzu kommen 6,1 Milliarden für die Herstellung von Stahl im Bundesstaat Louisiana sowie 6,3 Milliarden für Zukunftssektoren und Energie. Chung gibt sich positiv: Die Lieferkette sei damit endlich gesichert.
Riesencoup für Donald Trump
Immerhin wird dann ein Großteil der Komponenten, die Hyundai für den US-Markt braucht, selbst in den USA hergestellt. Für Donald Trump ist es ein Riesencoup. Hyundai nennt Trump nun ein „wirklich großartiges Unternehmen“. Und den Beschluss dieses Unternehmens, einen sehr großen Schritt in die USA zu machen, sieht Trump als „klares“ Zeichen dafür, dass seine Politik „sehr stark“ wirke.
Seiner Wählerschaft hat Trump immer wieder versprochen, dass er Jobs in die USA holen werde. Um dies umzusetzen, schreckt der 78-Jährige vor wenig zurück. Diversen Staaten, inklusive jenen der EU, hat er mit Strafzöllen gedroht oder diese aufgebürdet. Trumps Hintergedanke dabei: Um die Zölle für die Produkteinfuhr in die USA – der größten Volkswirtschaft der Welt – zu umgehen, sollen möglichst viele Unternehmen ihre Produktionsstätten in die USA verlagern.
Strafzölle ab 2. April
Auch auf Importe aus Südkorea planen die USA ab dem 2. April, Strafzölle zu erheben. Mit nun aber einer prominenten Ausnahme: Hyundai. Trump erklärte im Zuge der Investitionsverkündung: „Als Resultat werden sie keine Zölle zahlen müssen. Sie wissen ja, wenn man sein Produkt in Amerika herstellt, gibt es auch keine Zölle. Deshalb kommen jetzt so viele Leute her.“
Tatsächlich ist Hyundai nicht der erste Konzern, der seit Trumps Amtsantritt große Investitionen in die USA verkündet hat. Ähnlich verhält es sich mit dem taiwanischen Chiphersteller TSMC, der ein Investitionspaket von 100 Milliarden US-Dollar beschloss. Der schwedische Autobauer Volvo erwägt ähnliche Schritte. Die Liste ließe sich fortführen. Ob dies positive Auswirkungen haben wird, ist umstritten. „Trump inszeniert Hyundais Investitionspläne in den USA als wirtschaftspolitischen Erfolg – doch das könnte sich als Pyrrhussieg erweisen“, schätzt Frederic Spohr, Leiter des Seoul-Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung. „Mit der Androhung von Zöllen zwingt er südkoreanische Unternehmen zu Entscheidungen, die weniger auf ökonomischer Rationalität als auf politischem Druck beruhen.“
Ein Warnsignal für Südkoreas Betriebe
Nicht nur werden Produkte unterm Strich teurer. Spohr erkennt im Schritt von Hyundai auch ein Warnsignal für südkoreanische Betriebe sowie für die Politik, was den Umgang mit den USA – der wichtigsten Exportdestination – nun angeht. „Die Unternehmen hier nehmen sehr genau wahr, dass die USA unter Trump kein verlässlicher Standort mehr sind, sondern ein unberechenbarer Markt, in dem zuvor vereinbarte Regeln einfach beiseite gewischt werden.“
Glücklich kann man über die jüngsten Entwicklungen in Südkorea nicht sein. Denn das Land kämpft selbst seit Jahren mit stockendem Wirtschaftswachstum, teils wegen einer alternden Bevölkerung. Busan, die zweitgrößte Stadt des Landes, schrumpft etwa seit Jahren in hohem Tempo und deindustrialisiert sich. Um die Effekte einer Trump’schen Erpressungspolitik kleinzuhalten, haben sich südkoreanische Politiker seit Monaten bemüht, Zölle gegen Südkorea abzuwenden. Bisher ohne Erfolg.
Staatskrise in Südkorea
Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass auch Südkorea auf eine Weise zurückschlagen wird. Seit Dezember steckt das Land in einer Staatskrise, da der mittlerweile amtsenthobene Präsident Yoon Suk-yeol das Kriegsrecht ausgerufen hatte. Derzeit befindet das Verfassungsgericht über den Fall, dessen Urteil in Kürze verkündet werden dürfte. Währenddessen fehlt Südkorea eine handlungsstarke Regierung.
Falls die Amtsenthebung für rechtmäßig erklärt wird, finden binnen zwei Monaten Neuwahlen statt. Hier gilt weniger Yoons eher US-nahe People Power Party als Favoritin als die Demokratische Partei, die wohl mehr Nähe zu China suchen würde, also Trumps größtem Rivalen. Für Trumps Zollpolitik wäre das ein Problem. Denn geografisch – und daher potenziell handelspolitisch – ist China viel näher an Südkorea als die USA. Eine Hinwendung zu China, etwa mit Gegenzöllen gegen die USA, erschiene pragmatisch.
Südkoreaner sehen Trump als Problem
Sollte bald der Wahlkampf beginnen, könnte eine neue Nähe zu China ein beliebtes Thema werden. Meinungsumfragen zeigen jedenfalls, dass die Menschen in Südkorea in der Trump-Regierung vor allem Probleme für das eigene Land sehen. Das wiederum könnte sich mittelfristig zu einem Problem für Donald Trump selbst entpuppen.