Demonstranten fordern die Todesstrafe für den Ex-Präsidenten. Foto: AFP

Ex-Präsident Yoon Suk Yeol hat das Land nur kurzfristig ins Chaos gestürzt. Das System hat dem Stand gehalten. Das sollte Vorbildcharakter haben, sagt Christian Gottschalk.

Die internationale Beachtung hinkt der tatsächlichen Bedeutung Südkoreas schon immer ein wenig hinterher. Vor allem im Westen, wo sich der Blick nach Asien fast nur gen China, und vielleicht noch ein klein wenig nach Japan richtet. Südkorea ist ein Wirtschaftsriese, politisch wird er aber fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem unberechenbaren Nachbarn im Norden und der Diktatur der Kim-Dynastie gesehen. Dabei gerät dann leicht in Vergessenheit, dass die Demokratie im Süden vergleichsweise noch in den Kinderschuhen steckt. Bis Ende der 80er Jahre war auch in Seoul eine berüchtigte Militärdiktatur an der Macht.

 

Gerichte und Institutionen halten Stand

Ähnlich wie in Taiwan hat sich dann der demokratische Gedanke durchgesetzt, und nun eine Feuertaufe bestanden. Ex-Präsident Yoon Suk Yeol ist nicht nur mit seinem Versuch eines Putsches gescheitert. Er ist erst von einem Gericht abgesetzt und nun von einem anderen verurteilt worden.

Für das Land waren das schwierige Zeiten, aber der demokratische Rechtsstaat hat letztlich funktioniert. In einer Zeit, in der die Demokratie weltweit auf dem Rückzug ist, ist das eine gute Nachricht aus Fernost. Eine Nachricht, die Vorbildcharakter haben sollte. Dass Yoon seine lebenslange Haftstrafe mutmaßlich nicht absitzen muss, fällt da kaum mehr ins Gewicht. Fünf Ex-Präsidenten wurden schon vor ihm verurteilt – und dann meistens begnadigt.