Ein Löschlfugzeug im Einsatz nahe La-Londe-Les-Maures. Foto: AP

Die verheerenden Waldbrände im Süden Frankreichs breiten sich weiter aus. In der Nacht zum Mittwoch mussten mehr als 10 000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

St. Tropez - Auf dem Papier sind die vielen Feuer hübsch anzusehen. Die von Frankreichs Medien erstellten Karten vom Süden des Landes sind mit gelben und roten Tupfern übersät. Und es werden immer mehr. Die gelben stehen für erfolgreich eingedämmte Waldbrände, die roten für noch lodernde oder neu ausgebrochene. Aus der Nähe indes scheinen die sich entlang der französischen Mittelmeerküste ausweitenden Feuersbrünste wie Vorboten der Apokalypse. Aus Pinienwäldern schießen gigantische Feuer empor. Schwarzer Qualm verdüstert den Horizont. Löschflugzeuge kreisen über dem Inferno, werfen Wasser ab, ohne dass sich das Szenario entscheidend verändern würde. Windböen mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometern fachen das Feuer immer wieder von Neuem an.

In den sozialen Netzwerken machen Fotos verkohlter Autos und ausgebrannter Ferienwohnungen die Runde. Mehr als 20 Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten des Zivilschutzes befinden sich mit leichten Verletzungen, Rauchvergiftungen und in einem Fall auch schweren Brandwunden in ärztlicher Behandlung. Nach den verheerenden Waldbränden in Portugal und Italien gehen nun auch Teile Südfrankreichs und Korsikas in Flammen auf.

Die Aschefelder werden immer größer

Die an Mondlandschaften erinnernden Kohle- und Aschefelder sind inzwischen auf mehr als 5000 Hektar angewachsen. Am Vortag waren es 4000, am Montag 3000 Hektar gewesen. Besonders dramatisch war der Brand, der in der Nacht zum Mittwoch den Badeort Bormes-des-Mimosas heimsuchte. Gegen Mitternacht hatten die dort gegen die Feuersbrunst kämpfenden 560 Feuerwehrleute noch geglaubt, die sich mit durchschnittlich 83 Metern pro Minute nähernde Flammenwand aufhalten zu können. Zwei Stunden später war die Zuversicht dahin. Die Behörden ordneten eine nächtliche Massenevakuierung an. Etwa 12 000 Menschen, darunter auch 3000 Camping-Urlauber, wurden in Sicherheit gebracht. Dass es so weit kommen konnte, ist nicht allein der monatelangen Trockenheit geschuldet. Nach Angaben des „Nationalen Instituts für wissenschaftliche und technologische Forschung für Umwelt und Landwirtschaft“ sind 92 Prozent der Brände Menschenwerk. Knapp ein Drittel davon ist Brandstiftern zuzuschreiben, der Rest rührt von weggeworfenen Zigaretten her, von Bauarbeiten, Auto- und Zugverkehr oder auch schadhaften Stromleitungen.

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