Polizisten lösen die Sitzblockade der Stuttgart-21-Gegner vor dem Südflügel des Stuttgater Hauptbahnhofs auf. Klicken Sie sich durch Bilder von der Polizeiaktion. Foto: 7aktuell.de/Becker, Eyb, Gerlach

Polizei hat am Freitagmorgen Sitzblockaden der S21-Gegner am Hauptbahnhof aufgelöst.

Stuttgart - Fast dreimal so viele Polizisten als Protestierer: Die Räumung der Straße vor dem Südflügel des Hauptbahnhofs ist am frühen Freitagmorgen schnell entschieden gewesen. Etwa 1700 Beamte rückten gegen 3 Uhr am Schlossgarten an und hatten die Lage relativ schnell unter Kontrolle. Etwa 600 Stuttgart-21-Gegner errichteten zwar Barrikaden und leisteten mit Sitzblockaden Widerstand gegen die geplanten Abrissarbeiten – im Gegensatz zum Schwarzen Donnerstag vor über 15 Monaten kam es aber zu keinen Übergriffen oder Ausschreitungen. Beide Seiten ließen sich nicht provozieren.

„Ich bin vom Verlauf angenehm überrascht“, so eine erste Bilanz des Stuttgarter Polizeipräsidenten Thomas Züfle, „wir haben die Lage im Griff.“ Stundenlang ließen die Beamten die Sitzblockierer gewähren, der  Beginn der Räumung wurde bis kurz vor 6 Uhr hinausgezögert. Die Protestierer wurden per Lautsprecher und Leuchtbandanzeigen immer wieder aufgefordert, das gesperrt 300 Meter lange Straßenstück entlang des Südflügels freiwillig zu verlassen. Wegen der Eiseskälte gaben manche Blockierer aber vorzeitig auf.

Hier geht's zum Video vom Abriss-Protest

Die Gegner des Bahnprojekts verhielten sich friedlich: Beim Wegräumen der Barrikaden aus Baustellenschranken, Holz und Pappe gab es keine Gegenwehr. Einige Aktivisten mussten dennoch weggetragen oder vom Platz geführt werden – was sie eine Anzeige wegen Nötigung und 80 Euro Strafe kosten wird. Parkschützer-Sprecher Matthias von Herrmann zeigte sich über die Zahl der Demonstranten von 600 „sehr zufrieden“ – dafür, dass man relativ spät alarmiert habe. Dies sei ein klares Signal an die grün-rote Landesregierung.

Gegen 7.30 Uhr waren die Sitzblockaden weitgehend beendet. Zwei Demonstrantinnen hatten sich mit Fahrradschlössern an ein Fenstergitter des Südflügels gekettet. Die Polizei begann damit, die beiden Frauen freizuflexen.

Der Ball liegt nun bei der Bahn: Sie muss nun den Südflügel mit einem Bauzaun absichern und den Abriss vorantreiben. Geplant sind zunächst Entkernungsarbeiten im Gebäude, erst dann soll die Fassade fallen. Die Abbruchaktion soll über mehrere Wochen dauern.

So liefen die Nacht und der Morgen ab - das Protokoll zum Südflügel-Protest:

7.25 Uhr: Die Sitzblockaden sind weitgehend beendet. Zwei Demonstranten haben sich mit Fahrradschlössern an ein Fenstergitter des Südflügels gekettet.

7.00 Uhr: Die Bahn lobt den Polizeieinsatz. „Ich bin zufrieden, dass nichts eskaliert ist“, sagt der Konzernbevollmächtigte für Baden-Württemberg, Eckhart Fricke.

5.30 Uhr: Die Einsatzkräfte beginnen damit, die Sitzblockaden zu räumen

5.15 Uhr: Die Polizei hat nach eigenen Angaben bislang zwei S-21-Gegner wegen Besitzes von Pfefferspray und einer Beleidigung festgenommen.geheizt.

4.40 Uhr: Die Polizei räumt eine Barrikade aus Holz, Paletten und Möbeln auf der Seite zur Innenstadt; zuvor hatten die Einsatzkräfte bereits eine andere Barrikade entfernt.

4.01 Uhr: Ein Kehrfahrzeug der städtischen Müllabfuhr reinigt die Straße vorm Südflügel und umfährt dabei die Polizistengruppen.

4.00 Uhr: Als neuer Versammlungsort wird den Demonstranten der Mittlere Schlossgarten zur Verfügung gestellt, wie die Polizei über Twitter und Facebook mitteilt.

3.50 Uhr: Der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle sagt: „Die Polizei hat die Lage im Griff.“

3.19 Uhr: Mit Lautsprecherdurchsagen fordert die Polizei die Demonstranten vor dem Südflügel auf, die Straße „Am Schlossgarten“ zu verlassen.

3.45 Uhr: Die Polizei teilt mit: Der Einsatz verlief bislang störungsfrei.

3.05 Uhr: Der Polizeieinsatz am Südflügel hat offiziell begonnen.

2.59 Uhr: Polizisten laufen zum Südflügel.

2.50 Uhr: Erste Polizisten mit Blaulicht werden im Schlossgarten gesichtet.

2.37 Uhr: Eine Versammlung der Projektgegner am Südflügel wird nach Polizeiangaben von der Stadt verboten.

1.15 Uhr: Rund 600 Demonstranten hat die Bundespolizei nach Angaben eines Sprechers gezählt. Die Stimmung gegenüber den Beamten sei auf

0.39 Uhr: Die Polizei Stuttgart twittert: „Aufgrund des hohen Personenaufkommens auf der Straße Am Schloßgarten vor dem #Hauptbahnhof ist eine Fahrbahnseite gesperrt.“

0.37 Uhr: Die Polizei Stuttgart twittert, bis jetzt sei keine angemeldete Versammlung bekannt.

0.30 Uhr: Mehrere hundert Demonstranten treffen sich am Stuttgarter Hauptbahnhof.

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