Ein Reiserückkehrer unterzieht sich am Nürnberger Flughafen einem Corona-Test. Foto: dpa/Daniel Karmann

Hochansteckende Coronavirusmutanten aus Südafrika und Großbritannien versetzen die Politik in Alarmbereitschaft. Reisende aus Ländern, in denen solche Mutation grassieren, sollen sich künftig testen lassen müssen.

Berlin - Die Bundesregierung verschärft die Einreisevorschriften für Länder, in denen Virus-Mutationen auftreten. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf des Gesundheitsministerium hervor, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschließen soll. Künftig soll es eine Einreise-Testpflicht nicht nur für Länder mit hohen Infektionszahlen geben, sondern auch für Staaten, in denen die Mutationen vermehrt auftreten. Mobilfunknetzbetreiber werden zudem verpflichtet, dass sie Personen, die erstmals in Deutschland ankommen, die geltenden Corona-Auflagen per SMS zuschicken.

Inzwischen ist auch eine Virusmutante aus Südafrika in Deutschland nachgewiesen worden. Betroffen sei eine erkrankte Person aus dem Zollernalbkreis, teilte das Baden-Württembergs Sozialministerium mit. Sie sei mit ihrer Familie von einem längeren Aufenthalt in Südafrika zurückgekehrt, alle hätten sich fünf Tage später testen lassen. „Diese Tests fielen negativ aus“, hieß es. Eine Woche später hätten erste Familienmitglieder milde Krankheitssymptome entwickelt. Mittlerweile seien Corona-Infektionen bei sechs Personen aus drei Haushalten nachgewiesen worden. Das Nationale Konsiliarlabor für Coronaviren, die Charité Berlin, habe die Abstrichprobe der zuerst erkrankten Person genauer untersucht und am Montag die Virusvariante B.1.351 - auch als 501Y.V2 bekannt - bestätigt. Nun würden auch die Abstriche der Kontaktpersonen untersucht, erklärte das Sozialministerium weiter.

Lauterbach warnt vor Gefahr der Re-Infektion

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, selbst Mediziner, zeigte sich auf Twitter hochbesorgt über das Auftreten der Südafrika-Mutation: „Die Entwicklung der Fall- und Todesfälle legt entweder ein 50-prozentige Erhöhung der Ansteckung oder eine deutliche Erhöhung der Gefahr der Re-Infektion nahe. Gerade letzte Möglichkeit wäre sehr gefährlich.“

Auch in Großbritannien und Irland grassieren Virusmutanten und lassen die Infektionszahlen sprunghaft ansteigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte am Dienstag eindringlich vor der in Großbritannien aufgetauchten veränderten Variante des Coronavirus. Sie könne in sehr kurzer Zeit „die Führerschaft gegenüber dem alten Virus“ übernehmen, dann wäre man wieder mitten im exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen, sagte Merkel in der Unionsfraktionssitzung nach Angaben mehrerer Sitzungsteilnehmer. „Deshalb ist also aller-, allerhöchste Vorsicht geboten.“

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