Das Greenpoint Fußballstadion in Cape Town, eines der FIFA WM 2010 Stadien in Südafrika. Foto: dpa

Eine Show der Superlative umrahmt die Gruppenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Derweil haben die Organisatoren mit Problemen zu kämpfen.

Kapstadt - Eine Show der Superlative umrahmt am Freitag die Gruppenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Derweil haben die Organisatoren des Mega-Ereignisses immer noch mit allerhand Problemen zu kämpfen.

"Die Auslosung der Gruppenspiele am 4.Dezember wird der perfekte Auftakt zu Afrikas erster Fußball-Weltmeisterschaft", schwärmt Danny Jordaan, Chef des südafrikanischen Organisationskomitees für die WM 2010. Ein Fest, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, soll es werden. Den Startschuss hat Kapstadts Oberbürgermeister Dan Plato bereits am ersten Adventssonntag gegeben. In der Fußgängerzone der Kapmetropole schaltete er die Weihnachtsbeleuchtung ein, die in diesem Jahr ganz im Zeichen des Fußballs steht. Der Tafelberg wurde zur Feier des Tages von Dutzenden Scheinwerfern in taghelles Licht getaucht. Ein Karnevals-Umzug mit 2000 Teilnehmern, sieben Stunden Live-Musik, Nationalspieler vom südafrikanischen Team "Bafana-Bafana" zum Anfassen: 100.000 Zuschauer, Einheimische und Touristen, waren von dem Spektakel begeistert.

Bereits zwei Tage später ging es Schlag auf Schlag weiter: Kapstadts Oberbürgermeister begrüßte in einer feierlichen Zeremonie die Delegierten des Weltfußballbunds Fifa. Am Freitag wird Kapstadt endgültig in den Fußball-Rausch fallen. Dann werden im Internationalen Kongresszentrum die Gruppenspiele ausgelost.

200 Millionen Fernsehzuschauer in 200 Ländern sollen Zeuge der Riesenparty sein: Südafrikanische und internationale Stars bieten im Rahmenprogramm eine 90-minütige Live-Show, moderiert von der Oscar-Preisträgerin Charlize Theron. Von Franz Beckenbauer bis zu Nationaltrainer Joachim Löw gibt sich alles die Ehre, was in Fußball-Deutschland Rang und Namen hat. Im Convention Center werden die 32 WM-Teilnehmer in acht Gruppen aufgeteilt. Deutschland wird bei der Loszeremonie im Topf 1 der acht besten Mannschaften sein. Nach der Auslosung stehen die drei deutschen Gruppengegner und die Spielorte für das Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli fest.

b>Eine Show der Superlaitve Während die Großen im Kongress-Zentrum feiern, wird in der abgesperrten Innenstadt unter dem Motto "Kapstadt liebt Fußball" von Mittag bis Mitternacht gesungen, getanzt, gegessen, getrunken. Die Auslosung wird auf Riesenbildschirme übertragen. "Die Stadt wird alle Register ziehen, um der Welt bei diesem einmaligen Ereignis ihre Professionalität, ihre Kreativität und ihre Erfahrung zu demonstrieren", verspricht Plato. Fifa-Generalsekretär Jérome Valcke ist sicher: "Das wird das WM-Fieber nicht nur im Gastgeberland steigen lassen, sondern auch in den Ländern, die sich qualifiziert haben."

Noch vor der Endauslosung trifft sich das Fifa-Exekutivkomitee zu einer historischen Sitzung auf der Gefangenen-Insel Robben Island vor Kapstadts Küste, an der auch Südafrikas Vizepräsident Kgalema Mothlante teilnimmt. In dem berüchtigten Insel-Gefängnis verbrachte Südafrikas Freiheits-Ikone Nelson Mandela den größten Teil seiner 27-jährigen Haft. Dort hatten einst fünf seiner Mitgefangenen den Fußball-Verband Makana FA gegründet, der heute Ehrenmitglied der Fifa geworden und dessen Geschichte in dem Film "More Than Just A Game" verewigt worden ist. Spätestens dann ist für die Fußball-WM 2010 der Point of no Return erreicht.

Danny Jordaan, der sich den Glauben an die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden auch dann noch bewahrt hatte, als Fifa-Präsident Sepp Blatter mit dem Entzug der Spiele gedroht und über einen Plan B geunkt hatte, ist sich nun ganz sicher: "Es wird nicht nur die schönste Endauslosung, es wird auch die schönste Fußball-WM aller Zeiten." Südafrika sei sogar besser gerüstet als Deutschland vor vier Jahren, verkündet er vollmundig. "Damals in Deutschland konnte man britische Fans überall kampieren sehen, wo Platz war, auf Bahnhöfen und in Massenquartieren", sagt er. "Wir haben genug Unterkunftsmöglichkeiten für alle Fans und Touristen, die im nächsten Jahr in unser Land kommen. Neben Hotels, darunter 30 neue mit Weltklasse-Standard, gibt es auch preiswerte Gästehäuser und Studentenunterkünfte."

Transport von und zu den Spielen und vor allem Sicherheit - für Schönredner Danny Jordaan sind das alles keine Probleme. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", tönt er. Sechs der zehn WM-Stadien rangierten in der Topliste der zehn weltbesten Sportarenen. Die Fans, die zu Hunderttausenden kommen werden, um ihre Teams zu unterstützen, könnten sich in Südafrika "wie zu Hause fühlen": Stadien, Trainingsplätze und die Hotels für Teams und Fans seien sicher. "Das kann ich garantieren." Seit 1994 sei Südafrika Gastgeber für 140 Ereignisse von Weltformat gewesen. "Es hat kein einziges Problem gegeben."

Ticket-Verkauf läuft nur schleppend

Ganz so ungetrübt, wie Jordaan es darstellt, ist der südafrikanische Fußball-Himmel allerdings nicht. Der Ticket-Verkauf läuft nur schleppend. Bis Mitte November waren erst 25.000 Karten an deutsche Fußball-Freunde verkauft. Auch nach Großbritannien gingen bisher nur 50.000 Tickets. Die meisten Karten haben US-Fans erworben: 86.000. Auch beim Konföderations-Cup im Sommer blieb der Kartenverkauf weit hinter den Erwartungen zurück. Die Ränge konnten zum Schluss trotz massiver Werbekampagnen nur durch die Verteilung kostenloser Tickets gefüllt werden.

Auch die Kriminalität ist immer noch erschreckend hoch. Der Mord an dem österreichischen Ex-Nationalspieler Peter Burgstaller bei der Vorrunden-Auslosung im November 2007 in Durban ist bis heute unvergessen. Der deutsche Team-Manager Oliver Bierhoff, der sich mehrfach vor Ort über die Sicherheitslage informiert hat, warnt immer wieder vor Sicherheitsrisiken für Fans und Spieler. Auch das Auswärtige Amt in Berlin erhält seine Reisewarnung für Südafrika-Besucher uneingeschränkt aufrecht: Es gebe nach wie vor eine "hohe Kriminalitätsrate einschließlich hoher Gewaltkriminalität". Die Fifa und die südafrikanischen Sicherheitskräfte arbeiten fieberhaft an einem Sicherheitskonzept für die WM. 41.000 Polizisten will Südafrika zum Schutz von Fans und Mannschaften einsetzen. Interpol wird vor Ort mit eigenen Büros vertreten sein. Die Teams werden von eigenen Personenschützern begleitet. In Städten wie Durban sollen die Fans unter Polizeischutz durch "Sicherheitskorridore" zum Stadion und zurück gebracht werden.

Der Transport Tausender Fußball-Fans zu den Stadien gehört zu den größten Problemen des Gastgeberlandes. Einen öffentlichen Personennahverkehr gibt es praktisch nicht. Taxis sind oft unsicher. Die Sammeltaxis gehören meist Familienclans, die eng mit der Unterwelt verbunden sind.

Kapstadt hat ehrgeizige Pläne

Kapstadts ehrgeizige Pläne für den Aufbau eines öffentlichen Personennahverkehrs sind fast gescheitert: Die Kosten wachsen astronomisch. Für die Zeit der WM soll wenigstens ein Miniprogramm mit 45 neuen Bussen auf die Beine gestellt werden. Die Preise für Inlandsflüge werden sich zum Teil verzehnfachen. Ein Rückflug-Ticket von Kapstadt nach Johannesburg, derzeit für weniger als 2000 Rand (umgerechnet 180 Euro) zu haben, soll während der WM 725 bis 815 Euro kosten. Allein die Flughafengebühren werden nach Angaben des Chefs der Billigfluglinie Kulula, Erik Venter, um 133 Prozent steigen. Unsicher ist, ob der staatliche Strommonopolist Eskom den Energiebedarf während der WM decken kann. Mit großen industriellen Stromabnehmern hat der krisengeschüttelte Energie-Riese aushandeln müssen, dass sie während der WM ihren Strombedarf drastisch reduzieren. Auch die Nachbarstaaten Mosambik und Simbabwe werden mit weniger Energie auskommen müssen, damit während des Fußball-Fests nicht die Lichter ausgehen.

Noch immer gibt es Jordaans Beteuerungen zum Trotz nicht genug Hotelbetten. Nach Medienberichten fehlen von den benötigten 55.000 Hotelbetten noch immer 8000. Nun sollen angeblich Kreuzfahrtschiffe in Durban, Port Elizabeth und Kapstadt helfen, die Lücken zu schließen. Einige reiche Fußball-Fans haben vorsorglich teure Villen in Kapstadt angemietet. Die "Sunday Times" berichtet, dass vier Londoner Freunde an Kapstadts Millionärs-Strand Clifton für die vier Wochen der WM eine Villa mit fünf Schlafzimmern zum Preis von 2,4 Millionen Rand (217.000 Euro) als "Basiscamp" angemietet haben. Ein Immobilienmakler habe ein Mietobjekt, das 4,2 Millionen Rand (380.000 Euro) kosten soll, der Zeitung gegenüber gar als Schnäppchen bezeichnet. Für Fußball-Star David Beckham und seine Frau Victoria stehe schon während der Gruppenauslosung eine Luxus-Bleibe in einem hochgesicherten Gelände mit Golfplatz zur Verfügung.

Doch auch der Normal-Fan, der nach Südafrika reisen will, muss tief in die Tasche greifen. Eines der derzeit günstigsten Pauschalangebote deutscher Reiseunternehmen liegt bei 2700 Euro für Flug, zwei Tage Aufenthalt und ein Ticket für ein Gruppenspiel. Wer es komfortabler haben möchte, kann für 11,2 Millionen Rand (eine Million Euro) eine Luxusreise buchen. Dafür darf der Nobel-Fan alle wichtigen Spiele von einer luxuriös ausgestatteten Privat-Suite in den Stadien aus verfolgen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: