Schülerinnen der Mbuyisa Makhubu Grundschule im Township Soweto. Foto: AFP

An einem kleinen Gymnasium im Nordosten Südafrikas sind 36 Schülerinnen schwanger. Die Behörden sind „überrascht“. Was könnten die Gründe für die Teenagerschwangerschaften sein?

Johannesburg - Teenagerschwangerschaften sind in Südafrika keine Seltenheit, doch was sich derzeit an einer Schule im Nordosten des Landes abspielt, macht selbst die Behörden sprachlos. In einem kleinen Gymnasium in der Nähe der Stadt Thohoyandou sind 36 Schülerinnen schwanger. „Es ist überraschend. Normalerweise sollte es in der Schule nicht so viele Schwangerschaften geben“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Provinz Limpopo, Neil Shikhwambana. Die Schule im Ort Vhembe hat gut 900 Schülerinnen und Schüler, die betroffenen Mädchen sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Die Behörden untersuchten nun die Gründe für die massenhaften Schwangerschaften, kündigte Shikhwambana an.

Das Problem ist nicht neu, vor allem in ländlichen Gebieten wie Limpopo. So wurden an einer Schule in Polokwane im Juli 27 Schwangerschaften gemeldet. Im etwas südlich gelegenen Verwaltungsbezirk Ekurhuleni verzeichneten die Behörden im vergangenen Jahr insgesamt 1000 schwangere Schülerinnen, die jüngste war gerade in der fünften Klasse, in der Provinz Limpopo waren es im gleichen Zeitraum 600. Landesweit haben rund 15 Prozent aller Mädchen vor Vollendung des 19. Lebensjahres bereits ein oder mehrere Kinder, wie Zahlen der Statistik-Behörde zeigen.

Pro Tag werden 110 Vergewaltigungen gemeldet – die Dunkelziffer ist deutlich höher

Experten machen dafür unter anderem mangelnde Kenntnisse über Verhütungsmöglichkeiten, Armut und auch Fälle von sexuellem Missbrauch verantwortlich. Laut Statistik werden in Südafrika pro Tag 110 Vergewaltigungen gemeldet. Viele Experten halten diese Zahl jedoch für geschönt, nur eine von 13 Vergewaltigungen werde überhaupt gemeldet, beklagen sie. Ein weiteres Problem ist das Phänomen der „Sugar Daddys“, ältere Männer, die junge Mädchen im Gegenzug für ungeschützten Sex finanziell unterstützen.

Auch im Fall der 36 Schwangeren von Limpopo steht im Raum, dass die Partner weniger unter den Mitschülern, sondern eher im Lehrkörper oder unter älteren Männern zu finden sind. So klagte ein Sprecher des Departments für Grundbildung unlängst der Tageszeitung „Sowetan“: „Der Sex findet nicht in den Schulen statt. Er findet in der Gesellschaft statt, alte Männer schlafen mit Kindern. Und das Problem sind ja nicht nur die Schwangerschaften, das Problem ist HIV beziehungsweise AIDS.“ Allein im vergangenen Jahr infizierten sich 210 000 Südafrikaner mit HIV.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: