Vor der Kulisse der Klosterkirche von St. Märgen sind schon viele Filme gedreht worden, zum Beispiel „Das Schwarzwaldmädel“ mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in der Hauptrolle Foto: Schwarzwald Tourismus

Schon ein kurzes Wochenende im Schwarzwald kann sehr erholsam sein – zum Beispiel: mit einer Panorama­wanderung bei St. Märgen und einem Besuch im Landfrauen-Café.

Hinterzarten - Wenn es in der Stadt heiß und stickig ist, sehnt man sich nach schattigem Wald und murmelden Bächen, nach einem weiten Ausblick über grüne Wiesen und einer Wanderung in erfrischender Höhenluft. Zu einem der besten Ausgangspunkte im Schwarzwald dafür gehört sicherlich Hinterzarten. Behäbig und verlässlich liegt es auf der Hochebene, und es ist von den meisten Städte im Südwesten aus schnell erreicht – auch mit dem Zug.

Margeriten blühen auf der ausgedehnten Dorfwiese. Hinter dem Parkhotel Adler leuchten gelbe Sumpfdotterblumen im schmalen Wassergraben. Am Nachmittag lässt sich trefflich das Hochmoor umrunden, federweich die Holzplanken, klar und frisch die Schwarzwaldluft. Gemütlich herum­sitzen kann man überall, im Café-Pavillon des Adlers oder vorne an der Dorfstraße, natürlich­ auch auf jeder sonnigen Parkbank. Wie geruhsam ist das hier.

Am nächsten Tag steht eine sportlichere Tour an. Für Radfahrer bietet sich eine schöne Tour übers Bärental zu dem Raimartihof und dem Feldsee an. Wer gern zu Fuß geht, sollte die Panoramawanderung von St. Märgen nach St. Peter ausprobieren. Auch ohne Auto funktioniert das fabelhaft, denn ein Landbus bringt die Wanderer von Hinterzarten nach St. Märgen.

Wer weiß schon, dass der Kuckuck ursprünglich eine Amsel war?

Der heilklimatischen Kur- und Wallfahrtsort wurde vor 900 Jahren erstmals ­erwähnt. Die Gründung des Klosters geht auf das Jahr 1118 zurück. Die Mönche des Augustiner Chorherrenstifts hatten dazu eine gute Lage ausgesucht – auf einer Anhöhe über den engen Tälern. Die Klosterkirche, ein barocker Nachfolgebau aus dem 18. Jahrhundert, steht offen: ein hochmittelalterliches Gnadenbild zeigt eine sitzende Madonna. Es ist das wertvollste Stück des Klosters und bis heute Ziel der Wallfahrt.

Das Klostermuseum nebenan zeigt seit 2007 neben Skulpturen des Barockbildhauers Matthias Faller Hinterglasmalerei und Zeugnisse traditionellen Lebens in der Region. Kernstück der Sammlung sind aber rund 150 Uhren. Anhand der Ausstellungsstücke zeichnen die Macher die Geschichte der Schwarzwalduhr von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert nach, und man kann ­dabei einiges lernen, zum Beispiel dass die berühmte­ Kuckucksuhr nicht den Beginn, sondern den Endpunkt der Schwarzwalduhr markierte und dass der Kuckuck ursprünglich eine Amsel war

Vorbei am Gasthaus Rössle, dem ältesten Gasthaus im Ort, zweigt der Weg vor dem Hotel Hirschen links ab und führt aus der Ortschaft. Am Waldrand staunt man über die Rankmühle. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie etwa 700 Meter vom Rankhof entfernt gebaut, da es beim Hof selbst nicht genügend Wasser gab. Der Weg zweigt allerdings am „Landfeld“, ein kurzes Stück vor der Mühle, links ab. Also wieder ein wenig zurück und der gelben Raute des Schwarzwaldvereins folgen, sonst kommt man auf Abwege tief in den Wald – und nicht nach St. Peter.

An schönen Tagen kann man vom Kapfenberg aus bis hin zu den Vogesen blicken

Ein wunderbarer Weg führt nun am Waldrand entlang, sanft ansteigend über das Birkwegeck, vorbei an der Ibenbachquelle mit dem Brunnen bis zur Kapfenkapelle. Damit ist schon der höchste Punkt am Kapfenberg erreicht. Er liegt 1028 Meter über dem Meerspiegel und bietet eine sagenhafte Aussicht: Feldberg, Schauinsland und Thurner sind zugleich zu sehen, dazu die barocken Kirchtürme der beiden Klostersiedlungen. Die folgende Vogesenkapelle, deren spannende Entstehungsgeschichte im Innern erzählt wird, bringt wieder neue Aussichten: an schönen Tagen kann man von hier die Rheinebene bis hin zu den Vogesen überblicken. Von nun an geht’s bergab, zuletzt sonnig durch die Wiesen, Kuhglocken begleiten jeden Schritt. St. Peter mit den beiden markanten Türmen rückt immer näher, nach knapp zehn Kilometern ist das Ziel erreicht.

Der Klosterbezirk und seine Barock­kirche aus rotem Buntsandstein sind unbedingt einen Besuch wert. Die ehemalige Benediktinerabtei hütet eine berühmte Rokoko-Bibliothek­, die mit Führungen besucht werden kann. Anschließend bringt der Bus 7216 die Wanderer bequem wieder nach St. Märgen. Wer noch Energie hat, wandert weiter über den Rufenhof und die Olmen­kapelle zurück nach St. Märgen, gute 17 Kilometer­ werden es dann.

Doch ob zu Fuß oder mit dem Bus zurück nach St. Märgen: Ein Besuch im Café Goldene Krone ist ein Muss. Die Landfrauen gründeten das Projekt zur Rettung der ehemaligen Klosterherberge. Sie restaurierten mit enormer Eigenleistung die Räume und bewirten seit gut zehn Jahren erfolgreich Gäste aller Art – mit hausgemachten Kuchen und Torten, mit Suppen und Salaten, im Sommer auch mit feinem Eis. Im Treppenhaus zeugen Fotos von dem Engagement der Schwarzwälderinnen. Sie leben nicht nur auf der ­Höhe – sondern auch auf der Höhe der Zeit.

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