Der Vorstandsvorsitzende der Marienheimstiftung, Manfred Gann, zeigt sich besorgt über eine Substitutionsambulanz direkt in der Nachbarschaft. Foto: Heinz Heiss

Die Suchthilfe rettet Leben. Dieses Gut wiegt mehr als die verständlichen Sorgen von Anwohnern.

S-Mitte - Wer Probleme lieber anderen in die Schuhe schiebt, statt sie zu lösen, hat mit dem Heiligen Florian sogar einen eigenen Schutzpatron. Die Stuttgarter Bezirke Süd und Mitte stünden unter dem Verdacht, Floriansjünger zu sein, wenn sie bei der Debatte um eine zentrale Anlaufstelle für die Suchthilfe ausschließlich auf die Klagen ihrer Anwohner hören. Denn dann würde die Standortsuche für immer ohne Ergebnis bleiben. Immobilienbesitzer, die sich Gedanken um den Wert ihrer Objekte machen, finde sich in jedem Bezirk. Oder Menschen, denen Abhängige Angst machen. DieSzene ist tatsächlich nichts, was eine Stadtgesellschaft schöner oder reicher macht. Sie verursacht Müll, Armut und Kriminalität. Doch gerade die Suchthilfe ist für viele der Weg aus der Szene. Sie ist überlebensnotwendig. Das Recht auf Leben ist ein höheres Gut als das Bedürfnis nach Ruhe oder die Sorge um den finanziellen Wert von Wohneigentum. Die Bezirke Mitte und Süd sollten bei Sondierungen über die Standorte Adlerstraße oder die Katharinenstraße also mitreden dürfen. Die Sorgen der Anwohner können aber bei der letzendlichen Entscheidung nicht mehr genauso viel wiegen wie die Bedürfnisse der Suchthilfe.

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