Einen Fellbacher Tiny Forest auf privatem Grundstück gibt es bereits – bei der SDK. Hier die Baumpflanzung im April mit Baubürgermeisterin Beatrice Soltys und den SDK-Vorständen Olaf Engemann (links) und Ulrich Mitzlaff. Foto: Dirk Herrmann

Nachdem der See im Park der Schwabenlandhalle nicht in einen Tiny Forest verwandelt werden darf, hoffen die Baumfreunde auf einen alternativen Standort in Fellbach.

Der kleine See im Park der Schwabenlandhalle in Fellbach (Rems-Murr-Kreis), südlich des Best Western Hotels gelegen, wird entsprechend eines Vorschlags der Stadtverwaltung ökologisch aufgewertet. Dieser Vorgabe der Fachabteilungen im Rathaus hat sich der Fellbacher Gemeinderat kürzlich einstimmig angeschlossen,

 

Schließlich handelt es sich bei dem See um ein wertvolles Biotop, in dem sich Teich- und Grasfrosch wohlfühlen und auch sonst ein starkes Amphibienvorkommen festgestellt wird. Enten, Libellenlarven und Fisch sind im Gewässer beheimatet, zudem besteht eine „hohe Wahrscheinlichkeit für ein essenzielles Jagdhabitat für Fledermäuse“, so das Ergebnis einer extra in Auftrag gegebenen artenschutzrechtlichen Relevanzuntersuchung vom April 2025.

Nilgänse haben keinen Zutritt

In diesen Tagen, kurz nach dem Fellbacher Herbst, beginnen die Sanierungen, um dominante Hölzlinge und Wildlinge zurückzuschneiden oder zu roden. Der westliche Bereich des Sees wird mit einem 80 Zentimeter hohen, unauffälligen Holzzaun aus Haselnussstaketen versehen, um etwa Nilgänsen den Zugang zu erschweren, während Kleintiere durch Zaunlücken schlüpfen könnten.

Die Arbeiten, beaufsichtigt von der Grünflächenabteilung im Tiefbauamt und vom Sachgebiet Landschaftsplanung und Naturschutz im Stadtplanungsamt, sollen bis Ende November abgeschlossen sein. Die Kosten für die aktuelle Ertüchtigung liegen bei „schätzungsweise 45.000 Euro“.

Die Entscheidung pro See bedeutet allerdings zugleich, dass der Teich dort nicht durch einen Mini-Wald ersetzt wird. Einen solchen Tiny Forest hatten sich einige Gemeinderatsfraktionen gewünscht. „Eigentlich hätten wir hier schon gerne einen kleinen Wald gesehen“, erklärte Stephan Illing von den Grünen in der Gemeinderatssitzung.

Dabei gibt es in Fellbach schon einen Tiny Forest – allerdings nicht auf öffentlichem, sondern auf einem privatem Grundstück, nämlich jenem der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) nahe des Bahnhofs. Nordöstlich des SDK-Neubaus am Raiffeisenplatz haben im April dieses Jahres Vorstände der Versicherung gemeinsam mit der Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys die ersten Pflänzchen in die Erde gesetzt. 250 Bäume sollen eines Tages auf der 100 Quadratmeter großen Fläche mehrere Meter in die Höhe ragen – Eiben, Ulmen, Heckenkirschen, Mispel oder Mehlbeeren.

Gesucht wird ein Pendant zum privaten SDK-Wald

Schon bei diesem Termin versprach die Baudezernentin, kaum dass die den Spaten aus der Hand gelegt hatte: „Wir werden im Laufe dieses Jahres irgendwo in Fellbach ein Pendant zu diesem SDK-Wald haben.“ Allerdings sei es nicht einfach zu klären, „wo in Fellbach der beste Standort für ein solches Projekt ist“.

Auch in der jüngsten Sitzung des Lokalparlaments erklärte Soltys: „Eine uneingeschränkt gut geeignete Fläche drängt sich dabei im Stadtgebiet nicht auf.“ Ein Suchlauf für mögliche Alternativstandorte zum See im Stadtpark listet immerhin einige mögliche Areale auf. „Allerdings sind alle ermittelten Flächen bereits mit anderen Funktionen belegt.“

Bei den von Gundis Steinmetz vom Stadtplanungsamt aufgeführten unversiegelten Flächen handelt es sich um diese fünf:

  • Lehmgrube nahe des Schmidener Stadions
  • Ernst-Wiechert-Platz nahe des Fellbacher Stadtteil- und Familienzentrums
  • Klenk-Areal in Bahnhofsnähe
  • Neuer Platz im künftigen Gewerbegebiet Siemensstraße
  • Theodor-Heuss-Platz nahe der alten Volkshochschule

Bei vier dieser Vorschläge sprechen etliche Argumente gegen die Umgestaltung zu einem künftigen Fellbacher Tiny Forest: Der trocken gefallene Tümpel in der Lehmgrube gilt als „eine gestörte Wasserfläche“. Woran der dortige Wasserschwund liegt, ist unklar und müsste untersucht werden. Die Wiederbefüllung mit Wasser käme recht teuer. „Da das Gelände einen hohen Gehölzbestand aufweist, stellt sich die Frage, ob in diesem Erholungsgelände der Wiederherstellung einer Wasserfläche nicht trotzdem Vorrang vor einem Tiny Forest gegeben werden sollte.“

Der Ernst-Wiechert-Platz eignet sich aufgrund seiner verdichteten Lage im Innenstadtkern potenziell durchaus für eine Aufwertung der Grünfunktionen. Auf der Grünfläche, auf der zuvor ein mittlerweile zum Max-Graser-Stadion umgesiedelter Interims-Kindergarten stand, wurden jedoch bereits Bäume gepflanzt, „die dabei sind, sich zu etablieren“, so die Verwaltung.

Auf dem Theodor-Heuss-Platz befindet sich eine größere Rasenfläche, die zu einem Tiny Forest umgewandelt werden könnte. Doch dies dürfte die Qualität des Platzes beeinträchtigen, und der Rasen wird derzeit gerne für Ballspiele genutzt, was dann nicht mehr möglich wäre.

Als leichter Favorit kristallisiert sich deshalb der künftige Quartiersplatz im derzeit langsam wachsenden Gewerbegebiet Siemensstraße zwischen Fellbach und Schmiden heraus. Dieser Platz soll die Aufenthaltsqualität im Gebiet erhöhen und ist zudem Bestandteil des ausgearbeiteten Grünkonzepts fürs Gewerbegebiet. Seinmetz’ Diagnose: „Möglicherweise könnte hier ein Teil der Fläche zu einem Tiny Forest entwickelt werden. Der Vorteil daran wäre, dass es sich um ein stark verdichtetes städtisches Umfeld handelt. Für die Begrünung solcher Bereiche sind Tiny Forests entwickelt worden.“

Parkplatz beim Toom als möglicher Standort

Denkbar wären überdies weitere Flächen, die aber nur in Kooperation mit privaten Besitzern umgesetzt werden könnten. Die zwei Bereich sind:

  • Teile des Parkplatzes beim Einkaufskomplex Kaufland/Toom, Aldi nördlich der Stuttgarter Straße
  • Teile des Parkplatzes des ehemaligen Kauflands in Schmiden

Auf diese Areale hat die Stadt natürlich keinen direkten Einfluss. Vielmehr könnte allenfalls an die Bereitschaft der Besitzer appelliert werden, Flächen für einen neuen Fellbacher Tiny Forest freizugeben.