Montagabend um halb neun auf dem Aasrücken, im Hintergrund der Rechberg: Auf der Fahrbahn sind noch die Markierungen von einem Motorradunfall am 2. August zu sehen. Foto: Dirk Hülser

Nach einem Motorradunfall auf dem Aasrücken fordern Einwohner der umliegenden Orte, dass endlich konsequent gegen Lärm und Raserei vorgegangen wird.

Irgendwann ist’s mal genug. Nach einem heftigen Motorradunfall auf dem Aasrücken zwischen den Drei Kaiserbergen Hohenstaufen und Rechberg wollen Anwohner die Situation nicht länger hinnehmen: Jeden Abend und am Wochenende auch tagsüber Motorradlärm rund um den Göppinger Hausberg, auf den Steigen nach Hohenstaufen von Göppingen, Maitis, Lenglingen und Ottenbach – und alles trifft und sammelt sich in den zwei Parkbuchten auf dem Aasrücken. Einige Anwohner aus den Göppinger Teilorten Lenglingen, Maitis und Hohenstaufen haben sich am Montagabend auf dem Hof von Landwirt Martin Boxriker in Lenglingen getroffen, um zu beratschlagen, was sie tun können. Martin Boxriker betont: „Wir schwätzen nicht für uns selbst, sondern für die Allgemeinheit. Es stört ja alle.“

 

Die Gegend ist für Motorradfahrer sehr attraktiv

„Den Ausschlag hat jetzt der Unfall gegeben“, sagt Boxriker. Ein Unfall, der wie auch viele andere Vorkommnisse nicht im Bericht des Polizeipräsidiums Ulm aufgetaucht war. Ein Pressesprecher bestätigt auf Nachfrage die Angaben der Anwohner: Beteiligt waren zwei Motorräder, ein 61-Jähriger auf seiner Yamaha sei am Freitag, 2. August, um 23.20 Uhr aus einer Parkbucht gefahren und hatte technische Probleme mit seiner Maschine, ein 23-Jähriger auf seiner Benelli bemerkte dies zu spät, krachte in die Yamaha und anschließend in einen parkenden BMW, der Biker fand sich auf dem Grünstreifen wieder. Auch der Rettungshubschrauber landete neben der Straße, erzählt Boxriker, der Polizeisprecher berichtet von zwei Leichtverletzten und einem Sachschaden in Höhe von 15 000 Euro.

„Muss denn erst etwas Schlimmeres passieren, bis gehandelt wird?“, fragen die Anwohner und verweisen auf andere Steigen im Land, die für Motorräder gesperrt sind. Nach dem Unfall war eineinhalb Tage Ruhe, sagt Elke Richter, die am Kreisverkehr in Maitis wohnt – dem Start zur Steige auf den Aasrücken und eine beliebte Stelle zum Wenden. Sie erzählt: „Wir können am Wochenende nicht mehr auf unserer Terrasse sitzen, man kann sich nicht mehr unterhalten.“ Ähnliches berichtet Susanne Brecht, sie wohnt an der Haarnadelkurve vor Hohenstaufen aus Richtung Göppingen kommend: „Ich benutze meinen Balkon nicht mehr.“ Sie könne die Motorräder schon im Tal im Wald hören, bevor sie zu sehen sind. Und sie meint: „Das ist eine tolle Rennstrecke, ich versteh‘ die Jungs ja auch.“

Das ist das Dilemma: Im Prinzip haben die Anwohner gar nichts gegen Motorräder und deren Fahrerinnen und Fahrer. Auch der ehemalige Göppinger Stadtrat Ingo Hagen aus Maitis meint: „Ich verstehe die, das ist eine tolle Motorradstrecke und es geht auch nicht gegen die Tourenfahrer. Es ist halt dieser schmale Grat: Wenn da oben jemand seinen Grill auspackt, ist das in Ordnung, man darf denen nicht ihren Treffpunkt wegnehmen. Aber das mit dem Müll und dem Krach muss aufhören.“ Boxriker schlägt eine Sperrung der Strecken von 18 bis 22 Uhr vor – doch ob das rechtlich durchzusetzen ist? Nicht nur Hagen hat da Zweifel. Er schlägt einen anderen Weg vor: „Wir fordern die Polizei auf, dafür zu sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden.“ So sollten das verbotene „sinnlose Umherfahren“ und der Immissionsschutz, also die Lärmbelastung, verstärkt kontrolliert werden. Tanja Hauser aus Lenglingen bemängelt, dass, wenn beispielsweise vom Ordnungsamt kontrolliert werde, das morgens um 10 Uhr stattfinde – wenn die lärmenden Mopeds gar kein Problem seien. Ingo Hagen hat aber auch festgestellt: „Wenn man mit einzelnen spricht, haben die auch Verständnis.“ Also Ortswechsel, hoch auf den Aasrücken. Mehr als 20 Motorräder stehen in der Parkbucht in Fahrtrichtung Hohenstaufen, die Fahrer stehen daneben, meist junge Männer zwischen 20 und 30. In beiden Richtungen rauschen immer wieder Motorräder vorbei, oft auch nur auf dem Hinterrad mit „Wheelie“, auf der Straße sind noch die Markierungen vom Unfall am 2. August zu sehen.

Betroffene kommen mit Bikern ins Gespräch

Schnell kommen die Anwohner ins Gespräch mit den jungen Bikern, anfangs ist die Stimmung kurz aggressiv, doch schnell ist klar: Alle können in Ruhe miteinander reden. „Was stellen Sie sich als Lösung vor?“, fragt ein junger Mann. Ingo Hagen zählt die Optionen auf: Sperrung der Steigen oder der Parkbuchten oder ein Blitzer. „Dann bremsen alle davor und geben danach wieder Gas“, sagt einer der Fahrer und weist auf die Sinnlosigkeit einer stationären Tempomessanlage hin. Mögliche Sperrungen stoßen naturgemäß auf wenig Gegenliebe, Klagen dagegen hatten andernorts schon öfter Erfolg.

Ein älterer Mann in Lederjacke und mit einer schweren Harley-Davidson hat Verständnis für Boxriker, Hagen und die anderen: Er würde den Lärm auch nicht vor seiner Haustür wollen.

Lärm durch Biker und getunte Autos

Initiative
 Im Sommer 2021 gab es im Landkreis Göppingen eine Kampagne gegen Verkehrslärm. Mit großen Bannern wollten der Landkreis Göppingen, das Polizeipräsidium Ulm und die Initiative sicherer Landkreis Göppingen die Motorradfahrer und auch die Fahrer von Autos für den Lärm sensibilisieren.

Probleme
 Probleme gibt es im Kreis vor allem rund um den Hohenstaufen, aber auch an den verschiedenen Steigen, die für die Biker attraktiv sind.