Roland Wanner zeigt, wo früher der Nesenbach floss. Foto: Jacobs

Roland Wanner kennt den Nesenbach noch oberirdisch. Bis 1971 floss er am Gärtle seiner Eltern vorbei, die im Vaihinger Westen ein Grundstück hatten. Allerdings war der Nesenbach ein ziemlich übelriechendes Gewässer.

Vaihingen - Es ist nicht der Oberlauf des Nesenbachs, der in den Honigwiesen renaturiert wird. „Wir wissen nicht, wo sich dessen Quelle befindet“, sagt Wolfgang Ziegler vom Gartenamt.

Diese Zeilen standen vor wenigen Tagen in der Filder-Zeitung – und haben großes Echo ausgelöst. Der Tenor der Leserzuschriften: Natürlich liege in den Honigwiesen der Oberlauf des Nesenbachs. „Das kann man nicht so stehen lassen“, schrieb etwa Roland Wanner aus Vaihingen. Bis in die frühen 70er-Jahre sei der Nesenbach am Gärtle seiner Eltern vorbeigeflossen, sagt der 59-Jährige. Seine Eltern hatten ein Gartengrundstück westlich der Honigwiesen, auf der anderen Seite der Autobahnausfahrt Vaihingen. „Hier, wo jetzt die Schrebergärten sind, verlief früher der Nesenbachs“, sagt Wanner bei einem Spaziergang durch das Gewann Honigwiesen.

Ein alles andere als sauberes Gewässer

In heißen Sommern hatten seine Eltern Wasser zum Gießen daraus geschöpft. Allerdings: Der Nesenbach war alles andere als ein sauberes Gewässer. „Das, was da mitkam, roch ziemlich übel“, erinnert sich Wanner. „Ich vermute, das darin auch das Abwasser des Eucom war“, sagt er und deutet in Richtung der Kaserne der amerikanischen Streitkräfte auf der anderen Seite der Autobahn. Doch die Wanners gossen trotzdem damit, denn sie hatten im Garten eine Art Mini-Kläranlage. „Mein Urgroßvater war bei der Freiwilligen Feuerwehr in Vaihingen, deswegen hatten wir Feuerwehrschläuche im Garten. Die Siebe darin haben das Bachwasser gereinigt.“ 1971, so hat es Roland Wanner in alten Dokumenten nachgeschlagen, ist der Bachlauf des Nesenbachs verdolt, also in einen Kanal umgeleitet worden. Seitdem fließt der Nesenbach unterirdisch durch Vaihingen.

Doch wird mit dem „temporären Fließgewässer“, welches die Planer des städtischen Gartenamtes 2013 in den Honigwiesen anlegen wollen, nun der Nesenbach renaturiert? „Nein“, sagt Wolfram Bott vom Tiefbauamt der Stadt. Der künstliche Flusslauf, der als Ausgleichsmaßnahme für das Baugebiet am Bondorfer Weg entsteht, habe nichts mit dem Nesenbach zu tun. „Die Honigwiesen sind sein Quellgebiet, doch seinen Quellort kennen wir nicht“, sagt der Mann vom Tiefbauamt.

Der künstliche Bachlauf werde deswegen mit dem Regenwasser von den Dächern der neuen Häuser gespeist. Wenn es nicht regnet, dann führe der Bach eben auch kein Wasser – „deswegen heißt es ja temporäres Fließgewässer“, so Bott.

1971 wurde der Bach in einen Kanal umgeleitet

Der Nesenbach werde im Vaihinger Westen dort bleiben, wo er seit 1971 ist – nämlich in einem Kanal. Dessen Durchmesser deute an, so Bott, dass darin nicht nur Bachwasser plätschere. „Der Kanal hat einen Durchmesser von anderthalb Metern“, sagt Bott. „Für den Bachlauf alleine wäre das zu groß. Da fließt auch das Abwasser aus den Wohngebieten mit.“

Abwasser im Bachwasser – das war auch vor der Verdolung im Jahr 1971 so. „Aber wahrscheinlich war der Anteil des Abwassers so stark gestiegen, dass man den Bach aus hygienischen Gründen in einen Kanal umgeleitet hat“, vermutet Wolfgang Bott.

Wenn es auch nicht der Nesenbach seiner Kindheit ist – bald kann Roland Wanner in den Honigwiesen wieder an einem Gewässer entlang spazieren. Ob ihn dieser Gedanke freue? Wanner zuckt mit den Schultern. „Seitdem wir das Gartenstückle verkauft haben, komme ich hier sowieso selten hin.“ Und es sei eben nicht der richtige Nesenbach.

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