Vier Kommunen rund um Marbach (Kreis Ludwigsburg) suchen nach Wohn- und Gewerbeflächen. Darunter sind auch Standorte, die für heiße Diskussionen sorgen könnten.
Der gemeinsame Flächennutzungsplan von Marbach, Affalterbach, Erdmannhausen und Benningen ist eine ziemlich interessante Lektüre, zeigt er doch auf, wo die Kommunen mögliche Gewerbe- und Wohngebiete in der Hinterhand haben. Das Problem ist nur, dass das Werk das letzte Mal vor 35 Jahren von Grund auf überarbeitet wurde, also in Teilen veraltet ist. Deshalb haben die Städte und Gemeinden eine komplette Neuplanung in Angriff genommen.
Das Konzept wurde nun im Ausschuss für Umwelt und Technik in Marbach präsentiert. Größere Areale könnten demnach vor allem in Marbach selbst und Affalterbach erschlossen werden – was im einen oder anderen Fall sicher für Zündstoff sorgen wird. Wobei zur Wahrheit auch gehört: noch ist nichts in Stein gemeißelt. Die einzelnen Gemeinderäte müssen zunächst diskutieren, welche der Gebiete sie tatsächlich in den Flächennutzungsplan aufnehmen wollen. Der Verband Region Stuttgart wacht zudem mit Argusaugen darüber, mit welchen Vorstellungen die Kommunen ins Rennen gehen.
Spielraum für AMG Große Chancen, am Ende grünes Licht zu erhalten, dürfte in Affalterbach ein fast 18 Hektar messendes potenzielles Gewerbegebiet haben. Das Gelände schmiegt sich rund um die frühere Reithalle und liegt unterhalb des Gartenmöbel-Spezialisten Stern an der Landesstraße nach Winnenden. Der Bedarf an gewerblichen Bauflächen für Firmenerweiterungen der ortsansässigen Betriebe sei sehr hoch, heißt es in dem Entwicklungskonzept. Unter anderem Mercedes-AMG wolle sich in Richtung Süden ausdehnen. Die Aufnahme des Terrains als gewerbliche Baufläche solle daher „dringend angestrebt werden“.
AMG setzt auf „flexible Wachstumsmöglichkeiten“
Das dürfte man bei AMG gerne hören. „In den vergangenen beiden Jahren haben wir die höchsten Absätze unserer Geschichte verzeichnen können“, konstatiert Felix Siggemann, für Global Communications bei der Luxuswagen-Schmiede zuständig. Um den erfolgreichen Kurs beizubehalten, seien aber „nicht nur hervorragende Produkte wichtig, sondern auch langfristige Standortplanungen, die uns flexible Wachstumsmöglichkeiten eröffnen, um unseren Kundinnen und Kunden auch in Zukunft Spitzentechnologie zu bieten“, betont er. Da Flächennutzungsplanverfahren „üblicherweise mit langen Zeithorizonten verbunden sind, sind wir um eine frühzeitige Planung bemüht“.
Wohnraum in Affalterbach Während das Quartier rund um AMG also weiter wachsen könnte, ist Affalterbach bei der Ausweisung von neuem Wohnraum in den vergangenen Jahren eher behutsam vorgegangen. Womöglich ändert sich das aber. Denn im Grundlagenpapier zum neuen Flächennutzungsplan sind einige Optionen in petto. Allen voran ein mehr als 12 Hektar großes Gelände in einem Korridor am Siedlungsrand, eingebettet zwischen den Straßen nach Marbach und Erdmannhausen. Naturschützer könnten allerdings Alarm schlagen wegen der Streuobstbestände im Süden. Dazu befindet sich das Gebiet in privater Hand. Gleiches gilt für ein 4,7 Hektar großes Gelände in Sichtweite zwischen den Straßen nach Kirchberg und Erdmannhausen, das ebenfalls in der Verlosung als perspektivische Wohnfläche ist.
Unter anderem denkbar ist zudem ein circa drei Hektar großes Neubaugebiet im Ortsteil Birkhau, das oberhalb des großen Fußballplatzes zwischen der Straße zum Sportzentrum und der bestehenden Bebauung liegt.
Affalterbach hat mehr Spielraum als früher
Der Affalterbacher Bürgermeister Steffen Döttinger hebt hervor, dass die Gebiete erst im Gemeinderat besprochen werden müssten. Außerdem lasse sich aus den Arealen, die letztlich im Flächennutzungsplan berücksichtigt werden, kein Rechtsanspruch auf eine Umsetzung ableiten. „Tatsache ist aber, dass wir inzwischen mehr Spielraum haben, weil wir an einer Entwicklungsachse liegen“, sagt Döttinger. Der Verband Region Stuttgart hatte der Kommune diese Eigenschaft unlängst attestiert – was zur Folge hat, dass ihr mehr Kapazitäten an frischem Bauland zugestanden werden.
Was in Marbach möglich ist Das benachbarte Marbach hat als so genanntes Unterzentrum theoretisch sogar noch mehr Beinfreiheit, praktisch sind die Optionen in der Kernstadt überschaubar. Mal funken Schutzgebiete, mal die Kante zum Neckar, mal die Gemarkungsgrenze dazwischen, erklärt Bauamtsleiter Dieter Wanner. Spektakulär groß wäre aber eines der wenigen Areale, für das es auf dem Papier keine K.-o.-Kriterien gibt: 18,6 Hektar an der Affalterbacher Straße.
In diesem Bereich war vor wenigen Jahren schon einmal ein grob halb so großes Neubaugebiet geplant, das aber im letzten Moment vom Gemeinderat gekippt wurde. „Es gibt einen klaren Beschluss. Das Gebiet liegt auf Eis. Wir werden das Thema in den nächsten Jahren nicht aktiv platzieren“, betont Bürgermeister Jan Trost. Um den Faden aber vielleicht in fernerer Zukunft oder falls aus dem Gemeinderat der Wunsch dazu kommt, wieder aufnehmen zu können, plädiert die Verwaltungsspitze dafür, die Fläche als Reserve in den Plan aufzunehmen.
Gleiches rät die Rathausspitze für ein 7,4 Hektar großes Gebiet im Stadtteil Hörnle unterhalb von Dreibronnenstraße und Mannheimer Straße. Hier müsste aber vor einer Realisierung obendrein erst geklärt werden, wie man mit etwaigen Geruchsemissionen der dortigen Landwirtschaft umgehen sollte, erklärt Trost.
Umsetzung Aufhorchen lässt zudem, dass im Stadtteil Rielingshausen ein fast vier Hektar großes Areal gleich im Anschluss an den Keltergrund für Wohnungen und Häuser reserviert werden soll. Dabei ist schon der Keltergrund bei Teilen der Bevölkerung nicht unumstritten, der sich als einziges Wohngebiet auf der Gemarkung aktuell in der Umsetzung befindet. Doch auch in dem Punkt gibt der Bürgermeister Entwarnung. „Es ist von Verwaltungsseite aus nicht geplant, eine der möglichen Flächen in den nächsten fünf Jahren anzupacken“, stellt Trost klar.
Ausnahme beim Kraftwerk denkbar
Im Hinblick auf das Gewerbe könnte jedoch beim Kraftwerk eine Ausnahme gemacht werden, falls beispielsweise in Sachen Energieversorgung und neue Technologien ein gewisser Handlungsdruck entstehen würde, erklärt der Bürgermeister.