Die Suche nach einem Standort könnte sich noch lange ziehen. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Kahnert

Statt 2031 könnte es 2074 werden, bis der Standort für die Endlagerung von Atommüll feststeht: Das steht in einem neuen Gutachten. Nun muss die Bundesregierung endlich einen realistischen Plan vorlegen, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.

Wer sich je damit beschäftigt hat, wie man ein Ziel erreicht, dürfte wissen: Das Ziel muss sowohl konkret als auch realistisch sein, sonst klappt es nicht. Daran sollten sich künftige Bundesregierungen erinnern, aber schon die aktuelle sollte das tun. Sonst könnte sie womöglich an ihrem Teil einer der wichtigsten Jahrhundertaufgabe scheitern: einen Standort für die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll zu finden.

 

Bis 2031 soll das geschafft sein, steht in dem Gesetz dazu. Doch schon als das festgelegt wurde, war klar: Das Ziel war konkret, aber nicht realistisch. Das zeigt sich nun erneut. In dieser Woche veröffentlichte das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) einen Bericht, der zum Schluss kommt, dass die Suche nach einem Standort frühestens im Jahr 2074 abgeschlossen sein dürfte.

Nicht 2031, sondern irgendwann

Schon länger räumt die Bundesregierung ein, dass 2031 nicht zu halten ist. Aber welches Jahr es stattdessen werden soll, will sie nicht verraten. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, ein neues Datum festzusetzen. Das scheint zwar bei allen Beteiligten Konsens zu sein. Aber erst wenn Ende 2027 bekannt wird, welche Standortregionen infrage kommen, will man darüber sprechen, wie man den Prozess beschleunigen kann. Ambitioniert klingt das nicht.

Das liegt wohl auch daran, dass nicht der Eindruck entstehen soll, man entscheide überstürzt. Die Auswahl des Standorts ist heikel – politisch wie gesellschaftlich. Doch bei aller notwendigen Sorgfalt: Zu lange zu warten, ist gefährlich. Die Genehmigungen für die Zwischenlager laufen in den 2030ern und 2040ern aus. Die Zeit drängt.