Nach Meinung vieler Experten kassiert die Solarbranche in Deutschland zu viele Subventionen. Jetzt geht die Bundesregierung daran, das zu ändern.

Stuttgart - Am Neujahrstag 2009 war in Spanien Katerstimmung angesagt - zumindest in der Solarbranche. Wenige Wochen zuvor hatte die Regierung durchgesetzt, den milliardenschwer subventionierten Solar-Boom im Land abzuwürgen.

Jahrelang war in den sonnenverwöhnten Ecken der Halbinsel ein Solarkraftwerk nach dem anderen entstanden. Weil vom Anlagenbau fast nur ausländische Firmen profitierten - allein deutsche Unternehmen erwirtschafteten zeitweise bis zu 60 Prozent ihres Umsatzes in Spanien - und die Strompreise für die Otto Normalverbraucher wegen eines integrierten Solar-Obulus nach oben schossen, machte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero kurzen Prozess. Die Einspeisevergütungen, die ähnlich wie in Deutschland Sonnenstrom-Investoren eine feste Rendite über mehrere Jahre sicherten, wurden um fast ein Drittel heruntergefahren und zusätzlich der maximale Zubau an Panelen pro Jahr radikal gedeckelt. Statt zuletzt rund 2,7 Gigawatt Solarstrom sollte jährlich nur noch rund ein halbes Gigawatt ins spanische Netz fließen - und die Öko-Subvention damit drastisch sinken.

Ein ähnliches Szenario könnte jetzt auch Deutschland bevorstehen, denn ähnlich wie in Spanien ist der hiesige Solarmarkt nach Expertenmeinung stark überfördert.

So hat der Zubau von Anlagen im vergangenen Jahr gewaltige Dimensionen erreicht. Prognostizierte die Branche für 2009 Neuanlagen mit einer Spitzenleistung von rund 0,7 Gigawatt (GW), belief sich der tatsächliche Solarstromzuwachs auf etwa drei GW. Wie ein Schwamm saugt der deutsche Markt derzeit Photovoltaikzellen auf und spuckt sie besonders auf deutschen Dächern wieder aus. Fast jede zweite weltweit produzierte Solarzelle wurde 2009 im Inland installiert.

Damit schießen aber auch die Subventionen in die Höhe, denn diese werden pro erzeugter Kilowattstunde fällig: Von dereinst geplanten 2,4 Milliarden Euro vervierfachten sich die Kosten auf 10,4 Milliarden.

Nach Analysen des Verbraucherzentrale-Bundesverbands wird der Solarboom so bis 2013 weitere 40 Milliarden verschlingen. Das Geld bezahlen dabei die Verbraucher über die sogenannte EEG-Umlage, die im Strompreis mit eingerechnet ist. Bereits zum Jahresanfang 2010 wurde sie saftig erhöht und diente den Konzernen als Begründung für die vielerorts angekündigten Preiserhöhungen. Zwar streiten sich die Lobbys der einzelnen Branchenverbände, über die reale Auswirkung des Öko-Obolus auf die Strompreise, die Bundesregierung zeigt sich aber entschlossen, die Solarförderung steil herunterzufahren.

Zusätzlich zur jährlichen Kappung der Vergütungssätze für Neuanlagen um rund zehn Prozent plant Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) offenbar die Förderung noch in diesem April einmalig um 16 bis 17 Prozent zu stutzen. Je nach Marktlage sollen von 2011 an weitere zusätzliche Kürzungen von bis zu fünf Prozentpunkten dazukommen.

Solche Kürzungen "würden große Teile der deutschen Solarwirtschaft nicht überleben", teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) am Freitag mit. Bis zu 50.000 Jobs sieht der Verband nun auf der Kippe. Besonders betroffen seien Modul-Hersteller wie Q-Cells, Solar-World, Schott-Solar oder die Erfurter Bosch-Solar, sagt LBBW-Analyst Wolfgang Seeliger dieser Zeitung.

Branchenexperten halten das Wehklagen der Branche indes für überzogen. Die Exportabhängigkeit der inländischen Firmen sei "sehr hoch" heißt es aus Branchenkreisen. Tatsächlich haben sich die Auslandsumsätze sowohl der Solarindustrie- als auch der Zulieferer nach BSW-Angaben zwischen 2004 und 2008 mindestens verdoppelt. 2013 sollen nach BSW-Prognosen 70 bzw. 84 Prozent der Anlagen exportiert werden. Eine Subventionskappung hierzulande falle daher nicht so stark ins Gewicht, sagen Branchenkenner.

Für Experten wie Bernd Schüssler von der Branchenzeitschrift Photon hat der jetzige Vorstoß der Bundesregierung auch sein Gutes. Durch eine drastische Senkung der Vergütungssätze entgehe die Branche mitunter weitergehenden Maßnahmen - wie etwa der Deckelung des allgemeinen Solarausbaus in Deutschland, sagt er. Das Beispiel Spanien hätte sich dann zumindest nicht ganz wiederholt.

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