Cornelia Lanz singt, bevor sie sich den Fragen stellt. Foto: factum/Granville

Die Sängerin Cornelia Lanz berichtet bei „StZ im Gespräch“ von ihrer Arbeit – einem Musikprojekt. Flüchtlinge wirken bei der Mozart-Oper „Idomeneo“ mit. Mit einigem Erfolg

Ludwigsburg -

Der Kompass hat viele Leben gerettet. Er führte Wassim Alkadroush aus den türkischen Wäldern, bei ihm waren seine schwangere Frau und acht weitere Menschen. Auf dem Mittelmeer wies der Kompass ihnen den Weg nach Griechenland. „Sonst wären wir vielleicht alle ertrunken“, sagt Alkadroush. „Dieser Kompass ist mehr wert als Gold.“ Seine Flucht ist gut ausgegangen. Dennoch begleitet ihn der Kompass weiterhin durchs Leben. An diesem Abend ist der junge Syrer mit seinem Navigationsgerät, dem so viele ihr Leben verdanken, in den Kulturkeller Luke in Ludwigsburg gekommen.

Dort stellt sich die Opernsängerin Cornelia Lanz den Fragen der StZ-Autorin Hilke Lorenz. Bei der Reihe „StZ im Gespräch“ geht es um den Lebensweg der 34-jährigen Conny, wie viele sie nennen. Es geht um Musik und, natürlich, Cornelia Lanz singt auch: „Misty“ und „Summertime“. Es geht aber auch um Politik, um die Flucht verzweifelter Menschen. Es geht um Kultur und darum, wie all diese Dinge miteinander zu tun haben, mit Ludwigsburg und mit der Welt.

Lanz singt die Rolle eines Prinzen

Lanz, die in Mainz geboren ist, in Biberach aufwuchs und in New York den Jazz lebte, hat 2014 den Verein „Zuflucht Kultur“ gegründet. Mit dem Regisseur Bernd Schmitt stellt sie eine Interpretation der Mozart-Oper „Idomeneo“ auf die Beine. Dabei singt sie die Rolle des kretischen Prinzen Idamante. Und sie leitet Flüchtlinge an, die das antike Thema von Krieg und Menschenopfer in das Hier und Heute transportieren und ihre realen Kriegs- und Fluchterfahrungen in die Aufführung einbringen. Menschen wie Wassim Alkadroush oder Sarmad Fourad, der in ein Mikrofon singt, das er aus dem Irak mitgebracht hat. Am 8. und 9. Juli feiert Idomeneo bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen Premiere.

„Was fasziniert an Mozart?“, fragt Hilke Lorenz und will wissen, warum der Opernstoff in der Arbeit mit Flüchtlingen funktioniere. „Er hat eingängige Melodien“, erklärt Cornelia Lanz. Doch habe er auch verletzliche Momente. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sich öffnen, wenn sie Mozart hören“, berichtet sie. Und erzählt schmunzelnd: „Mein Vater bezweifelte, ob das Konzept klappt. Er sagte: Menschen aus Syrien kennen keinen Mozart.“

Die Sprache der Musik ist international

Aber jetzt kennen sie ihn, wie die Künstler bestätigen, die Lanz an diesem Abend in den Kulturkeller begleitet haben. Nicht nur aus dem Irak und Syrien stammen die Idomeneo-Darsteller, auch aus dem Iran, Pakistan, Afghanistan und Nigeria. „Mozart berührt“, rufen sie auf die Bühne der Luke. Musik ist eine Sprache, die alle verstehen.

„Wie funktioniert die interkulturelle Zusammenarbeit?“, fragt Hilke Lorenz. Cornelia Lanz berichtet von einem Streit. „Wir sind jetzt in Deutschland, und Kultur ist hier frei, sagen einige“, erzählt Lanz. Andere sähen das anders, wenn es beispielsweise um die Beleidigung des Propheten Mohammed gehe. Was also darf sie, die Kunst? „Am Ende haben sie sich vertragen und gesagt: Wir sind hier alle Botschafter Syriens, wir müssen einig sein“, berichtet Cornelia Lanz. Das sei das wichtigste gewesen. Auch, damit die Produktion nicht gefährdet werde, wie Lanz bestätigt.

Cornelia Lanz erzählt von der Macht, die Waffen verleihen. Oder davon, wie Frauen aus Flüchtlingsfamilien versuchen, ihre Rolle in Deutschland zu finden. „Wenn wir ihnen Freiheit vorleben“, schüre man damit nicht erst Konflikte? Man weine auch zusammen, sagt sie. Und hofft: „Vielleicht führen wir die Oper ja irgendwann in Damaskus auf.“ Denn Kultur, sagt Cornelia Lanz, „Kultur kehrt immer zurück“.

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