Im Bereich Nadlerstraße versammeln sich an Wochenenden Autoposer. Was Mitarbeiter von Cafés und Geschäften dazu sagen und warum manche Autofahrer nur einen Espresso bestellen.
Es ist Mittagszeit in der Nadlerstraße. Doch von Mittagsruhe kann keine Rede sein. Die Cafés sind auf beiden Seiten der Straße gefüllt mit Menschen. An der Ecke steht auffällig wie ein bunter Hund ein weißer Jaguar im Parkverbot und wartet nur darauf, gesehen zu werden. Zufällig kommen zwei Polizisten auf Fahrrädern die Straße heruntergefahren, während ein Stadtrat mit einem Plakataufsteller unter dem Arm die Straße überquert. Sie bleiben alle vor dem Auto stehen. Der Stadtrat spricht die Beamten an. „Ich hoffe, der kriegt einen Strafzettel“, sagt er.
Szenen wie diese gehören in dem Bereich zwischen dem Café Tatti und dem Hotel Emilu zum Alltag. Seit einiger Zeit ist der Ort zu einem Hotspot für PS-starke Autos geworden. Gerade an den Wochenenden stehen mitunter mehrere Autos im Wert von mehreren Millionen Euro im Parkverbot oder ihre Fahrer fahren ihre auffälligen Autos im Kreis spazieren. Gleichzeitig finden sich dort Carspotter ein, die Fahrzeuge filmen und damit auf Tiktok ein großes Publikum ansprechen. Für die Gastronome in der Ecke bedeuten diese Szenen sowohl Fluch als auch Segen.
„Das ist hier nun mal die neue Theo“, sagt der Mitarbeiter eines Cafés. Die bekannte Feiermeile wenige hundert Meter weiter ist ebenfalls ein Bereich, in dem PS-starke Autos ihre Runden drehen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Mitarbeiter des Café Tatti sagt, dass sich teilweise kuriose Szenen vor dem Geschäft abspielen würden. „Gerade wenn am Sonntag wenig kontrolliert wird, parken sie den Bereich am Rathaus zu. 35 Euro Strafe tun den Besitzern sicher auch nicht weh“, sagt er. Ein bestimmter Fahrer sei an Wochenenden besonders auffällig. Er fahre das teure Modell eines US-amerikanischen Herstellers und trage zudem häufig einen Cowboyhut.
Luxusautos und Espresso: die Autoposer in Stuttgarts Cafés
Eine weitere Person, die in einer Gastro vor Ort arbeitet, sagt, dass es sich bei den Fahrer:innen teilweise auch um loyale Kunden der Cafés handele. „Manch einer parkt sein Auto im Parkverbot, bestellt sich in zwei Stunden nur einen Espresso und beobachtet sein Fahrzeug“, sagt er. Das gehöre eben auch dazu. Man wolle beobachten, wie das Auto Aufmerksamkeit errege.
Eine Person, die von ihrem Arbeitsplatz aus einen guten Blick auf die Nadlerstraße hat, beklagt sich ebenfalls über die Autoposer an der Ecke. „Die zerstören hier vollkommen die Ruhe in dem Bereich“, sagt sie. An Wochenenden würden die Autofahrer:innen in Schrittgeschwindigkeit fahren oder auch mal auf der Straße anhalten, um Selfies mit den Schaulustigen zu machen. Dieses Verhalten habe sich regelrecht ritualisiert. Sie beobachtet zudem, dass viele Autos Kennzeichen aus der Region Stuttgart hätten, aber nicht aus der Stadt selbst sind.
Der Stadtrat, der zufällig die Straße überquert und die Polizisten angesprochen hat, ist Hannes Rockenbauch, der Fraktionsvorsitzende von Die Linke/SÖS Plus. Man habe den Bereich vor einigen Jahren schon umgebaut, doch sei man dem Problem mit den auffälligen Autofahrer:innen noch immer nicht Herr geworden, sagt er.
„Als nächstes müsste man es unmöglich machen, dass die Fahrer hier ihre Schleifen fahren können“, sagt Rockenbauch. Gerade die Mitarbeiter im Rathaus seien früher oft von dem Autolärm gestört worden. Die Situation habe sich nach der Eröffnung des Hotels vor wenigen Jahren verschlimmert. Vor Ort befindet sich das Designhotel Emilu. In dem Gebäude befindet sich im Erdgeschoss das Gian Paolo e Marco und das Café Fitz. Auf der anderen Straßenseite ist zudem das Café Tatti. Noch steht jedoch nichts in Aussicht, um das Problem ernsthaft in den Griff zu bekommen. Somit können sich auch in Zukunft die Autofahrer ungestört in dem Bereich treffen.