Afroarabische Musik beim Festival der Kulturen mit Hamid Baroudi. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart, wie es bunt und weltumspannend brummt: Das Party-Dreieck aus Sommerfestival der Kulturen, Fischmarkt und Jazz-Open lockt noch bis Sonntag Zehntausende in die City. Beim Rundgang trifft man an allen Ecken auf gute Laune – selbst im Regen.

Stuttgart - Auf den Treppen des Musikpavillons haben sich drei junge Frauen niedergelassen mit Blick auf die Jubiläumssäule und die Festivalzäune vorm Neuen Schloss. Sie prosten sich mit Plastikbechern zu. Die sind mit Weißwein gefüllt, den die Clique zum Jazz-Picknick mitgebracht hat. Im Ehrenhof tritt gleich Van Morrison, die größte weiße Blues-Legende der Welt, auf. Eigentlich war die Gruppe mit den Plastikbechern zu fünft. Die beiden Jungs der Clique haben verbilligte Karten vor der Kasse ergattert und sind mit 5000 Besuchern drin. 66 Euro für den irischen Sänger sind ihren Freundinnen zu viel – sie feiern draußen ihr Fest.

Pünktlich zum Konzert von Van Morrison, der wie Al Capone mit Hut, Sonnenbrille und Anzug auf der Bühne steht, hat der Regen aufgehört. Immer mehr Zaungäste kommen. Ein Zahnarzt sagt, er sei schon viermal bei Morrison-Auftritten gewesen, habe alle Platten. Diesmal höre er nur von außen zu. Den Anblick eines permanent schlecht gelaunten Musikers wolle er sich ersparen. Seine Prognose: „Nach 90 Minuten hört er wortlos auf und fliegt im Privatjet nach Hause.“ Immerhin sagt der irische Sir am Ende eines großartigen Konzerts „Thank you“ – für seine Verhältnisse also sehr viel. Und der Heimflug ist erst am Donnerstag. Ungewöhnlich für ihn, in einem Hotel zu schlafen.

Die Feste bereichern sich gegenseitig

Im Schloss verköstigt Michael Wilhelmer 500 Logengäste der Jazz-Open (sie zahlen fürs „Business-Ticket“ 190 Euro) unter anderem mit Lachs. Bei Konzertbeginn ist kaum noch einer am Büfett. Kabarettist Christoph Sonntag rennt schnell heraus.

Einige Meter weiter gibt’s noch mehr Fisch. „Viele Besucher der Jazz-Open kommen zu uns zum Essen“, sagt Anne-Kathrin Rehberg, Organisatorin des Fischmarkts. Dass in der City drei Feste gleichzeitig gefeiert werden, begrüßt sie: „Wir sind keine Konkurrenz, sondern bereichern uns gegenseitig.“ Der Regen habe zwar für leichte Umsatzeinbußen gesorgt, doch die Bilanz werde positiv ausfallen, prophezeit sie: „Stuttgart ist für uns immer eine sichere Bank!“

Auch das Sommerfestival der Kulturen, bei dem kein Eintritt für ein mitreißendes Musikprogramm mit internationaler Vielfalt verlangt wird, brummt auf dem Marktplatz selbst bei Regen. Ein Renner sind chilenische Burger mit Avocado und palästinensische Falafel. Jeden Tag gibt’s eine Tombola mit Preisen wie Hängematten – zum Chillen, wenn man nach dem wilden Tanz relaxen will. Für die Helfer sind die Nächte lang: Nach dem Konzert, das um 22 Uhr zu Ende war, mussten sie bis halb drei den Platz für den Wochenmarkt frei machen.

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