Eva Maisel, Anne Angert und Tina Ackermann (von links) – Hündin Ella ist bei der Reise nach Barcelona nicht dabei. Foto: Privat

Sieben Länder in sieben Tagen: so lässt sich der Sommerurlaub von Eva Maisel zusammenfassen. Die Stuttgarterin nimmt mit zwei Freundinnen an der Rallye München-Barcelona teil – in einem alten Golf 2.

Stuttgart - Sieben Länder und 4000 Kilometer – die Etappe, die vor Eva Maisel, Anne Angert und Tina Ackermann liegt, klingt wie eine halbe Weltreise. Ist es im Prinzip auch. Aber im Gegensatz zu Weltenbummlern, die sich dafür ein Jahr Auszeit nehmen, haben die drei Frauen für den Trip lediglich ihren Sommerurlaub vorgesehen. Genauer gesagt: sieben Tage.

Los geht es in München, Ziel ist Barcelona – täglich sind also durchschnittlich 570 Kilometer zu bewältigen. Die Länge der gesamten Strecke kommt einer Umrundung Frankreichs gleich. Dass diese Fahrt mit einem klassischen Urlaub herzlich wenig zu tun hat, wissen die drei aus eigener Erfahrung. Im Jahr 2015 haben sie zum ersten Mal bei der „Rallye München-Barcelona“ mitgemacht. Auf die Idee gebracht hat sie der Bruder von Anne, der in Frankfurt in einer Autowerkstatt arbeitet.

Die wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme an der Rallye ist der Besitz eines Autos, das nicht mehr als 500 Euro wert sein darf. Auf dem Weg zur zweitgrößten Stadt Spaniens durchqueren die Fahrer den europäischen Kontinent auf Schotterpisten und über steile Pässe. Von Autobahnen keine Spur. Die meiste Zeit dieser Reise verbringen die Rallye-Teilnehmer also im Gefährt. Die drei Freundinnen fahren mit einem zweier Golf, Baujahr 1991, den sie extra für die Reise vor zwei Jahren für 450 Euro einer älteren Frau in Frankfurt abgekauft haben. Mit 70 PS, Automatikgetriebe und Schiebedach macht sich das Trio, das sich “Kissing Keilriemen“ nennt, auf die Reise.

Durchhalten und ankommen ist das Ziel

„Das ist ein Abenteuer, das zusammenschweißt“, fasst Eva Maisel die Motivation für die Reise zusammen. Mit Autos hat die 35-jährige Stuttgarterin im Alltag nichts zu tun. Ein eigenes Auto hat sie nie besessen, die Architektin kommt gut ohne Wagen aus. Ihren Rallye-Kolleginnen geht es ähnlich, auch sie haben vor der Rallye keine besondere Beziehung zu Autos gehabt: Anne Angert wohnt in Frankfurt, die 37-Jährige arbeitet als Innenarchitektin, die 37-jährige Tina Ackermann ist Grafikdesignerin in Mainz. „Ich wusste anfangs noch nicht einmal, wie man einen Reifen wechselt“, erklärt Maisel und lacht. Aber jetzt sei das kein Problem mehr. Bei Annes Bruder in der Werkstatt haben die drei Nachhilfe genommen und unter seiner Anleitung am Golf herumgeschraubt. Zündung, Vergaser, Getriebe – das sind mittlerweile keine Fremdwörter mehr.

Beim letzten Mal sind 80 Autos an den Start gegangen, dieses Mal sind 130 angemeldet. Reine Frauenteams sind bei der Rallye eine Seltenheit. „Anfangs wurden wir schon belächelt“, erzählt Maisel, denn die meisten Teilnehmer hätten schon ein engeres Verhältnis zu Autos. Aber der Spott habe schnell in Interesse umgeschlagen.

„Die Leute haben gefragt, warum wir das machen und was uns daran reizt und warum wir uns das antun“, erinnert sich die 35-Jährige, die darauf eine klare Antwort hat: „Das Risiko reizt uns, denn man weiß nicht, ob das Auto durchhält und wenn man eine Panne hat, muss man improvisieren“. Selbstbewusst erklärt sie: „Niemand kann alles und statt zu konkurrieren, helfen sich die Rallye-Teilnehmer gegenseitig“. Und wenn am Ende ein Ersatzteil fehle, dann könne auch der beste Kfz-Mechaniker im Nirwana Europas nichts mehr ausrichten.

Auch eine Strumpfhose gehört ins Gepäck

„Durchhalten und ankommen, das ist das Ziel der Rallye. Und so beschreibt es auch der Veranstalter: „It’s a rallye, not a race“ lautet das Motto, also: Es ist eine Rallye, kein Rennen. Am Freitag, 21. Juli, geht es los, mit einem Ersatzrad auf dem Dach und mindestens einer Strumpfhose – falls der Keilriemen reißt. Die Etappenziele sind: Arona, Nizza, die Camargue, Andorra la Vella, Pamplona, Teruel und schließlich Barcelona. „Wer Pauschalurlaub machen will, ist hier falsch“, erklärt Eva Maisel. Aber das ist gerade das, was sie an diesem Ausflug reizt: „Man lernt Europa besser kennen, weil man auch in abgelegene Regionen kommt, wo man sonst vielleicht nie hinfahren würde“. Immerhin ging es bei der letzten Fahrt mit 70 PS über die Pyrenäen.

„Das ist keine Spazierfahrt, sondern sehr anspruchsvoll“, weiß die Stuttgarterin. Der Beifahrer liest die Karte und leitet den Fahrer, sagt die Kurven an und warnt vor Schlaglöchern. Wie bei einer richtigen Rallye eben. Und damit der Spaß nicht zu kurz kommt, gibt es jeden Tag eine so genannte Mission zu erfüllen. Beim letzten Mal mussten beispielsweise innerhalb eines Tages möglichst viele Unterschriften auf dem Auto gesammelt werden, um dann ein Bierfass zu gewinnen.

Nach den sieben Tagen verbringen die drei Frauen noch eine Woche an der Costa Brava. „Dann wird geschlafen“, sagt Eva Maisel und lacht, denn „nach den sieben Tagen ist man urlaubsreif“.

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