Rodel gut am Bismarckturm – auch das gab es in diesem Frühling. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der März fühlt sich kalt – die Werte sind aber eher ganz normal. Zumindest im Schnitt. Jetzt setzt sich aber der Frühling durch.

Stuttgart - Man kann sich das am ersten Tag nach einem sonnigen Wochenende zwar kaum vorstellen, aber der Frühling hat in diesem Jahr kälter begonnen als im langjährigen Durchschnitt. Allerdings hat das mit menschengemachten Regeln zu tun. Der erste Frühlingstag ist bei den Meteorologen der 1. März – egal, was das Wetter macht. Und da der brave Bürger sich gerne an solchen Marken orientiert, drängt es ihn von da an mit Macht weg von der Heizung in den Lenz. Der Rasenmäher bekommt eine neue Zündkerze, der Grill eine Grundreinigung, Fahrräder werden geölt und die Heizung mindestens auf „Reduziert“ abgesenkt. In England zeigen die Männer wieder unverhüllte und bleiche Waden, die Frauen tragen Flipflops an nackten Füßen, aber wir sind ja zum Glück nicht in England.

Zum Grillen und Radeln war der Frühlingsstart 2018 in Stuttgart freilich denkbar ungeeignet. Im Gegenteil: Das Tief Ulrike über Spanien und, wegen der Gleichberechtigung, das Hoch Hartmut über Skandinavien lenkten mit einer östlichen Strömung zum Monatswechsel eisige Polarluft in die Stadt. „Die Tagestemperaturen lagen bei Dauerfrost um minus ein Grad, nachts fiel das Thermometer auf knapp minus neun Grad“, sagt Andreas Pfaffenzeller. Der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ermittelte zudem für den 18. März eine Höchsttemperatur von lediglich minus 0,8 Grad, das markiert den kältesten 18. März an der Wetterstation Schnarrenberg seit Beginn der Aufzeichnungen anno 1951.

Der März war eine echte Spaßbremse

Gefühlt war der März also ein echte Spaßbremse in Sachen blaues Band oder frischgrüne Wiesen. Drogerieartikel wie Sonnenschutz oder streng riechende Enthaarungscreme für stilsichere Radfahrer (männlich) lagen wie Blei in den Märkten. Weihnachtskinder wird es 2018 wohl auch weniger geben, weil bei schwäbisch reduzierter Heizung es auch nicht so Recht funken will. Aber so lausig kalt wie er sich phasenweise anfühlte, war der März faktisch betrachtet nicht. Vom 24. des Monats an gaben die Temperaturen nämlich zumindest am Tag doch wenig Gas – und so ging der Monat mit einer Durchschnittstemperatur von exakt fünf Grad nur um 0,3 Grad zu kühl aus dem Rennen, was man durchaus als normal bezeichnen kann.

Gut, es gab ein paar Tage Schnee in der Stadt, am 18. März an der DWD-Wetterstation am Schnarrenberg sogar vier Zentimeter und auch zwölf Frosttage (normalerweise wären es zehn), aber der März kann auch noch viel heftiger. 1958 lag der Schnitt bei lausigen 1,4 Grad, also 3,6 Grad unter dem aktuellen. Und als 2013 als der Begriff „Märzwinter“ kreiert wurde, lag am 26. des Monats noch eine geschlossene Schneedecke am Schnarrenberg.

Davon waren wir weit weg, aber wahrscheinlich fühlte sich der erste Frühlingsmonat auch deswegen so kalt an, weil es vor exakt einem Jahr im März in Frühsommer mit Temperaturen bis 24 Grad gab, der die Stuttgarter so lange grillen ließ, bis sich der Feinstaub am Neckartor eine sanfte Bratwurstnote aus dem nahen Park zulegte.

Punktlandung bei der Sonnenscheindauer

Da war heuer weniger los, obwohl die Sonnenscheindauer fast eine Punktlandung hinlegte. 120,8 Stunden sind 97,7 Prozent des langjährigen Mittels, also auch durchaus normal. Dafür war es aber deutlich zu trocken. Die 22,1 Liter Regen entsprechen nur 56,4 Prozent des Durchschnitts. Dies hat aber wohl das Austreiben der Vegetation etwas gebremst, was gut sein kann, wenn es wie vor einem Jahr im letzten Drittel des Aprils doch noch einmal frostig wird. Damals erfroren in der Nacht zum 20. April erhebliche Teile des erwarteten Apfel- und Weintraubenertrags.

Danach sieht es im Moment aber nicht aus, der Frühling ist da und er soll es auch bleiben. Nicht mehr ganz so warm wie am vergangenen Wochenende, aber es gibt aktuell keine Prognose, die auf eine Kaltlufteinbruch wie im April 2017 hindeutet. Das heißt also raus mit Mähgerät, Gartenbänken und Grill-Ensemblen. Die kurzen Hosen für Männer braucht es aber noch nicht. 15 Grad sind doch ein wenig kühl ums Bein und optisch ist es sowieso besser. Schau nach in England.

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