Lapp-Chef Andreas Lapp (Mitte) ist seit Oktober 2019 ein Ehrenhäuptling. Foto:  

Der Stuttgarter Weltmarktführer für Kabelsysteme sieht im Süden viel Potenzial, die Geschäfte liefen weltweit im vergangenen Geschäftsjahr gut. Doch jetzt stimmt Chef Andreas Lapp, der auch Ehrenhäuptling ist, auf ein schwieriges Jahr 2020 ein.

Düsseldorf - Auf einem Foto vom vergangenen Oktober ist Andreas Lapp, Chef des gleichnamigen Unternehmens, mit Gewand und einem Zepter mit einer vergoldeten Kakaobohne zu sehen. Was das für die Zukunft des Stuttgarter Weltmarktführers für Kabel- und Verbindungstechnologie bedeute?

Er sei für sein Engagement für eine Schule in der Elfenbeinküste zum Ehrenhäuptling ernannt worden, antwortet er. Außerdem müsse einer doch die Möglichkeiten, die der Kontinent biete, nutzen. Mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern und teils zweistellig wachsenden Märkten sei dieser bei den deutschen Firmen eindeutig unterrepräsentiert. „Wir haben ein Programm, wie wir mit der Lapp-Gruppe Afrika erobern wollen, auch wenn das etwas martialisch klingt“, sagt Lapp. „Dort sind wir noch Lehrlinge. Aber wenn wir nicht anfangen, schaffen wir es nie.“

Die Lapps haben mit der „Ölflex“-Leitung einen Standard gesetzt

Andreas Lapp ist der Sohn von Oskar Lapp, der 1957 die erste industriell gefertigte Steuerleitung der Welt erfand. Durch sie entfiel das zeitaufwendige, händische Einziehen von Kabeladern und Schaltschlitzen in die Schläuche. Dazu waren die „Ölflex“-Leitungen flexibel und ölbeständig, der Farbcode für die Einzeladern ist noch heute Standard. Heute liefert das 1959 gegründete Unternehmen Kabel- und Verbindungstechnologien vor allem für den Maschinenbau und für smarte Fabriken. In Afrika soll die Technologie vor allem für die Automatisierung, für die Lebensmittelindustrie und den Ausbau der Stromnetze eingesetzt werden. Deshalb hat Lapp die 2010 gegründete südafrikanische Landesgesellschaft deutlich vergrößert, deshalb sollen weitere Landesgesellschaften im Westen und Osten des Kontinents entstehen. Den Umsatz habe man binnen drei Jahren verdreifacht, sagt Lapp – allerdings auf geringem Niveau. Rund 45 Millionen Euro waren es im Geschäftsjahr 2018/2019, das im vergangenen September endete.

Bei einem Gesamtumsatz, der im Vorjahresvergleich um sechs Prozent auf 1,2 Milliarden Euro stieg, ist das noch nicht viel. Um fast zehn Prozent nahm die Zahl der Beschäftigten auf 4650 Mitarbeiter zu. Am stärksten wuchs das Familienunternehmen in Europa, im Nahen Osten und Afrika, wo Lapp fast drei Viertel seiner Erlöse erzielte. Aufgrund der niedrigen Zinsen wurde insbesondere in Deutschland mehr in die Infrastruktur investiert. Insgesamt zeige vor allem „die Strategie, die digitale Transformation gemeinsam mit den Kunden voranzutreiben, erste Früchte“, sagt Lapp. Man teste zum Beispiel Datenleitungen, die rechtzeitig kommunizieren, wenn sie gewartet werden müssen. Für das Laden von E-Fahrzeugen bietet Lapp inzwischen zwei Kabelversionen an.

Noch beeinträchtigt das Coronavirus die Geschäfte nicht

Weltweit ist das Ergebnis vor Steuern (Ebt) allerdings mit 58,6 Millionen Euro eher bescheiden – ein Minus von knapp 18 Prozent im Vorjahresvergleich. Hier schlagen schon der konjunkturelle Abschwung und die weltweiten Handelsstreitigkeiten durch. Auch die Ausbreitung des Coronavirus könnte die Geschäfte torpedieren. Noch gibt es in der gesamten Gruppe keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Auch die Geschäfte in den Virus-Hochburgen China, Südkorea und Italien laufen noch nach Plan – auch weil man für die weltweit 25 Standorte auf dezentrale Lager setze, erklärt Technik-Vorstand Georg Stawowy. „Die Abhängigkeit unserer Lieferkette ist deutlich geringer als bei anderen Unternehmen.“

Wegen der weltweiten Konjunkturschwäche infolge des Virus und den Auswirkungen des Brexits stellt sich Lapp für dieses Geschäftsjahr dennoch auf sinkende Erlöse ein. „Es war zu erwarten, dass nach sechs Jahren Wachstum die Konjunkturkurve auch mal wieder nach unten zeigt. Ich bin aber optimistisch, dass die Talsohle bald erreicht ist“, sagt Andreas Lapp.

Auf seine mögliche Leidenschaft für Afrika angesprochen, hat er aber eine nüchterne Einschätzung: Er selbst sei im vergangenes Jahr das erste Mal in Afrika gewesen, nur der Geschäfte wegen, sagt er „Das ist keine Liebe, das ist die Ratio.“

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-moehringen-wie-ein-firmengebaeude-klimaneutral-sein-kann.766ecd85-7560-46a8-a61e-fc98820daaaf.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgarter-kabelhersteller-lapp-arbeitet-an-der-stromrevolution.3ffb3316-1764-4544-bdec-f09c2b471a5c.html

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