Miss Germany Nadine Berneis zu Gast beim Weindorf-Treff Foto:  

Die Botschaft erfreute viele und ließ sie prompt ausatmen. Bäuche soll man nicht verstecken, sondern stolz präsentieren. Darauf einigte sich die Runde beim Weindorf-Treff von Stuttgarter Nachrichten und SWR 4 Studio Stuttgart.

Stuttgart - Ihre Schärpe hatte sie dieses Mal dabei. In der Handtasche. Ganz anders ausstaffiert war sie voriges Jahr gewesen. Damals war die amtierende Miss Germany Nadine Berneis auch auf dem Weindorf. Allerdings in Uniform und mit einer Maschinenpistole in der Hand. Berneis ist Polizistin. Ein Jahr ist sie als schönste Frau Deutschlands vom Dienst befreit, will dann aber zurück. „Ich komme wieder“, sagte sie am Dienstagabend in der Laube Ox am Schillerplatz. Die Polizeihauptmeisterin möchte gerne ein bisschen höher hinaus. Die Kamera steuern in der Hubschrauberstaffel, das wäre ihr Traum.

Nicht nur ihrer. Fliegen, ein uralter Traum der Menschheit. Oder doch ein Albtraum mittlerweile? Franz Untersteller ist Grüner und in der Landesregierung Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, da müsste doch Fliegen Teufelszeug sein, wollen die Moderatoren Diana Hörger und Tom Hörner wissen. Weit gefehlt. „Ich fliege“, sagt der Minister mit fester Stimme. Alle vier Wochen etwa in den Bundesrat, oder zur Familie der Schwiegertochter nach Mexiko. Und so sehr er Greta Thunberg und die streikenden Schüler von Fridays for Future schätzt, „weil ich nicht geglaubt hätte, dass in so kurzer Zeit eine globale Umweltbewegung entstehen könnte“; so fraglich findet er es, ob Thunberg mit dem Segelboot nach New York hätte fahren müssen. Was den einen Ablasshandel ist, Zahlen für geflogene Kilometer und so Emissionen kompensieren, scheint ihm sinnvoll. „Beim Thema Fliegen wird überzogen“, sagt Untersteller, viel dramatischer seien doch die Brände im Dschungel Südamerikas. „Das ist die Lunge unseres Planeten, da geht es ans Eingemachte.“

Das sind die ganz großen Themen, die erdenschweren sozusagen. Die einen manchmal verzweifeln lassen können. Über die kleinen, für viele nicht minder wichtigen, plaudert Kim Hoss am Esstisch mit ihrer 93 Jahre alten Oma Inge bei einem Haselnusslikör. Via Internet hören bei diepodcastoma.de mittlerweile 1,7 Millionen Menschen zu. Da geht es um Oma Inges erstes Mal, um Oma Inges Kleiderschrank, was sie von Tinder und Komasaufen hält und warum sie manchmal einen Tag lang kein Wort spricht, weil sie alleine lebt. Und warum das trotzdem okay ist. Unverblümt ist Oma Inge. Als Kim Hoss einen weiten Kapuzenpulli trug und fragte: „Oma, wie sieht der aus?, lautete die Antwort: „Beschissen!“

Sie ist da ein Beispiel für ihre Enkelin. Die ist auch direkt. Und deshalb eine Bauchfrau mit dem Motto: „Das Leben ist viel zu kurz, um den Bauch einzuziehen.“ Rausstrecken, zeigen, nicht schämen. Sie findet: „Wir sollten uns unser Körpergefühl nicht von den Medien und der Gesellschaft bestimmen lassen.“ Egal wie man aussehe, es müsse gelten: „Ich bin ich, ich bin okay!“ Wer Miss Germany werden will, muss aber schlank, wenn nicht extraschlank sein. Kim Hoss: „Dort sieht man nur einen Typus Frau.“ Da werde der Öffentlichkeit ein Bild von Weiblichkeit vorgesetzt, „dass wir denken: Nur so sind Frauen schön“. Nadine Berneis kennt diese Mechanismen. Und sie unterstützt Kim Hoss: „Ich finde, wahre Schönheit kommt total von innen.“ Ihre Mutter habe ihr das früher immer gesagt, wenn sie sich nach Ansicht der Mama zu stark geschminkt habe, „mittlerweile weiß ich, sie hat recht“. Ihre Eltern sind ohnehin sehr für Natürlichkeit. Daheim in Dresden musste sie Vater und Mutter stets anweisen: „Bitte zieht was an, meine Freunde kommen heute vorbei!“ Sonst wären sie in „Unterhose und BH am Esstisch gesessen“.

Weder das Genick noch den Bauch einziehen will auch Untersteller. Wenngleich der Minister gesteht, einige Kilos zu viel zu haben. Aber was will man machen, wenn man oft erst um 23 Uhr nach Hause kommt, Hunger hat, und der Kühlschrank lockt. „Ich lebe zu ungesund“, weiß er. Vielleicht sollte er öfter was aus seinem Kochbuch kochen. Etwa „Schneebällcher im Schwäbischen“, das sind so eine Art Schupfnudeln, ein Rezept aus seiner saarländischen Heimat. Ein Politiker, der sich in der Küche auskennt, hat einen großen Vorteil. Er bleibt gelassener: Weiß er doch, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

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