Stuttgarter Weindorf Süß und eiskalt

Von Heidemarie A. Hechtel 

Die frühe Weinlese in diesem Jahr spiegelt sich auch auf den Weinkarten der Weindorf-Gastronomen wider - süßer neuer Wein liegt im Trend. Den trinken auch die Hanseaten gerne, die nach dem Aus des Weindorfs in Hamburg nun einfach nach Stuttgart kommen.

Stuttgart - 30 Mal, von 1986 bis 2016, haben die Wirte und Wengerter des Stuttgarter Weindorfes ihre Lauben auf dem Hamburger Rathausmarkt aufgeschlagen und die Hanseaten erfolgreich davon überzeugt, dass Maultaschen, Linsen und Spätzle, Rostbraten und auch Kutteln köstlich schmecken und der Württemberger Wein die Krönung des Genusses ist. Das hätte ewig so weiter gehen können mit den Gastspielen der Schwaben an der Alster, wenn nicht die Politik plötzlich dazwischen gefunkt hätte. Mit einer happigen Steigerung der Platzmiete von 46 000 auf knapp 100 000 Euro, an der weitere Gastspiele scheiterten.

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„Ist damit auch die schwäbisch-hanseatische Freundschaft am Ende“, fragte unser Kolumnist Uwe Bogen damals. Aber nein, alte Liebe rostet nicht: Jetzt kommen die Hamburger einfach nach Stuttgart. Tauchen als Stammgäste zum Beispiel bei der Weindorf-Wirtin Helli Schmieg oder im Dreimäderlhaus bei Annette Currle auf. Und drücken wie Jürgen Hilscher ihre Verbundenheit sogar mit einer Mitgliedschaft im Verkehrsverein pro Stuttgart aus, wie der Vorsitzende Werner Koch verrät.

Von noch weiter her reist Gerhard Gühler an: Den Besitzer des Hotels zur Post in Bansin auf Usedom zieht es regelmäßig nach Stuttgart. Er sei, erzählt er, zwar in Ahlbeck auf Usedom geboren, lebte dann aber lange in Stuttgart, bis er nach dem Ende der DDR das elterliche Hotel an der Ostsee wieder in seinen Besitz bringen konnte und seither in der renommierten Herberge viele schwäbische Urlauber und Gäste begrüßt.

Süßer Wein ist im Trend

Die frühe Weinlese bereichert die Getränkekarte auf dem Weindorf. Bei den Wirten mit eigenem Weingut wie Andreas Zaiß, Helmut Zaiß, Tilman Ruoff und Annette Currle wird jetzt der süße neue Wein ausgeschenkt. Und Annette Currle kreiert daraus einen Drink, der Kult werden könnte, aber leider zeitlich limitiert ist: Den „Traubencrasher.“ Süßer Wein auf Eis und mit Rosé Sekt aufgegossen. Köstlich, nicht nur, wenn die Temperaturen wieder steigen.

„So a Tasch brauch ich auch“: Begehrlich guckt eine Dame aus der VfB-Laube raus und auf den Leinenbeutel mit Weindorf-Emblem, mit dem Bärbel Mohrmann, die Geschäftsführerin von Pro Stuttgart, auf dem Weindorf unterwegs ist. „Können Sie kaufen“, reagiert Mohrmann sofort: „Beim Info-Stand für 8 Euro. Und damit tun Sie“, erfährt die Dame, „auch noch was Gutes, denn die acht Euro gehen zu 100 Prozent an ein Projekt, das Frauen aus der Zwangsprostitution holt und ihnen eine Ausbildung als Näherin ermöglicht.“

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Schon mal vormerken: Beim Familientag am letzten Weindorf-Sonntag, 9. September, macht der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel wieder mit einer besonderen Aktion schmackhaft: Wer am Info-Stand einen Fahrschein vorlegen kann, bekommt einen Gutschein über fünf Euro, der bei einem Mindestverzehr von 20 Euro bei allen Lauben eingelöst werden kann. Und eine Freikarte für das Weinbaumuseum in Uhlbach noch obendrein.

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