Das Weindorf als beliebter Treff – auch wenn das Wetter so lala ist. Foto: Lg/Kovalenko

Das Stuttgarter Weindorf lockt am Samstagabend zahlreiche Gäste in und vor die herausgeputzten Lauben. Vom durchwachsenen Wetter lässt sich niemand die Laune verderben.

Stuttgart - Vom Wetter lässt sich ein echter Weindorfgänger nicht abhalten. Es ist kühl geworden an diesem Samstagabend, der Sommer scheint offiziell erst mal vorbei zu sein. Doch die Besucher sind vorbereitet: Mit Daunenjacken und Decken sitzen sie vor den Lauben, essen, trinken und unterhalten sich. Von irgendwoher fliegen Seifenblasen durch die Luft, ein Kellner balanciert eine Flasche garniert mit Wunderkerzen durch die Menge, die Menschen ziehen dicht gedrängt durch die Gassen– die Stimmung ist ausgelassen am ersten Wochenende des Weindorfs.

Auch bei Bärbel Mohrmann ist die Stimmung ziemlich gut. Die 52-Jährige ist seit dem 1. Juli Geschäftsführerin von Pro Stuttgart und von morgens bis abends auf dem Weindorf unterwegs. Gut 15 Kilometer lege sie täglich zu Fuß zurück, „zum Glück, ich esse auch zweimal warm“, sagt sie und lacht. Bisher seien sie und die Wirte sehr zufrieden, vor allem an den Abenden sei das Weindorf gut besucht.

Immer mehr junges Publikum

Die Wirte haben wie gewohnt ihre Lauben herausgeputzt, mit Weinblättern, Lichterketten und Blumengirlanden geschmückt. In großen Pfannen werden Käsespätzle, Sauerkraut und Schupfnudeln gebrutzelt. Der Duft ist beim Gang über das Weindorf ständiger Begleiter. Manche Besucher sitzen in ihrer Stammlaube, andere lassen sich treiben. „Wir lassen uns dort nieder, wo es Platz hat“, sagt Andrea Heß, die von den Fildern zum Fest gekommen ist. Einmal Weindorf im Jahr sei Pflicht, genauso wie die anderen Feste von Filderkrautfest bis zum Weihnachtsmarkt. „Das ist doch eine schöne Tradition, die wir hier pflegen“, sagt Andrea Hess.

Ganz neu ist in diesem Jahr die Laube Vis-a-Vis vom jungen Winzer Andreas Zaiß. Alexander Harsch hat seine Laube aufgegeben. Anstatt den Platz neu zu vergeben, konnten Zaiß sowie Tillmann Ruoff erweitern. Zaiß hat sich für eine moderne Form der Weinlaube entschieden. Die Tische sind in Palettenoptik geschreinert, in der Mitte des Raumes hängt ein alter, knorriger Trollinger-Rebstock. „Wir wollten es modern, aber nicht zu stylisch“, sagt Zaiß.

Das Ziel mit der neuen Laube junges Publikum anzulocken, scheint geglückt – wie generell auf dem Fest zu beobachten ist. „Das Interesse von jungen Menschen an gutem Wein ist in den vergangenen Jahren gewachsen“, sagt Zaiß. Nicht nur während des Weindorfs sei das zu spüren: „In fast jeder Bar gibt es inzwischen mindestens einen ordentlichen Wein auf der Karte. Der darf auch gerne mal kräftig sein.“

Noch bis Sonntag 500 Weine

Das kann auch Raffael Schmidt bestätigen. Der 30-Jährige sitzt mit seinen Freunden auf den Bänken vor der Laube am Rand des Schillerplatzes. Er ist zu Besuch aus München im Kessel. „Es gibt immer mehr junge Winzer, die Spitzenweine machen“, sagt er. „Gleichzeitig gibt es immer mehr junge Leute, die sich gut auskennen und gerne ausprobieren.“ Die Gruppe hat sich für einen Riesling entschieden, laut Zaiß einer der beliebtesten Weine des Festes.

Das Weindorf bietet Weinkennern und allen, die es werden möchten, noch bis zum Sonntag die Möglichkeit sich durch ein Angebot von 500 Weinen zu probieren.

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