In der Laube der Alten Kanzlei: SWR-4-Moderator Axel Graser, MC Brudaal, Stefanie Schwarz, Henning Fritz, Felix Graf Adelmann und StN-Kolumnist Tom Hörner (von links) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Weindorf-Treff von Stuttgarter Nachrichten und SWR 4 war am Donnerstag leicht zu finden. Man musste nur nach dem einzigen Mann mit Kappe Ausschau halten. Zwischen altem und neuem Adel schwitzte MC Brudaal unter seiner brudaal heißen Fellmütze.

Stuttgart - Der Name ist nix fürs Radio. Felix Graf Adelmann von Adelmannsfelden, bevor man den ausgesprochen hat, ist die Sendung rum. Doch wie redet man einen Adeligen standesgemäß an? Ganz einfach. „Du“, sagte Moderator Axel Graser, weil man sich schon länger kennt und womöglich im Weinkeller der Adelmannschen Burg Schaubeck in Kleinbottwar verhockt war. 120 Fenster hat es dort, einfach verglast, was im Winter schon mal dazu führt, dass das Shampoo einfriert. Und man eigentlich ein Ölfeld besitzen müsste und nicht Weinberge, um sich die Heizkosten leisten zu können.

Vielleicht ist ja des Durchzugs wegen der 35-jährige Felix Graf Adelmann so ein rühriger Bursche. Der hat zum Frieren gar keine Zeit. Er macht Musik im eigenen Tonstudio. Als Künstler verfremdet er großformatige Polaroids, indem er während des Entwickelns über die Bilder wischt. Und zudem leitet er das altehrwürdige Weingut, seit fünf Generationen im Familienbesitz. Viel G’schäft? Von wegen, findet Moderator Tom Hörner, mittlerweile ebenfalls beim „Du“ angelangt: „Du machst doch Musik, wenn das Gesinde im Weinberg schafft und sich die Finger blutig schafft.“ Die Antwort von Felix Graf Adelmann: „Da bin ich noch gar nicht wach!“ Man merkt, er ist ein ganz Ausgeschlafener.

Rotwein vermutet, Weißwein getrunken

Mit feinem Humor – und feiner Zunge. Man kann sich ja nicht auf einem Weindorf treffen, ohne Wein zu trinken. Doch den mussten sich die Gäste verdienen. Mit verbundenen Augen mussten sie schmecken, was man ihnen vorsetzt. Felix Graf Adelmann erkannte den Rosé, die Württembergische Weinkönigin Stefanie Schwarz aus Untertürkheim wusste, dass in ihrem Glas ein Spätburgunder war. Handball-Legende Henning Fritz witterte die Falle: Ihm hatte man einen Hugo kredenzt. Und MC Brudaal stellte seinen schwedischen Wurzeln unter Beweis. Einen Rotwein trinke er, war er überzeugt. Nun, es war ein Weißwein.

Ihm fehlt einfach die Übung. In der Heimat seiner Eltern in Südschweden gebe es einen Bauer, der Wein keltere, erzählt er. „Der macht 50 Flaschen im Jahr.“ Wie der schmeckt? Das weiß er leider nicht. Er hat noch nie eine abbekommen. Auch MC Brudaal alias Hendrik Brislow ist ein besonderes Gewächs. Wie gesagt, seine Eltern stammen aus Schweden. Er ist in Schorndorf aufgewachsen, als Grafikdesigner spricht er hochdeutsch, doch wenn er als MC Brudaal seine Pelzmütze und die verspiegelte Fliegerbrille aufsetzt und sich die goldene Kette mit der Brezel umlegt, singt er Schwäbisch. „Du bisch mei Number One“ hat er auf schwenglisch gerappt, die Liebeserklärung an Stuttgart war ein Hit im Internet. Und natürlich musste er ihn auch am Donnerstag singen. Oder sagen wir besser: Er bewegte die Lippen zum Band. Playback wie einst in der Hitparade.

Fremdsprachenunterricht für den Welttorwart von 2004

Aber völlig egal, mit den Zeilen „Du hosch en Kessel, aber des esch mr völlig egal“ sprach er den anwesenden Herren aus der Seele. Doch so schwäbisch es auch ist, das Lied, für SWR 4 sei es eigentlich zu modern und sonst nicht im Programm, musste Graser bekennen. Nun gut, vielleicht hat sich MC Brudaal gestern eine ganz neue Zielgruppe erschlossen.

Für Henning Fritz war’s eine Stunde Fremdsprachenunterricht. Doch, doch, er verstehe fast alles, beteuerte der Welttorwart von 2004 und Weltmeister von 2007. Immerhin hat er ja seine Karriere bei den Rhein-Neckar Löwen in Mannheim beendet und wohnt mittlerweile in Wiesloch. Das ist zwar in Baden, doch hat es ihn vorbereitet für das Verständnis der Kultursprache Schwäbisch. Unverblümt erzählte er von seinem Burn-Out 2006, als ihn die Spielerei ohne Pause, das ständige Hineinbeißen und Gewinnenwollen krank machte. „Ich lebe von meinen Emotionen“, sagte er, doch da sei er leer gewesen. Dritter Torwart war er da beim THW Kiel, er spielte kaum. Ein Jahr später war er Weltmeister. „So verrückt ist der Profisport.“ Apropos verrückt. „Muss man nicht einen an der Klatsche haben, wenn man sich freiwillig mit Bällen bewerfen lässt?“, wollte Hörner wissen. „Kann man so sehen“, sagte Fritz, „die normale Reaktion ist ja auszuweichen. Wir bekämpfen diese Angst und wollen sogar getroffen werden.“ Geschadet hat es ihm nichts, findet Felix Graf Adelmann . „Man sieht das ja im Radio nicht: Aber der Mann ist dermaßen unversehrt und sieht fantastisch aus.“ Man ahnt, auch die zwei sind bald beim „Du“.

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