Stuttgarter Weindorf Das Weindorf von A bis Z

Von Frank Rothfuss 

Das Stuttgarter Weindorf hat begonnen. Unser ABC soll den Besuchern helfen, sich bis zum 9. September zwischen den Lauben auf Markt-, Schillerplatz und Kirchstraße zurechtzufinden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und mit Augenzwinkern.

Es wird wieder gefeiert: Das Weindorf hat begonnenFoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - A wie Alkohol Soll gefährlich sein, selbst in kleinen Mengen, behaupten Wissenschaftler. Aber laut schwäbischer E wie Experten handelt es sich bei Wein mitnichten um Alkohol. Es sei ein Grundnahrungsmittel. Für Folgen übermäßigen Verzehrs siehe Z wie Zinken. B wie Büttel Keine Angst. Sie lassen weder pusten, noch verteilen sie Strafzettel. In den Uniformen der Stadtgarde wandeln sie über das Weindorf und läuten den Kehraus ein. C wie Chardonnay Migrant aus Frankreich. Wohlgelitten im Weinberg und im Glas. Steht hier stellvertretend für viele Rebsorten, die mittlerweile in Württemberg angebaut werden und das Niveau des schwäbischen Weins beträchtlich gehoben haben. D wie Diminutiv Die schwäbische Verkleinerungsform passt oft. So ist sie bei der Bezeichnung der getrunkenen Menge äußerst sinnvoll. Drei Viertele fühlen sich weniger an als eine Flasche Wein. Das Wort „Ländle“ hingegen ist abgeschmackter als ein Semsakrebsler, ein saurer Wein. Welcher Volksstamm macht sich schon selbst kleiner, als er ist. Sollten Politiker nochmals davon reden, werden wir sie fortan als Kretschmännle oder Kuhnle bezeichnen. E wie Experte Wollen Sie wissen, welcher Wein am besten mundet, wenden Sie sich an ihn. Einer sitzt an jedem Tisch. Erkennbar am Z wie Zinken.

F wie Flirtmeile Das Weindorf ist abends die größte Baggergrube des Landes. Siehe K wie Krott und V wie Voglschaich. G wie Großkopfete Beim Weindorf-Treff von Stuttgarter Nachrichten und SWR 4 kann man in der VfB-Laube in den nächsten Tagen Prominente live erleben. H wie Hocketse Schwäbische Form des Beisammenseins. Dafür verzichtet der Einheimische sogar auf I wie Intimsphäre. I wie Intimsphäre Verteidigt der Schwabe normalerweise hartnäckig. Mit zwei Leuten gilt ein Tisch als besetzt. Beim Weindorf darf man aber zusammenkuscheln. J wie Jungwinzer Die Jungwinzer sind vor allem Jungswinzer. 18 jüngere Wengerter aus der Region präsentieren sich in zwei Lauben bei der Alten Kanzlei auf dem Schillerplatz. Wein machen ist aber offenbar Männersache: Denn mit Helen Schmalzried ist nur eine Frau dabei. K wie Krott Nicht erschrecken, liebe auswärtige Damen. Falls ein Schwabe Sie mit Krott anspricht, hält er Sie nicht für eine Kröte, sondern in Wirklichkeit für eine hübsche junge Frau.

L wie Lauben Insgesamt bilden 129 der Holzhäuser die Lauben. Der ehemalige Verkehrsdirektor Peer-Uli Färber hat sie vor vier Jahrzehnten entwerfen lassen, sie sollten einheitlich aussehen und wiederverwendbar sein. Sehr schwäbisch halt. Doch als die Wirte erfuhren, dass eine Laube 6000 Mark koste, mussten sie schlucken. Und so mancher winkte ab. Pech gehabt. M wie Mobil Man kann mittels App alles übers Weindorf erfahren. Gegessen und getrunken wird aber noch analog. Sollte das Handy mehr Saft brauchen, siehe P wie Powerstation. N wie Neulinge Kai-Michael Mett und ­Lorenz Kaiser sind mit ihrem Kesselblick das erste Mal beim Weindorf. 29 „Zur Linde“ vor dem Rathaus. Christian List und Volker   Scholz haben am Alten Schloss die ­Laube Nummer 3 namens „1893 – Die VfB Laube“. O wie „Oins goht no“ Den Satz muss man können. Lässt sich so lange sagen, bis der B wie Büttel kommt. P wie Power Station Weil mancher die Welt nur noch über sein Handy wahrnimmt und in der Realität ohne sein bestes Stück hilflos ist, gibt es heuer am Eingang zum Schillerplatz eine Ladesäule für Handys und ­Tablets. Man darf darauf gespannt sein, wie viele Instagram-Bilder von Weingläsern das Netz fluten. Dabei gilt doch: Net gucka, schlucka.

Q wie Quantum Das muss jeder selbst festlegen. Es gilt sich nicht zu überschätzen, sonst droht morgens der Schreck beim Betrachten der aufgelesenen V wie Vogl­schaich. R wie Reservierung Ist möglich in den Lauben. Und kostenlos. Die Telefonnummern sind auf der Weindorf-Website zu finden. S wie Sonnenbrille Niemals vergessen. es ist das allerwichtigste Utensil beim Flirten, selbstverständlich auch im Dunkeln. T wie Trollinger: An ihm scheiden sich die Geister. Während die einen ihn als Kultgetränk vermarkten wollen, ist er für die anderen alles, bloß kein Rotwein. Geschweige denn A wie Alkohol. Experten gelingt es mit ihm, ein hohes Q wie Quantum zu erreichen. U wie Uebersetzerin Schwäbisch für Anfänger, dafür ist Wirtin Helli Schmieg die geeignete Dolmetscherin. In Hamburg ist sie oft gefragt worden, was Bubaspitzle sind. Irgendwann war sie es leid. Also klemmte sie einer Puppe an der Laube eine Schupfnudel zwischen die Beine, schrieb auf ein Schild „Bubaspitzle“. Eine weitere Übersetzung war nicht nötig. V wie Voglschaich Unangenehmes Mitbringsel. Deshalb Obacht beim Anbaggern und rechtzeitig die S wie Sonnenbrille abnehmen.

W wie Wasser Hin und wieder einen Sprudel trinken. Sonst schafft’s man nicht, bis am Samstag um 24 Uhr und am Sonntag um 23 Uhr der B wie Büttel kommt. X wie x-beliebig Gilt weder für die Partner- noch die Weinwahl. Beim Wein gibt’s die beste Qualität im Zehntelesglas, von fast allen guten württembergischen Wengertern sind Kostproben zu finden. Y wie Yoga Braucht ein Besucher des Weindorfs nicht. Ihm gelingt es, mittels bewusstseinserweiternder heimischer Substanzen Geist und Körper zu trennen und den Zustand völliger Harmonie zu erreichen. Z wie Zinken Kennzeichnet den schwäbischen Experten. Der Schwabe schmeckt den Wein auch mit der Nase. Folgerichtig muss die groß sein, die Durchblutung zeigt den Grad der Kenntnis des Experten an.