Zum sechsten Mal fand das Stuttgarter Weihnachtssingen im Gazi-Stadion auf der Waldau für einen guten Zweck statt. Über 8000 Menschen sorgten wieder für eine besondere Stimmung – doch auch der Anschlag von Magdeburg war ein Thema.
„In die Nase einatmen, dann alles wegatmen, was gestresst hat seit Jahren, lasst es raus, sprecht es aus!“ Patrick Bopp, der Memphis der ehemaligen Vocal-Comedy-Gruppe „Die Füenf” und Initiator der Mitsingreihe “Aus voller Kehle für die Seele”, gibt auch beim 6. Stuttgarter Weihnachtssingen Takt und Melodie vor.
Nun wird erst mal die Stimme aufgewärmt im Gazi-Stadion auf der Waldau. Das ist voll besetzt, geht doch der Erlös an die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg und Stiftung Singen mit Kindern. Und so recken sich fast 8.200 Menschen von Klein bis Groß, jammern auf Schwäbisch „Ojeojeoje“, auf Spanisch „Aijeijeijeijeijei“, hauen „Awa, Ha komm, Ha noi“ aus dem Bauch, geben den Pädagogen „He he he mein Junge ...“, bevor es „Auf die Blaue“ heißt, dem Schlachtruf des Gastgebers, den Stuttgarter Kickers. Sie gehören zum großen Organisationsteam aus evangelischer und katholischer Kirche Württemberg, Stadt Stuttgart, Sport und Kultur, etwa die Rosenau.
Klassischer Start
Mit einem klassischen Weihnachtslied stimmt Bopp das Publikum ein: Auf die Melodie von „Lasst uns froh und munter sein“ werden Wörter wie „Schlapp schlapp, Zimtstern, Stadion oder Adventskalender“ intoniert. Auch Singer-Songwriterin Marie Louise macht mit, die erstmals auf der Bühne Bopp vokalstark unterstützt – neben einer bewährten Crew: Baden-Württembergs First Lady Gerlinde Kretschmann hat wieder die Schirmherrschaft übernommen, Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke dirigiert die Weihnachtssingen-Band und das Blechbläser-Ensemble EJUS, FÜENF-Kollege Christian Langer gibt den „singenden Chatmaster“. Er betreut die Kommentare im Livestream. „Wir sind verbunden mit Krankenhäusern und Menschen, die nicht aus dem Haus können“, so Bopp.
Sein vielfältiges Programm passt zum geschmücktem Baum auf dem Rasen, der Diskokugel darüber und den farbenfrohem Lichteffekten drum herum. Es ist weihnachtlich, weltlich, besinnlich und lustig für Kids, Mamas, Papas, Opas und Omas. Da ist Tiefes mit weihnachtlicher Friedensbotschaft wie John Lennons „Happy Christmas/War is over“ dabei wie auch ein bombastisches „Gloria In Excelsis Deo“, ein swingendes „Rudolph the red-nosed reindeer“, ein schmachtendes „White Christmas“ und mitreißende Medleys aus „Schneeflöckchen – Kommet ihr Hirten – Fröhliche Weihnacht“ oder Glöckchen-Lieder zum gemeinsamem Schlüsselscheppern. Und: die „Weihnachtsbäckerei“ in Reggae-Version. „Wer das zu oft gehört hat, kann seine Aversion in die Stimme legen, mal ojoiojoi machen“, sagt Bopp lachend.
Gedanken an die Opfer von Magdeburg
Fröhlich schallt dann das „Feliz Navidad“ abwechselnd aus den Stadionblöcken, während „You’ll never walk alone“ unter die Haut geht. Klar, dass zudem „We shall overcome“ niemanden kalt lässt. „Wir wollen allen Licht und Liebe senden, die das ganz dringend brauchen, fühlen mit all den Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden, egal auf welcher Seite, besonders mit den Opfern und Angehörigen dieses sinnlosen Übergriffs in Magdeburg.“
Das gebe Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft ohne Leid, Krieg und Gewalt. Singen bringe zusammen und stärke. „Lasst uns eine Gegenreaktion setzen und gemeinsam ins Mitgefühl gehen.“ Diese Botschaft von Weihnachten verstärkten die Kerzen, die zum letzten Stück „Stille Nacht, heilige Nacht“ ausgeteilt und entzündet wurden, um danach „in Ruhe den Frieden mit nach Hause“ zu nehmen.