Dieser Toilettencontainer in der Stiftstraße gefällt nicht jedem Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Wer Glühwein trinkt, muss auch mal auf die Toilette. Deshalb stehen beim Weihnachtsmarkt Container. Einem Nobelhändler gefällt das nicht. Doch seine Rechtsanwältin blamiert sich in ihrem Schreiben an die Stadt gewaltig.

Stuttgart - Der Weihnachtsmarkt bringt Millionen Besucher in die Stuttgarter Innenstadt. Nicht wenige davon reisen aus der Schweiz an und kaufen in der preisgünstigeren Landeshauptstadt kräftig ein. Nicht zuletzt auf der Edelmeile rund um Stiftskirche und Dorotheenquartier. Das heißt aber noch lange nicht, dass die dort ansässigen Geschäftsleute automatisch zufrieden sind. Einer von ihnen hat gar ein dringendes Bedürfnis, das er jetzt rechtsanwaltlich mit der Stadt klären lassen will.

Es geht um einen der Toilettencontainer, die der Veranstalter zum Weihnachtsmarkt aufstellen lässt. Stille Örtchen sind bei den Festen in der Innenstadt erfahrungsgemäß eher knapp, deshalb zählt jede einzelne Schüssel. Und so steht auch, wie zuvor schon in früheren Jahren, im unteren Teil der Stiftstraße wieder einer dieser grauen Kästen. Optisch sicher kein Hingucker, aber nun mal notwendig. Doch davon fühlt sich eine der ansässigen Edelboutiquen dermaßen gestört und in ihrem Geschäft bedroht, dass sie die Stadt juristisch angeht, um den Container verlegen zu lassen.

Das Schreiben, das dem Veranstalter in.stuttgart und dem Ordnungsamt vorliegt, entbehrt allerdings nicht einer gewissen Komik. Die Münchner Rechtsanwältin der großen Nobelkette bemängelt da nicht nur die Lage bei Weindorf und Weihnachtsmarkt, sondern sie denkt schon weiter. Die Situation sei auch deshalb prekär, heißt es in dem Schreiben, weil ja dann bei Frühlings- und Volksfest dieselben Beeinträchtigungen für das Geschäft zu erwarten seien. Dass die aber mehrere Kilometer entfernt auf dem Cannstatter Wasen über die Bühne gehen, scheint sich bis nach München noch nicht herumgesprochen zu haben.

Es braucht die nötigen Anschlüsse

„Wir müssen den Besuchern Toiletten bieten“, sagt Marcus Christen von in.stuttgart. Der Container in der Stiftstraße stehe auf einer städtischen Fläche und sei vom Ordnungsamt genehmigt – und zwar nicht, um jemanden zu ärgern, sondern weil dort die nötigen Anschlüsse vorhanden seien. Christen stellt klar, dass man auf den Standort nicht verzichten könne: „Wir haben nach Alternativen geschaut, aber es gibt keine geeigneten. Sonst hätten wir zwischen Schiller- und Marktplatz keine Toilette.“ Man habe Gespräche geführt und angeboten, der Händler könne ein Schild am Container aufhängen. Bisher ohne Ergebnis.

Es ist nicht dass erste Mal, dass sich Händler oder Gastronomen durch die Feste in der Innenstadt gestört fühlen. Ebenfalls auf dem Weihnachtsmarkt hatte man sich im vergangenen Jahr einigen können, als ein teures Geschäft einen Imbiss vor dem Laden weg haben wollte. Und auch zuletzt auf dem Weindorf hatte ein Wirt moniert, dass ein Container zu nah an seinem Lokal stehe. In diesem Fall musste der Veranstalter hart bleiben.

Auf den Brief der Münchner Anwältin soll nun das Ordnungsamt antworten.

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