Das Haus in der Weberstraße hat die Caritas gemietet. Foto: Peter Petsch

Nach einem verlorenen Zivilverfahren gegen die Landeshauptstadt um die illegale Nutzung eines Wohnhauses für gewerbliche Zwecke hat der Hausbesitzer eingelenkt. Aus dem illegalen Bordell in der Altstadt soll eine Sozialpension für Männer werden.

Nach einem verlorenen Zivilverfahren gegen die Landeshauptstadt um die illegale Nutzung eines Wohnhauses für gewerbliche Zwecke hat der Hausbesitzer eingelenkt. Aus dem illegalen Bordell in der Altstadt soll eine Sozialpension für Männer werden.

Stuttgart - Die Weberstraße in der Altstadt findet sich regelmäßig im Polizeibericht: Diebstähle, Raub, Messerattacken. Opfer sind oft Freier und Prostituierte, auch die aus dem Haus Nummer 5 A. Die Frauen, die dort lebten, waren Mieterinnen eines Hauseigentümers aus dem Milieu. Inzwischen sind die Damen aus ihren 13 Zimmern ausgezogen – sehr zum Wohlgefallen von Veronika Kienzle (Grüne).

Die Bezirksvorsteherin führt schon lange einen fast aussichtslosen Kampf gegen illegale Prostitution in der Altstadt. Im Fall der Weberstraße 5 A half ihr der Caritasverband: Er mietet das Haus an und wandelt es vom 1. Februar an zu einer Sozialpension um. Damit hat Stuttgart neben dem Sozialhotel in der Weimarstraße im Westen das zweite Objekt, das von einem sozialen Träger selbst geführt wird.

„Wir vermieten die Zimmer in dem Haus an Männer, die auf dem Wohnungsmarkt aus finanziellen oder sozialen Gründen selbstständig nichts bekämen“, sagt Manfred Blocher, der beim Caritasverband den Bereich Armut, Wohnungsnot und Schulden leitet. Im Haus zieht ein Hausmeister ein, und jeden Tag werde für drei Stunden ein Betreuer an Ort und Stelle Ein- und Auszüge oder Mietangelegenheiten regeln. Darüber hinaus sei telefonisch jederzeit ein Sozialarbeiter erreichbar. „Es ist ein Versuch, wir werden sehen, wie’s läuft“, so Blocher, aber ohne neuen Wohnraum käme man in Stuttgart eben nicht mehr aus.

Seit 2012 steige die Zahl der wohnungslosen Menschen wieder an, alle Plätze, auch die der Stadt, seien belegt. In den stationären und teilstationären Einrichtungen gebe es inzwischen ebenfalls einen Stau: „Wir haben Klienten, die wieder fest im Leben stehen, aber keine Wohnung finden und deshalb in den Wohnheimen bleiben müssen“, sagt Blocher.

Im Männerwohnheim Carlo-Steeb-Haus beispielsweise zogen im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr 30 Prozent weniger Männer aus. Die Evangelische Gesellschaft, ebenfalls einer der großen sozialen Träger in Stuttgart, macht ähnliche Erfahrungen. „Das Wohnungspolitische Programm von Oberbürgermeister Fritz Kuhn wirkt eben erst in einigen Jahren“, so Manfred Blocher.

Immerhin gibt es zwischen Liegenschaftsamt, Städtischer Wohnbaugesellschaft SWSG und der Wohnungsnotfallhilfe seit dieser Woche ein hilfreiches Abkommen: Für alle Stuttgarter Träger stellt die SWSG künftig 20 Wohnungen zur Verfügung. Ein Teil davon sind Sozialwohnungen, für den anderen Teil soll es laut Blocher keine Belegungs- oder Mietpreisbindung geben.

Damit zeichnet sich in der Wohnungspolitik eine kleine, aber signalkräftige Trendwende ab, wie sie auch am Haus Weberstraße 5 A deutlich wird. Das Gebäude hat ursprünglich der Stadt gehört, ist dann allerdings an die Sozialwert GmbH verkauft worden. „Das Haus sollte fürs Wohnen genutzt werden, ist dann aber an einen Bar-Betreiber aus dem Leonhardsviertel verkauft worden. Kurz darauf begann dort der Bordellbetrieb“, erzählt Veronika Kienzle.

Die sogenannte Rotlichtklausel, das Verbot, in Wohnhäusern Bordelle einzurichten, ist nicht sonderlich wirksam, wenn der Vermieter gewerblich Zimmer vermietet und für das Treiben seiner Mieter nicht verantwortlich sein will. Erst nach einem jahrelangen Zivilprozess der Stadt gegen den Hausbesitzer und nachdem dieser zu einer Strafzahlung in Höhe von 50.000 Euro verurteilt worden war, hatte es mit dem Bordellbetrieb ein Ende. Das Haus wollte der Eigentümer allerdings nicht verkaufen.

Nach eigenen Angaben hätte er auch „an die Rumänen und Bulgaren vermieten können, die das Viertel bevölkern“, aber diese Mieter seien ihm „zu problematisch“ gewesen. Vielmehr sei er nach den rechtlichen Auseinandersetzungen an „einem längerfristigen Vertrag und an Rechtssicherheit“ interessiert gewesen, so der Eigentümer, der nicht namentlich genannt werden will.

Den Trend zur illegalen Prostitution im Viertel wird die neue Nutzung des Hauses Weberstraße 5 A nicht stoppen, „aber sie ist ein kleiner, feiner Baustein“, so Kienzle.

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