Fritz Oechßler hält sich durch Wandern fit Foto: Max Kovalenko

Schöne Ausblicke, viel Wald: Stuttgart ist für Wanderer ein Glücksfall. Zum 20. Geburtstag der Etappe „Vom Schloss zum Schlössle“ führt Fritz Oechßler Wanderer seinen Lieblingsweg lang.

Stuttgarter - Wo trifft man sich mit Fritz Oechßler, dem Stuttgarter Forstdirektor a. D. und Ehrenmitglied des Verschönerungsvereins Stuttgart? „Im Wald“, schlägt der 83-Jährige vor. Fritz Oechßler war in den 1960er und 70er Jahren Pionier in Sachen Wanderweg. Er trieb ihre Ausschilderungen voran, machte sich stark dafür, dass Trimm-Dich- und Waldlehrpfade angelegt wurden..

Drei Wanderwege mit insgesamt 93,2 Kilometern hat der Verschönerungsverein seither eingerichtet. Los ging es mit dem 56,7 Kilometer langen Rössleweg. Um ein Haar hätte es Stuttgarts bekanntesten Rundwanderweg nicht gegeben: Denn große Waldbereiche sollten für den Bau einer Umgehungsstraße gerodet werden, „Straßenbauexperten wollten einen Südring von Wangen über die Geroksruhe’ und die Neue Weinsteige bis runter zur Schwäblesklinge und rauf zum Bürgerwald und dem Birkenkopf anlegen, um den Schwanenplatz zu entlasten“, erinnert sich der Oechßler.

Die erste Bürgerbewegung in Stuttgart

Den Plänen konnte Naturfreund Oechßler, damals Forstdirektor und Vorsitzender des Verschönerungsvereins nichts abgewinnen. Mit dem Verschönerungsverein im Rücken setzte er sich dafür ein, das Vorhaben zu verhindern – durch passiven widerstand: Er bot Führungen für die Stuttgarter durch die bedrohten Waldabschnitte an. Die Bürger waren empört darüber, dass ihr Wald dem Straßenbau zum Opfer fallen sollte und protestierten. „Das war die erste Bürgerbewegung in Stuttgart gegen Beschlüsse von oben“, sagt Oechßler.

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Die Politik ruderte zurück, und der Verschönerungsverein machte sich daran, den Rössleweg auszuschildern: von der Geroksruhe bis zum Haigst und dann durch den Dornhaldenwald zur Schwäblesklinge runter und auf der anderen Seite hoch bis zur Doggenburg. „Das waren etwa 16 Kilometer“, so Oechßler. Um 1980 wurde die Strecke zum 56,7 Kilometer langen Rundweg ergänzt.

Oechßlers Lieblingsweg ist der zweite Wanderweg, den der Verschönerungsverein ausschildert: der Weg „Vom Schloss zum Schlössle“. Die Route führt vom Neuen Schloss zum Bärenschlössle im Rotwildpark. Dafür hat Oechßler persönlich die Patenschaft übernommen. Einmal im Jahr geht er die Route ab, prüft, ob die Wegweiser noch dran sind. Wo die Kleber fehlen, ersetzt er sie. Den 18 Kilometer-Weg hat der Verschönerungsverein 1994 nach der Internationalen Gartenbau-Ausstellung (IGA) ausgeschildert.

Verschönerungsverein kümmert sich um Beschilderung

Der dritte Weg in Obhut des Vereins ist der Jubiläumsweg, den der Verschönerungsverein zu seinem 150. Geburtstag vor zwei Jahren ausschilderte. Der Weg ist 18,5 Kilometer lang und führt über den tiefsten Punkt der Landeshauptstadt in Hofen durch die Stadt hoch auf den Birkenkopf.

Auch Rössle- und Jubiläumsweg werden von Mitgliedern des Verschönerungsvereins immer wieder ausgeschildert, wenn die Markierungen verschwinden. „Die Kosten dafür fallen nicht ins Gewicht. Aber es braucht zuverlässige Leute, die Zeit investieren und die Wege regelmäßig abgehen“, sagt Oechßler. Er selbst geht täglich ein bis zwei Stunden auf Wanderschaft. „Das Grün des Waldes und die Stille tun einfach gut“, sagt er.

Mit Fritz Oechßler geht es zum Jubiläum des Wegs „Vom Schloss zum Schlössle“ am Mittwoch, 20. August, von der Doggenburg acht Kilometer zum Mühlgrün in Bad Cannstatt. Start:16 Uhr , Doggenburg. Am Mittwoch, 27. August, geht es neun 9 Kilometer von Botnang zum Bärenschlössle.Start : 16 Uhr, Kauffmannstraße in Botnang, Stadtbahn-Endhaltestelle U  2. Die Führungen sind kostenlos

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