Wie umfangreich die Wagenhallen im Nordbahnhofviertel modernisiert werden, ist nicht unumstritten Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein schwarz-grünes Zweckbündnis im Stuttgarter Rathaus hat die Gefahr einer baldigen Schließung des Kulturzentrums Wagenhallen gebannt – und der Verwaltungsspitze mit OB Fritz Kuhn (Grüne) und Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) eine Schlappe erspart.

Stuttgart - Ein schwarz-grünes Zweckbündnis im Stuttgarter Rathaus hat die Gefahr einer baldigen Schließung des Kulturzentrums Wagenhallen gebannt – und der Verwaltungsspitze mit OB Fritz Kuhn (Grüne) und Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) eine Schlappe erspart.

Das Duo hatte vor Monaten angekündigt, es wolle bis zu 30 Millionen Euro für das Sanieren und Modernisieren der Wagenhallen mit Künstlerateliers und Veranstaltungsräumen ausgeben. Noch vor den Sommerferien hätte man vom Gemeinderat gern den Grundsatzbeschluss. Am Freitag im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen war nach der ersten substanziellen Vorberatung die Mehrheit aber recht dürftig. Das lag daran, dass die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus das Projekt für teuer hält und erst noch kleinere Sanierungsvarianten ohne oder mit wenig Veranstaltungsfläche prüfen möchte. Die beiden Ausschussmitglieder der SPD, die das Thema bei den Etatberatungen abwägen will, sowie Sibel Yüksel (FDP) und Bernd Klingler (AfD) wollten auch Aufschub. Da mussten es das konservative Lager und die Grünen richten. Mit neun zu sieben Stimmen wurde die Vertagung verhindert. Nun geht es mit einem knappen positiven Empfehlungsbeschluss in die entscheidende Gemeinderatssitzung am 16. Juli.

Bereits der Bezirksbeirat Nord hatte für Zündstoff gesorgt, weil er vor allem die Künstlerateliers in den Fokus nahm. Art und Umfang des Veranstaltungsbereichs müsse von dem „allgemeinen Wohngebiet“ abhängig gemacht werden, das sich das Gremium nebenan wünscht. Föll war alarmiert. Die Wagenhallen nur für die Künstlerateliers zu sanieren, koste über 16 Millionen Euro, sagte er. Zu viel für den Effekt. Jeder Veranstaltungsbetrieb verursache aber so viel Lärm, dass nebenan nur ein Mischgebiet möglich sei. Fazit: Wer da ein reines Wohngebiet wolle, ersetze am besten auch gleich die Hallen durch Wohnungen. Die Verwaltung will aber sanierte Wagenhallen mit „zwei Säulen“ und bis zu 2100 Stehplätze bei Veranstaltungen. Ein sofortiger Grundsatzbeschluss halte alle Möglichkeiten offen. Ohne ihn könnten die Planungen nicht vorangehen. Die Gutachter, die Sicherheit und Brandschutz beanstandeten, wären mit ihrer Geduld am Ende. Die Hallen müssten Ende 2015 schließen – nicht erst Ende 2016 zur Sanierung.

Laura Halding-Hoppenheit (Linke) konnte auch das nicht schrecken: „Die Schließung wäre nicht der Weltuntergang. Selbst der Fernsehturm wurde geschlossen.“ Man könne nicht eilends 30 Millionen verpulvern, „während kleine Projekte verrecken“.

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