Trachten sind im „Bonnie & Clyde“ unerwünscht. Foto: Susanne Rudat-Schaible

Nie ist es schwerer, an Stuttgarts Türstehern vorbei zu kommen, als zur Wasen-Zeit. Trachtenträger sind zwar momentan auf dem Stuttgarter Volksfest gern gesehen, in der Clubszene der Innenstadt werden sie dagegen manchmal abgewiesen. Wir haben nachgefragt, wo Trachtenverbot herrscht.

Stuttgart - Wer stundenlang auf den Bierbänken des Cannstatter Volksfests getanzt hat, möchte meist nicht nach Hause, wenn die Festzelte schließen. Häufig führt der Weg auf der Suche nach der nächstbesten Party in die Stuttgarter Innenstadt und endet jäh vor dem Türsteher, der den Eintritt verwehrt. Als Grund wird die Tracht genannt, die auf dem Wasen seit einigen Jahren mit dazu gehört.

In der Stuttgarter Clubszene wird sie dagegen eher kritisch beäugt. Ist sie doch ein Zeichen dafür, dass der Gast zuvor auf dem Cannstatter Wasen gefeiert und womöglich schon die ein oder andere Maß Bier zu viel getrunken hat. Um zu vermeiden, dass sich der Gast alkoholbedingt daneben benimmt, verwehren einige Lokalitäten konsequent bei Trachten den Einlass.

Lesen Sie hier: Die Geschichte des Volksfests.

Bonnie & Clyde: Trachtenfrei seit 1997

„Trachtenfrei seit 1997“ steht auf einer Tafel vor dem „Bonnie & Clyde“ am Stöckach. An der U11, direkt auf dem Weg zum Wasen gelegen, muss das Team um Gastwirtin Susanne Rudat-Schaible konsequent sein: „Wir sind direkt an der Einflugschneise, da torkeln ständig Menschen in Trachten an uns vorbei“, sagt sie.

Das Schild würde die meisten davon abhalten, in die Kneipe zu gehen. Wer es trotzdem versucht, wird weiter geschickt: „Einige sind selbstverständlich noch nüchtern und nett, aber wir sind da konsequent“, sagt Rudat-Schaible, „wer Tracht trägt, hat keinen Zutritt. Es gibt ja noch mehr Bars in der Straße, die sich über Kundschaft freuen.“

Keine Dirndl im Transit/Bergamo

Wie schon im vergangenen Jahr, bleibt das Club-Doppel am Hans-im-Glück-Brunnen dabei: Kein Eintritt für Trachtenträger. „Zu Beginn war ich noch völlig offen für allerlei Publikum“, sagte Prinzipal Sebastian Riedmüller unserer Zeitung im letzten Jahr, „jedoch hat sich gezeigt, dass es einfach nicht tragbar ist, gewissen Wasengästen Einlass zu gewähren.“ So bleibt das Transit/Bergamo auch in diesem Jahr für Bierzeltfans in Dirndl und Lederhosen unerreichbar.

Trachten passen nicht ins Freund und Kupferstecher

Auch am Berliner Platz haben Feierwütige in Trachten wenig Erfolg, denn der Türsteher vor dem „Freund und Kupferstecher“ gewährt keinen Einlass. „Der Style passt einfach nicht zu unserem Club und den Veranstaltungen“, sagt Clubbetreiber Felix Klenk, „wir wollen ja, dass sich alle Gäste bei uns wohlfühlen. Dieses Gefühl wird unserer Meinung nach von Trachten gestört.“

Im vergangenen Jahr haben wir das Fahrgeschäft „The Flyer“ getestet. Im Video sehen Sie das Ergebnis: Auch das „Suessholz“ am Wilhelmsplatz wird von Klenk und seinem Partner Christopher Warstat geführt. Hier seien die Regeln weniger strikt: „Ohne Einlasskontrolle ist das Verbot schwerer umzusetzen“, sagt Klenk. Auch inhaltlich sei die Bar nicht so speziell, sodass kleine Gruppen in Trachten nicht stören würden.

Schräglage nimmt weniger Gäste gern in Kauf

Auch in der Schräglage gibt es seit der Eröffnung des Clubs ein Trachtenverbot. Betreiber Martin Labacher geht es dabei nicht nur um den Alkoholpegel der Wasenfans – auch die Art des Partygefühls passe nicht zu dem Club und zu dem Thema Hip-Hop. Dass zur Volksfest-Zeit deswegen weniger Gäste kommen, nehmen die Betreiber gern in Kauf.

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