Seit 2018 leitet Gabriele Ehrmann die Stuttgarter Vesperkirche. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Kurz vor Schluss der 32. Vesperkirchen-Saison in der Stuttgarter Leonhardskirche zieht Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann Bilanz.

Nach 48 Tagen Stuttgarter Vesperkirche, unterbrochen nur von zwei, drei Tagen Büroarbeit, spürt Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann den „Kraftverlust“. Der wird jedoch bei weitem aufgewogen durch das Gefühl, „genau das Richtige getan zu haben“, wie die 65-Jährige sagt. Und wenn an diesem Samstag um 15 Uhr der Abschlussgottesdienst stattfindet, dürfte sich dieses Gefühl noch verstärken. Denn für Gabriele Ehrmann ist diese 32. Stuttgarter Vesperkirchensaison zugleich die letzte vor ihrem Ruhestand. „Ich werde die Vesperkirche sehr vermissen“, sagt die Theologin. „Es war jedes Mal eine intensive und ausgefüllte Zeit.“

 

Vesperkirche-Leiterin Ehrmann: „Unsere Gäste sind nicht verhärmt“

Auch für die diesjährige Saison zieht sie eine positive Bilanz: „Es gab viele Begegnungen und viel Gemeinschaft mit unseren Gästen.“ Der niedrigschwellige Zugang zu dem von mehr als 800 Ehrenamtlichen, verantwortlichen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen angebotenen „Zuhause auf Zeit“ habe sich erneut als ein „wunderbares Prinzip“ erwiesen. Bedürftigkeit heißt dabei nicht automatisch Traurigkeit. „Das war keine harte, traurige Arbeit, und das waren auch keine verhärmten Gäste“, sagt die Diakoniepfarrerin. Vielmehr habe eine aufbauende Grundstimmung geherrscht.

Wie im vergangenen Jahr wurden Ehrmann zufolge in sieben Wochen Vesperkirche knapp 40 000 durch Spenden finanzierte Essen ausgegeben. Die vielen Teilhabeangebote – von der Arztsprechstunde über die Straßen-Uni bis zum Haareschneiden – seien „bis zum letzten Termin ausgekostet worden“. Ähnliches gelte für die Gottesdienste und das Kulturangebot unter anderem mit dem Vesperkirchen-Chor „rahmenlos & frei“. Auch eine Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten zum Thema Armut habe Zuspruch gefunden: „Betroffene konnten dort ihre Anliegen direkt vorbringen und ihnen wurde zugehört.“ Das nahm Ehrmann auch beim Besuch von Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann und Amtsleitern wahr. Dabei habe sich gezeigt, wie wichtig ein direkter Zugang zu den Menschen ist.

Der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle (linsk) und Trainer Sebastian Hoeneß gaben in der Vesperkirche Essen aus. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Mit dabei waren dieses Jahr auch wieder OB Frank Nopper und der VfB Stuttgart mit seiner Stiftung „Brustring der Herzen“. Ehrmann freute sich über die prominente Arbeitskraft, etwa durch Stürmer Deniz Undav. Zudem brachten der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle, VfB-Präsident Dietmar Allgaier, Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und Cheftrainer Sebastian Hoeneß einen Scheck über 50 000 Euro mit als „starkes Zeichen der VfB-Familie“ für Zusammenhalt.

„Das hilft uns sehr für die nächste Vesperkirchensaison“, sagt die scheidende Diakoniepfarrerin. Auch sonst ihr für die Zukunft nicht bange. Sie hofft, dass die Vesperkirche mit demselben Elan weitergeht. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, sagt sie. Über ihre Nachfolge im Diakoniepfarramt muss noch entschieden werden.