Der Anteil der Lebensmittelspenden ans Olgahospital – hier Gutsle der Bäckerei Haag – ist durch Corona gestiegen. Foto: Lg/Max Kovalenko

Wohltätige Vereine verlieren im Corona-Jahr insbesondere die Einnahmen aus Veranstaltungen. Langfristige Finanzierungszusagen fürs Olgäle in Stuttgart bleiben daher erstmals aus.

Stuttgart - Für ein Plus an Spenden hat im Corona-Jahr 2020 keiner die Hand ins Feuer gelegt. Weil Menschen auf Abstand gehen mussten, kam auch das Geld nicht zusammen.

„Insbesondere die Einnahmen aus Veranstaltungen sind für die gemeinnützigen Organisationen zurückgegangen“ bestätigt Burkhard Wilke, der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DIZ). Das DIZ prüft Organisationen und vergibt Spendensiegel. Auch kleine und mittlere Organisationen, die überproportional von Unternehmensspenden abhängig seien, hätten Einbußen erlitten.

Wird das Klinikum die Kosten übernehmen?

Klar sei aber auch: „Corona hat große Solidarität ausgelöst“, sagt Burkhard Wilke. Nach vorsichtiger Schätzung gehe man davon aus, dass 2020 bundesweit elf Milliarden Euro Spendengeld zusammenkamen, im Vergleich zum Vorjahr eine halbe Milliarde mehr.

Der Caritasverband Stuttgart bestätigt dies. „Bei uns sind circa ein Drittel mehr Spenden eingegangen als im Vorjahr“, sagt Susanne Kremer, die Geschäftsführerin Caritas Stiftung und Leiterin Fundraising. Man habe über einen elektronischen Rundbrief zu Spenden aufgerufen und sei „froh und dankbar“, dass man so viel Solidarität und geschenkte Zeit fürs Ehrenamt bekommen habe.

20 Prozent weniger Spenden

Der Förderkreis Krebskranke Kinder hingegen sieht sich gezwungen, die Weiterfinanzierung der beiden Psychologinnen der Kinderkrebsstation am Olgäle zu überdenken. „Wir haben dem Klinikum dafür noch keine langfristige Personalkostenzusage geben können“, sagt Vereinsvorstand Stefan Nägele. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) habe in Aussicht gestellt, dass sich die Klinikleitung für den Erhalt der Stellen einsetze.

Bei den besagten Stellen handelt es sich um Fachkräfte, die kleine Onkologiepatienten während ihres oftmals langen Klinikaufenthalts psychologisch-therapeutisch unterstützen. Doch laut Stefan Nägele sind beim Förderkreis im vergangenen Jahr „20 Prozent weniger Spenden zusammengekommen als im Jahr davor“.

Kein Geld mehr für Tariferhöhungen

2019 seien 940 000 Euro plus eine Erbschaft von 50 000 Euro eingegangen, doch auch die Einnahmen aus dem Blauen Haus, einer Wohn- und Beratungsstelle für Familien mit krebskranken Kindern, seien rückläufig gewesen. Profitiert hat der Verein von Bußgeldern in Höhe von 50 000 Euro. Die Geldauflagen, die in Baden-Württemberg von den Gerichten in Straf- und Gnadenverfahren verhängt werden, haben sich von 17,4 Millionen Euro (2018) auf 22 Millionen Euro im Jahr 2019 erhöht; das Ergebnis aus dem Jahr 2020 liegt laut Justizministerium erst im Mai vor. Gemeinnützige Einrichtungen haben im Jahr 2019 11,7 Millionen Euro erhalten, 1,6 Millionen mehr im Vergleich zu 2018.

Beim Verein Olgäle-Stiftung für das kranke Kind, dem Stefanie Schuster vorsteht, hat man noch keine Jahresbilanz gezogen. „Wir haben nur wenige Großspender, aber gerade viele kleine Aktionen, zum Beispiel die von Schulen und Vereinen, sind im Corona-Jahr weggefallen“, sagt die Ärztin. Die Olgäle-Stiftung finanziert Personalstellen und Personalschulungen für die Kinderklinik in Höhe von circa 700 000 Euro jährlich. „Wir wollen alle weiterfinanzieren“, versichert Stefanie Schuster – mit einer Einschränkung: „Wir möchten, dass künftig das Klinikum für die jährlichen Gehaltssteigerungen aufkommt, da wir Planungssicherheit brauchen. Neue Stellen werden wir voraussichtlich nicht finanzieren können.“

Dank Rücklagen Geld für Schlafsäcke

Die Stuttgarter Kinderstiftung hat „wegen Corona das musikalische Früherziehungsprojekt nicht realisieren können“, erläutert die Vorsitzende Silke Schmidt-Dencker, „aber die Mitarbeiterkosten laufen weiter“. Minijobs könnten nicht auf Kurzarbeit umgestellt werden, „daher rechne ich damit, dass Organisationen und Vereine ihre Projekte in einigen Monaten doch noch kürzen müssen“.

Der Stuttgarter Verein Helfende Hände rechnet mit einem Spendenrückgang von rund 30 Prozent. Man habe, so Clemens Youngblood, der Vorsitzende, aus den Zuweisungen von Bußgeldern eine Rücklage gebildet. Deshalb könne der Verein derzeit trotzdem noch Essen für Obdachlose und weiterhin warme Schlafsäcke und Klamotten ausgeben. „Das ist gerade jetzt wichtig, wenn’s richtig kalt ist nachts.“

Spenden ans Olgahospital, Bußgelder an Vereine

Spenden Das Olgahospital hat im Jahr 2019 rund 1,5 Millionen Euro in Form von Sach- und Geldspenden erhalten. Für 2020 gibt es nach Angaben der Klinik Zusagen „in ähnlicher Höhe“. Etwa 700 Spender haben im vergangenen Jahr die Arbeit der städtischen Klinik unterstützt. Stark zugenommen hätten Sachspenden, zum Beispiel Essenslieferungen als Dank an die Pflegekräfte.

Finanzierung Was Krankenkassen und Land fürs Olgäle bezahlen, reicht nicht aus für besondere Versorgungsangebote. Die Pädiatrie sei unterfinanziert und Grund für die Schließung von Kinderkliniken. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist zwischen 1991 und 2017 die Bettenzahl in der Pädiatrie um ein Drittel gesunken, die Fallzahlen sind jedoch um zehn Prozent gestiegen.

Bußgelder Im Jahr 2019 sind von Gerichten Geldauflagen in Höhe von rund 22 Millionen Euro verhängt worden. Der Oberlandesgerichtsbezirk und der Bezirk der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe sind daran mit rund 8,7 Millionen Euro beteiligt, die Stuttgarter Bezirke mit 13,3 Millionen. Das sind rund 4,6 Millionen Euro mehr als im Jahr 2018. Die Zunahme im Gesamtaufkommen gegenüber dem Vorjahr ist zum einen auf eine deutliche Erhöhung der staatsanwaltschaftlichen Zuweisungen im Bezirk beider Generalstaatsanwaltschaften von jeweils circa einer Million Euro, zum anderen auf eine Steigerung der Zuweisungen beim Landgericht Stuttgart von circa zwei Millionen Euro zurückzuführen.

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