Friedrich Merz (links) ist der klare Favorit der Stuttgarter Parteibasis für den Posten des CDU-Bundesvorsitzenden. Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn haben das Nachsehen. Foto: factum/Weise

Zumindest im Kreisverband Stuttgart hat der alte Merkel-Rivale Friedrich Merz klar die Nase vorn: Eine Mehrheit wünscht ihn sich als neuen CDU-Bundesvorsitzenden. Seine Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer hat in der hiesigen Union bei weitem nicht so viele Fans.

Stuttgart - Ginge es nach dem Kreisverband der Stuttgarter CDU, dann könnte Friedrich Merz schon die Sektkorken knallen und sich als neuer Parteichef feiern lassen. Ein Meinungsbild auf dem Parteitag am Freitagabend, das von der Jungen Union und führenden Vertretern des konservativen Parteiflügels initiiert worden war, votierten 104 anwesende Mitglieder für den früheren Fraktionschef im Bundestag. Seine Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer (im Parteijargon AKK genannt), die in allen Umfragen in Führung liegt, erhielt lediglich 37 Stimmen.

Damit bestätigte sich, was sich zuvor schon in mehreren Redebeiträgen und Anträgen abgebildet hatte: Die CDU will die Ära Merkel endlich hinter sich lassen und wieder ein Stückweit nach rechts rücken – auch um der AfD das Wasser abzugraben. Jahrzehntelang habe man alles abgenickt, was im Kanzleramt entschieden worden sei, so der stellvertretende Kreisvorsitzende und einer der Wortführer der Konservativen, Benjamin Völkel, in einer mit viel Applaus bedachten Rede. Die Sozialdemokratisierung der CDU habe der Partei nicht gut getan. In Merz sehen viele den Mann, der die CDU wieder auf Kurs bringen kann. „Ich werde für ihn stimmen“, sagt Völkel, der als Delegierter am Bundesparteitag am 7. Dezember in Hamburg teilnimmt. So klar wollen sich nicht alle positionieren. Kreischef Stefan Kaufmann lässt offen, wer sein Favorit ist, und seine Stellvertreterin Karin Maag bekennt, sie habe sich zwar festgelegt, will aber nicht sagen, auf wen.

Jens Spahn hat in der Kreis-CDU so gut wie keine Fürsprecher

An der Parteibasis ist man weit weniger zurückhaltend: „Merz hat die Wirtschaftskompetenz, die der CDU in den letzten Jahren verloren gegangen“, sagt ein langjähriges älteres CDU-Mitglied. „Mit AKK ginge alles so weiter wie bisher“, meint auch der Chef der Cannstatter Bezirksgruppe Roland Schmid. „Ich würde für Friedrich Merz stimmen, wenn ich könnte“, springt eine Parteiseniorin Benjamin Völkel bei. Der dritte Kandidat, Gesundheitsminister Jens Spahn, hat auch an der Stuttgarter Parteibasis kaum Fürsprecher. Nur zwei Mitglieder sprechen sich bei der Probeabstimmung für ihn aus. Einige äußern offen, dass Spahns Homosexualität nicht mit ihrem christdemokratischen Familienbild in Einklang zu bringen sei. Andere bewerten seine Auftritte auf den Regionalkonferenzen als zu nassforsch.

Als wäre der konservative Merkel-Intimfeind Merz schon neuer Parteichef, schlagen dann auch die Funktionäre am Rednerpodest aggressive Töne an. Völkel wettert gegen den „blassen Mann vom Marktplatz“ (OB Fritz Kuhn), der keine Ideen und keine Gestaltungskraft habe, und träumt für die Zeit nach der Kommunalwahl von einer „Zukunft ohne die Grünen“. Und Parteichef Stefan Kaufmann scheut sich nicht, die durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegten Auswirkungen von Dieselabgasen auf die menschliche Gesundheit wegzudiskutieren – wie das auch die AfD seit Jahren tut.

Ganz wohl ist aber nicht allen bei dem Gedanken an einen Parteichef Friedrich Merz. „Bei dem fangen die Journalisten sicherlich an zu graben“, fürchtet einer mit Blick dessen umstrittene Tätigkeiten als Wirtschaftslobbyist seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2009.

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