Anja Lutz präsentiert die große Auswahl an Spitzenschuhen in den neuen Räumlichkeiten an der Uhlandstraße. Foto: Torsten Ströbele

Seit mehr als 50 Jahren versorgt Gabriele Lutz Tänzerinnen und Tänzer mit allem, was das Herz begehrt. Nach dem Umzug übernimmt Tochter Anja – mit Herzblut und Traditionsbewusstsein.

„Zu lieben, was man tut, bedeutet nicht Arbeit, sondern Erfüllung!“ Was für Apple-Gründer Steve Jobs gilt, gehört auch zur DNA von Gabriele und Anja Lutz. Mutter und Tochter haben sich der Tanzwelt und dem 1972 gegründeten Familienunternehmen verschrieben. Nach dem Umzug in die Uhlandstraße 20 hat nun eine neue Ära begonnen.

 

Gabriele Lutz zieht sich langsam zurück und geht in den verdienten Ruhestand. Und Tochter Anja übernimmt. „Ich bin mit der Firma groß geworden. Manch ein Kunde erinnert sich heute noch, wie ich mit meinem Meerschweinchen auf dem Arm die Tür öffnete“, sagt Anja Lutz und schmunzelt. „Natürlich war ich auch einige Jahre im Ballett. Aber eine Tanzkarriere war nicht mein Ziel. Ich wollte, wie meine Mutter, mit vollem Herzblut für die Wünsche der Tänzer da sein. Das perfekte Outfit, die passenden Schuhe, das richtige Zubehör.“ Gleich nach ihrer Ausbildung sei sie in die Firma eingestiegen. Das sei schon knapp 35 Jahre her. „Ich werde das Geschäft aus tiefstem Herzen weiterführen.“ Voller Stolz blickt sie auf das zurück, was ihre Mutter in den vergangenen Jahrzehnten geleistet hat. Und das kann sich in der Tat sehen lassen.

Im Keller wurde Firma gegründet

Wenn man Gabriele Lutz nach den Erlebnissen und Begegnungen seit der Gründung ihrer Firma fragt, gerät sie ins Schwärmen: „Tanzen war für mich ein schönes Hobby, aber leider gab es in den 1970er Jahren kaum Auswahl an Tanzartikeln.“ Als sie einen Hersteller kennenlernte, der Ballett- und Tanzkleidung nach Vorgaben anfertigen und in seiner Mühle in Frankreich auch noch nach jedem Wunsch einfärben konnte, griff sie die Gelegenheit beim Schopf. „Ich reiste durch die Welt zu den bekanntesten Herstellern der Tanzwelt, knüpfte Geschäftsbeziehungen, oft mit einem Alleinvertrag und wagte nun mit einer außergewöhnlichen Auswahl den Schritt.“ Sie gründete im Keller ihres Wohnhauses in Bad Cannstatt die Firma „Gabriele Lutz – Ballett, Gymnastik, Tanzausstattung“.

Doch schnell wurden die Räumlichkeiten zu klein. 1979 wurde in der Stuttgarter Innenstadt eine kleine Boutique eröffnet. Bald war aber auch sie zu klein, und es folgte der nächste Umzug. 1981 ging es an die Marienstraße 19. Auf 400 Quadratmetern und drei Etagen gab es Bekleidung und Schuhe für alle Tanzsparten, Accessoires, Tanzmusik, Geschenkartikel und Schminke. 1995 stand wieder ein Umzug an. Es ging ein paar Meter weiter in die Marienstraße 7, ehe 1999 das Olgaeck zur neuen Heimat wurde. Diesmal zog es Mutter und Tochter in die Nähe des Stuttgarter Balletts und der John-Cranko-Schule. „Wir wären gern hier geblieben“, sagt Anja Lutz. Doch der Vermieter, die Commerz-Real, möchte das Gebäude in der Olgastraße 34 und das gesamte Uhland-Carré von 2026 an „umfassend energetisch sanieren und revitalisieren“. Der Mietvertrag lief zum 30. Juni dieses Jahres aus. Spätestens Ende 2025 wäre Schluss gewesen. „Im September beginnt die Tanzsaison. Bis dahin wollten wir neue Räumlichkeiten in der Nähe gefunden haben“, sagt Anja Lutz. „Wir waren schon sehr verzweifelt, bis es Ende Mai dann doch schnell ging.“

Nahe dran am Stuttgarter Ballett

Mittlerweile hat alles geklappt, die Räume an der Uhlandstraße 20 sind umgebaut und eingerichtet – mit viel Liebe zum Detail. Auch einige Schätze, die sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte angesammelt haben, wurden in Szene gesetzt, wie zum Beispiel eine Zeichnung von Marcia Haydée mit persönlicher Widmung. Die gebürtige Brasilianerin kam 1961 an das Stuttgarter Ballett und wurde unter dem damaligen Ballettdirektor und Choreograph John Cranko 1962 zur Primaballerina. Sie gilt als eine der großen Tanzdarstellerinnen ihrer Generation. 1976 wurde Haydée zur Ballettdirektorin ernannt und leitete die Compagnie bis 1996.

2022: Mutter und Tochter haben 50 Jahre Familienunternehmen gefeiert. Foto: LICHTGUT

Für Anja Lutz ist es wichtig, die Nähe zur Cranko-Schule und dem Stuttgarter Ballett zu erhalten. Ein großer Bereich in ihrem Laden gehört dem Ballett. Kleidung gibt es schon für die Kleinsten ab etwa drei Jahre. Zudem wird viel Wert auf den richtigen Schuh gelegt. „Jeder Fuß ist individuell ausgebildet: Manche Füße sind bereits muskulär gekräftigt, manche sind noch in der Entwicklung. Hierfür gibt es viele verschiedene Modelle und Varianten bei den Spitzenschuhen: Breiten, Härten, Sohlenstärken und -längen, Standflächen und vieles mehr“, erklärt Anja Lutz. „Da der Spitzenschuh den Fuß unterstützen soll, muss das richtige Modell sorgsam ausgewählt werden. Ist der Fuß noch nicht kräftig genug oder tanzt man mit einem unpassenden Modell, können Verletzungen und Verformungen der Knochen entstehen.“ Deshalb rät sie dazu, nicht zu früh einen Spitzenschuh zu tragen. In der Regel sei ein Alter ab etwa 12 Jahren für den Einstieg geeignet. „Wir raten auf jeden Fall zu einer persönlichen und individuellen Beratung“, betont Anja Lutz.

Auch Schuhe für Gesellschaftstanz

Und dieser Service ist heiß begehrt. Kundinnen und Kunden aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland kommen extra dafür nach Stuttgart. Es wird dazu geraten, im Vorfeld einen Termin auszumachen.

Wer Schuhe für Gesellschaftstänze wie Standard, Latein, Salsa, Jazz, Modern, Stepp oder Hip-Hop sucht, wird ebenfalls bei Anja Lutz fündig. „Die Leidenschaft der Menschen, sich durch den Tanz so individuell ausdrücken zu können, begeistert mich immer wieder aufs Neue“, sagt sie.