In puncto Vermarktung und Professionalität sucht die WTA-Tennistour im Weltsport der Frauen ihresgleichen. Das ist auch beim Stuttgarter Porsche Tennis Grand Prix zu sehen, dem ältesten Indoor-Turnier weltweit, das routiniert in Szene gesetzt wird.
Was eine gute Show ausmacht, das muss Jessica Pegula niemand erzählen. Schließlich ist die 31-Jährige in erster Linie die Nummer drei der weiblichen Tennis-Welt – aber sie ist auch die Tochter des Erdgas-Milliardärs Terrence Pegula, der unter anderem das American-Football-Team der Buffalo Bills aus der nordamerikanischen Profiliga NFL sein Eigen nennt. Pegula schaut den Bills zu, wann immer es geht – weiß also, was einen guten Mix aus Spitzensport mit einem Schuss Glamour und Ballyhoo ausmacht.
Beim Tennis Grand Prix in der Porsche-Arena schlägt das US-Girl dieser Tage bei ihrer Premiere auf, denn normalerweise steigt sie erst später in die europäische Sandplatzsaison ein. Doch vom Turnier in Stuttgart, das von den Spielerinnen schon mehrfach zum beliebtesten seiner Kategorie gewählt wurde, hat sie schon viel Gutes gehört. Kurz nach dem ersten Training im Neckarpark geht bei Jessica Pegula auch der Daumen hoch: „Es ist definitiv eines der schönsten Turniere auf der Tour. Alles ist sehr hochwertig, super organisiert, der Centre-Court ist wunderschön.“
Schließlich sind die Tennis-Macher aus dem Ländle ja auch keine Anfänger. Immerhin ist der Tennis Grand Prix, dessen Anfänge mit den ersten Jahrzehnten im alten Quartier in Filderstadt bis ins Jahr 1978 hinein reichen, das älteste und damit auch traditionsreichste Indoor-Turnier auf der gesamten Frauentour. Große Namen haben hier gewonnen: Martina Navratilova, Pam Shriver, Tracy Austin, Anke Huber, Martina Hingis, Justin Henin, Maria Sharapowa oder Angeliquer Kerber.
Allein 925 661 Euro an Preisgeld plus das Siegerauto, einen Macan Turbo, schüttet der Sponsor Porsche in diesem Jahr wieder an die Spielerinnen aus. Der Autobauer aus Zuffenhausen gilt ohnehin als einer der treuesten und potentesten Partner auf der durch die Women‘s Tennis Association (WTA) organisierten Frauentour.
Gegründet wurde die WTA 1970 als Interessenvertretung der weiblichen Tennisprofis, da es zu dieser Zeit noch erhebliche Unterschiede bei den Preisgeldern zwischen Frauen und Männern gab. Inzwischen richtet sie mit Ausnahme der Grand Slams und des Billie Jean King Cups, vormals Fedcup, sämtliche Turniere des Jahres aus. Und macht vor allem mit der Vergabe des WTA-Finals, das noch bis 2026 im saudi-arabischen Riad stattfinden wird, gut Kasse. Das sorgt auch für interne Kritik: „Wir haben das Frauentennis nicht mit aufgebaut, damit es von Saudi-Arabien ausgenutzt wird“, sagen die Tennisgrößen Martina Navratilova und Chris Evert unisono.
Eva Lys ist beeindruckt
Geht es allerdings um die Struktur und Professionalität, sucht die WTA-Tour im Weltsport der Frauen mit ihrem Hochglanzprodukt ihresgleichen. „Man merkt einfach sofort, wie perfekt hier alles organisiert ist“, sagt Eva Lys, die deutsche Nummer eins, zum Ambiente in Stuttgart, wo die Spielerinnen auch abseits des Courts mit kleinen Geschenken wie Kopfhörern fürs Smartphone verwöhnt werden.
Geht es um die Vermarktung der Turniere, so ist alles perfekt durchgetaktet. „Die Spielerinnen sind stärker gefordert, müssen zahlreiche zusätzliche Aufgaben neben dem Platz erfüllen, zum Beispiel Sponsorentermine wahrnehmen oder für die Medien und Fans da sein“, sagt Anke Huber, die Sportlicher Leiterin des Stuttgarter Turniers. Zudem müssen sie einen Teil ihrer erspielten Gage an die WTA abgeben – und können ihre Teilnahme am jeweiligen Turnier nicht ohne ärztliches Attest oder gar eine medizinische Untersuchung am Spielort absagen; dafür ist der finanzielle Profit gerade der Spielerinnen aus den Top 50 enorm.
So haben seit Gründung der WTA bis heute 24 Spielerinnen mehr als 20 Millionen US-Dollar (circa 17,6 Millionen Euro) allein an Preisgeld verdient. Angeführt wird die Rangliste von den Williams-Schwestern Serena und Venus, die 95 Millionen und 42 Millionen Dollar eingespielt haben. Mit 32 und 29 Millionen US-Dollar liegen Iga Swiatek und Aryna Sabalenka, die beiden Topgesetzten im Stuttgarter Feld, bereits auf den Plätzen neun und zehn der ewigen Rangliste – und haben eine Tennisikone wie Steffi Graf auf Rang 21 längst hinter sich gelassen. Was zeigt, dass die gut geölte Geldmaschine Profi-Frauentennis immer Geld ausspuckt.
Mehr Anteil am Gewinn
Geht es um die vier Grands Slams, die außerhalb der WTA-Tour organisiert sind, gibt es in Geldfragen aktuell allerdings Stress: „Wir machen die Show, wir wollten daher mehr abbekommen. Im Vergleich zur NBA im Basketball oder der NFL im Football erhalten wir prozentual zu wenig vom Gewinn“, sagt Aryna Sabalenka, die aber schon jetzt die Sonnenseiten des Geschäfts – auch am Neckarufer – genießt: Nach Freilos in Runde eins und der verletzungsbedingten Absage ihrer Gegnerin im Achtelfinale wären es für die 26-Jährige nur drei Siege bis zum Titel beim Stuttgarter Tennis Grand Prix, der mit rund 125 000 Euro Preisgeld und einem Siegerauto verbunden ist.