Die Gemeinschaftsschule an der Schickhardtstraße ist der zentrale Standort für die gymnasiale Oberstufe aller acht Gemeinschaftsschulen in Stuttgart. Foto: Lg/Max Kovalenko

Die beiden Schickhardtschulen platzen aus allen Nähten. Nun werden sie erweitert und saniert. Das wirft neue Probleme auf. Und es wird ewig dauern. Ein fast schon exemplarisches Lehrstück.

Es muss etwas getan werden. Das zumindest ist unstrittig. Der Standort an der Schickhardtstraße 30 im Stuttgarter Süden reicht nicht mehr aus für die Anforderungen der 1200 Schüler und Lehrer der Gemeinschaftsschule und des Gymnasiums. Dies sehen auch die Verwaltung und die Stadträte so. Für knapp 80 Millionen Euro wird saniert und umgebaut. Mindestens bis zum Jahr 2031. Wie dies aber umgesetzt wird, darüber ist ein Streit entstanden.

 

Die Zahl der Schüler wächst

Die Gemeinschaftsschule an der Schickhardtstraße ist der zentraler Standort für die gymnasiale Oberstufe aller acht Gemeinschaftsschulen in Stuttgart. Das heißt, wer an einer Gemeinschaftsschule gelernt hat und sein Abitur machen möchte, kann dies im Stuttgarter Süden tun. Künftig sollen dies mehr als 200 Schüler tun. Auch bei den Klassen fünf bis zehn rechnet man mit einem Zuwachs von 100 Schülern.

Nun braucht man dafür kein Abitur haben, um zu merken, der bisherige Platz reicht nicht. Das hat man auch genau ausgerechnet. Laut Modell des Landes braucht eine Schule mit dieser Zahl von Schülern und Klassen bis 6247 Quadratmeter Platz. Inklusive Mensen und Platz für Ganztagsbetreuung. Vorhanden sind 2842 Quadratmeter. Zudem teilen sich die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium Klassenräume.

Mehrere Umzüge sind nötig

Nun ist auch der Fachklassenbau für den Naturkundeunterricht in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Und die Mensa ist als Provisorium in einer kleinen Turnhalle eingerichtet, die Genehmigung dafür gibt es noch bis 1. Januar 2026. Auch dafür braucht es eine Lösung.

Der Plan sieht nun so aus: Bis 2025 wird die Kaufmännische Schule in der Zellerstraße hergerichtet. Dorthin sollen dann die Schüler für diesen Teil des Unterrichts ausweichen. Im Pausenhof der Schickhardtschule wird ein Modulbau mit elf Klassenräumen errichtet. Die ehemalige Heusteigschule wird derweil um einen Neubau mit Mensa, Turnhalle, Hausmeisterwohnung und Inklusionsflächen ergänzt und saniert. Das soll 2027 beginnen, dort sind bisher die unteren Klassen der Gemeinschaftsschule untergebracht. Sie sollen dann in die Zellerstraße ziehen. Wenn alles gut läuft, könnten sie 2031 wieder zurück ziehen. Wenn es gut läuft. Denn das Sanierungsgutachten für die Heusteigschule benennt „zahlreiche Herausforderungen“. Als da wären, den Brandschutz mit dem Denkmalschutz, den technischen Standards für Lüftung und Digitalisierung, dem Klimaschutz und den pädagogischen Anforderungen in Einklang zu bringen. Ganz zu schweigen davon, wie man Handwerker findet und die Planungsprozesse in den Ämtern zügig abwickeln kann.

Kritik vom Bezirksbeirat

Die Bezirksbeiräte im Stuttgarter Süden glauben, dass es länger dauern wird. Sie halten zwar die Sanierung für grundsätzlich dringend geboten. Aber wundern sich, wie ein Schulbetrieb mit zwei Standorten, die zu Fuß 20 Minuten auseinanderliegen, funktionieren soll. Ihrer Meinung nach „scheidet die Nutzung der Zellerstraße in der Sanierungsphase für das Gymnasium in der vorgesehenen Planung grundsätzlich aus, da es als Eliteschule des Sports zwingend auf ausreichend Sportflächen angewiesen ist“. Die Idee, dort ganze Klassen tageweise unterzubringen, sei nur umsetzbar, „wenn die Stadt einen Pendelverkehr organisiert und bezahlt“. Das sei bisher abgelehnt worden.

Probleme mit der Mensa

Auch der Modulbau im Pausenhof „über mehr als eine Schülergeneration ist weder zumutbar noch umsetzbar“. Da beide Schulen über wenig Außenflächen und keine Gemeinschaftsräume im Inneren verfügen, was eigentlich bei der Genehmigung der Gemeinschaftsschule Grundvoraussetzung hätte sein müssen. Dass die Genehmigung für die Interimsmensa in der Sporthalle auslaufe und nicht verlängert werden könne, müsse zwingend zu einer Neuplanung der Mensa führen. Und zwar während der geplanten Sanierung, nicht danach.

Die Bezirksbeiräte fürchten, dass selbst nach der Sanierung eine Perspektive am Standort Schickhardtstraße fehlt. Nur eine der beiden Schulen könne dort befriedigend beherbergt werden. Das Schulverwaltungsamt und das Hochbauamt sehen dies anders. Mit der Sanierung werde die Voraussetzung für eine zukunftsorientierte Entwicklung der beiden Schulen an der Schickhardtstraße geschaffen. Zudem werde an der Heusteigstraße ein weiterer Standort unter modernen Zielsetzungen entwickelt. Die Bezirksbeiräte hingegen glauben, dass „diese extrem herausfordernde Sanierung beide Schulen an ihre existenziellen Grenzen bringen wird“.