Randi Bubat und ihr Mann Wolfgang Dauner (rechts) vor ihrem Porträt von Jan Peter Tripp (links) Foto: Galerie Valentien

An der Seite von Liebesgöttin Venus hängt sie in der Stuttgarter Galerie Valentien: Stylistin Randi Bubat, Muse einer Jazz-Legende, lud zur frivolen Inszenierung ihres Geburtstages ein – dessen Jahreszahl war das einzige Tabu.

Stuttgart - Vor langer, langer Zeit, als Events noch Hochzeit, Beerdigung, Sause oder Tanztee hießen, wollte das Stuttgarter Ballett aushäusig werden. Im Auftrag von Choreograf William Forsythe suchte die Bühnenbildnerin Randi Bubat einen Ort abseits der Oper, wo sich Publikum und Künstler ohne althergebrachte Trennung von oben und unten vermischen konnten. Sie wurde im Wagenburgtunnel fündig. Dort entdeckte sie neben der Autoröhre einen vergessenen Stollen. Dessen Wände ließ man zubetonieren – und feierte ein „Event“, wie auf Plakaten stand.

Es war das Jahr 1979. Kaum einer wusste in Deutschland, was das ist, ein Event. Randi Bubat, damals Anfang 30, führte vor, wie zukunftweisend so was Englisches sein kann – „erlebnisorientiert“, wie man sagte.

Verführerische Reize

Etliche erlebnisreiche Jahre später, also jetzt erst gerade, hat die Künstlerin mit dem stets von einem Turban zurückgehaltenen Langhaar in die Galerie Valentien eingeladen – zu einem erotischen . . . ja wie sagt man nun dazu? Längst wird das Wort „Event“ inflationär verwendet und klingt überholt. Kurz und gut: Randi Bubat, die Ehefrau und Muse von Jazz-Legende Wolfgang Dauner, feiert Geburtstag. was ein guter Vorwand ist, um die lüsternen Vorgaben der Schau „Wacher Blick“ fortzuführen. Ausgestellt sind bis zum 28. Oktober verführerische Reize, die auf den Mittelalter-Maler Lukas Cranach zurückgehen, der bis heute Künstler wie Jan Peter Tripp zum Nacheifern anregt.

Nur ein Tabu gilt an diesem Tag. Partout will das Geburtstagskind sein Alter nicht verraten. Für ihre 80 Gäste, darunter OB Fritz Kuhn, dessen Frau Waltraud Ulshöfer, Staatsgalerie-Direktorin Christiane Lange, Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski, Bestseller-Autor Wolfgang Schorlau, MdB Karin Maag, Jazz-Open-Veranstalter Jürgen Schlensog und Fanta-Schlagzeuger Florian Dauner, schmückt Randi Bubat die Tische mit prall blühenden Anthurien, mit ihrer Lieblingsblume. Die wecken in ihr die pure Leidenschaft: „Jungfräulich in Rosa, zartgliedrig durchzogen von feinen Adern des Geschlechts, aufrechter Fruchtknoten – es ist die frivolste Blume, die ich kenne!“

Dieses Ambiente sowie von ihr mit Hand beschriebene Blätter zum ewigen Thema Erotik sollen klarmachen, dass es hier um Liebe, Lust und Lebensfreunde geht, um Dinge also, die viel wichtiger als Jahrgänge sind, wie die Stylistin zu Recht feststellt.

„Event“ 1979 in der Röhre

Weil Tripp sein Porträt von der Bubat präsentierte und Ehemann Wolfgang Dauner eine musikalische Liebeserklärung für sie in Form einer Komposition uraufführt, könnte man glauben, eine runde Zahl werde gefeiert. Doch die hat die Künstlerin, die als Fotografin anfing und über Jahre Dozentin für „visuelles ästhetisches Kommunikationsdesign, inszenierte Fotografie“ in Würzburg war, knapp verfehlt.

Das „Event“ von 1979 im Wagenburgtunnel war im Leben der Künstlerin prägend. Sie wollte nämlich dafür den großen Wolfgang Dauner als musikalischen Leiter gewinnen. Doch der sagte ab. Er könne sich nicht „verzetteln“. Als er 1983, nach einer Theaterpremiere von ihr, mit der Bühnenbildnerin essen gehen wollte, gab sie ihm erst mal einen Korb. Sie zog Einladungen von anderen Männern vor.

Als „Daunerbubat“ eine feste Größe im Kulturleben

Am Ende haben die beiden zusammengefunden und sind seit Jahrzehnten als „Daunerbubat“, wie Künstler Tripp das Paar bezeichnet, ein Bestandteil des Stuttgarter Kulturlebens. Männer machen aus ihren Jahrgängen selten ein Geheimnis. Tripp ist Jahrgang 1945, Dauner Jahrgang 1935 – sie sind seit 50 Jahren befreundet. Als die Randi den Wolfgang in den 1980ern „zum ersten Mal aus ihrem stylistischen Würgegriff entließ“, wie es Tripp ausdrückte, hätten sich die Freunde gefragt, „in welchen Taifun der Wolfgang da geraten ist“. Plötzlich habe dieser kein schulterlanges „Azteken-Haar“ getragen, sondern ein Zöpfchen und habe für handgefertige Boxershorts geschwärmt.

In der Galerie Valentien sind mit dem Bildnis der Bubat Tripps Antworten auf Cranachs Werke ausgestellt – viel nackte Haut. Venus und der Amorknabe sehen bei ihm zeitgemäß aus. Der Maler des Mittelalters versah bei seinen sinnlichen Darstellungen die Gesichter der Frauen oft mit der Warnung, sich den gezeigten Reizen nicht hinzugeben. Wie schon Picasso schöpft auch Tripp Fantasien aus Cranachs Akten.

Der „Taifun“ kann auch mal stille sein

Aber klar, die Bubat ist auf ihrem Bild angezogen – wie immer trägt sie ein Turbantuch, das die Haare zurückhält und das Gesicht lesbarer macht. Still und nachdenklich sieht der „Taifun“ bei Tripp aus – nicht so laut und turbulent, wie man Randi kennt.

Es sei falsch, dass sie daheim immer das große Wort führt, erfahren wir. „Der Wolfgang ist sehr humorvoll, macht gern Witze, die ich nicht verstehe“, verrät sie.

Dank Jan Peter Tripp wissen wir nun, woher der Name des Pianisten kommt – aus dem Englischen. Es ist die Steigerung von down – downer!

Künstler, die Späße lieben, daunern meist am schönsten – ob mit oder ohne Event.

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