Wer nimmt die Stadtbahn? Wer setzt sich ins Auto? Das und vieles andere will die Stadt mit einer Umfrage bei den Haushalten erheben lassen. Foto: Horst Rudel

Auch in diesem Jahr sind wieder 1100 Haushalte in Stuttgart dran. Sie sollen Hinweise liefern, wie ihre Mitglieder ihre Wege zurücklegen. Die SSB und die Stadtspitze versprechen sich viel davon. Unklar ist nur noch, wann die Öffentlichkeit Ergebnisse erfährt.

Stuttgart - Mobilitätsumfrage, nächster Teil: Wie schon 2017 und 2018 sollen auch in diesem Jahr wieder rund 1100 Stuttgarter Haushalte mithelfen, die Verhältnisse im öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern. Deshalb hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) soeben die nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Haushalte angeschrieben und um Unterstützung geworben. Dem Brief folgten jeweils mehrere Fragebogen, in denen die Haushaltsmitglieder Aufschluss über ihre Wegstrecken an einem einzigen Tag geben sollen. Dabei geht es im Grunde darum, wer an einem bestimmten Tag wohin fährt – und aus welchem Grund. Ob er zu Fuß ging oder Fahrrad, Moped, Auto, Bus, Stadtbahn, S-Bahn oder Regionalbahn benützte. Wissen wollen das die Stuttgarter Straßenbahnen AG und das Nürnberger Unternehmen PB Consult, Arbeitsgruppe „Stadtprofil Stuttgart“, die mit der Umsetzung betraut ist. Die Teilnahme ist natürlich anonym und freiwillig, wird in den Unterlagen versichert, aber dort heißt es auch: „Der Erfolg der Untersuchungen hängt entscheidend davon ab, dass möglichst alle Haushalte und Personen antworten.“

OB erhofft sich Erkenntnisse für Aktionsplan

So detailliert das Erkenntnisinteresse ist, so unbestimmt ist offenbar, was die Mobilitätsumfrage bis zu welchem Zeitpunkt erbringen soll. Die Studie befinde sich „erst in ihrem zweiten Jahr, sie ist langfristig und dauerhaft angelegt“, erklärte SSB-Sprecherin Birte Schaper auf Nachfrage. Jährlich nähmen rund 1100 Haushalte daran teil. Bisherige Ergebnisse könne man noch nicht vermelden. Wann die Mobilitätsumfrage abgeschlossen werden soll, stehe auch noch nicht fest.

Begonnen haben die Erhebungen im März 2017, und es dauert mindestens zwei Jahre, sagen die Experten, dass man erstmals größeren Nutzen aus den Daten ziehen und sie auf Veränderungen prüfen kann. Da man versucht, über das Jahr hinweg täglich etwa gleich viele Haushalte anzuschreiben, sollte sich ein Bild des ganzjährigen Verkehrsverhaltens in Stuttgart ergeben, also nicht nur eines saisonalen Verhaltens. Der Rücklauf der Fragebogen beträgt ungefähr 40 Prozent, was deutlich mehr ist, als bei manchen bundesweiten Umfragen dieser Art.

Auch in türkischer und englischer Sprache gibt es Unterlagen

Der Aufwand von PB Consult und den beteiligten Stellen in Stuttgart für die Kommunikation ist entsprechend hoch. Erst kündigt der OB die Unterlagen an, eine Woche später treffen sie bei den Haushalten ein. PB Consult versucht aber auch noch telefonisch Kontakt herzustellen, Fragen zu klären und den Datenschutz zu erläutern. Wer will, kann die Unterlagen noch in türkischer oder englischer Sprache anfordern. Der Auftrag läuft zunächst einmal bis zum Ende des ersten Quartals 2020. Ob und wie es dann weiter geht, ist noch offen.

Der OB hat die Erwartung, dass die Erfahrungsberichte dazu beitragen, „den Aktionsplan Nachhaltig mobil in Stuttgart weiterzuentwickeln. Das ist der im Jahr 2013 beschlossene Plan, mehr Lebensqualität in Stuttgart herbeizuführen und dafür die Zahl der konventionell – also nicht mit Strom und Elektromotor angetriebenen – Fahrzeuge im Stadtkessel um 20 Prozent zu verringern. Dafür will man Kfz-Verkehr vermeiden, verlagern sowie umweltverträglich steuern und gestalten. Aus den Daten möchte man herausfiltrieren, welche Ansätze es gibt, die Wahl der Verkehrsmittel in Richtung Verringerung der Kfz-Zahl günstig zu beeinflussen.

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