Stuttgarter Städtepartnerschaften Von Mensch zu Mensch

Von Jan Sellner 

Auf der Königstraße erinnert dieses Mosaik an die zehn Stuttgarter Städtepartnerschaften. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Auf der Königstraße erinnert dieses Mosaik an die zehn Stuttgarter Städtepartnerschaften. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

2018 ist das Jahr der Städtepartnerschaften. In Stuttgart stehen gleich drei Jubiläen an. Wie feiern? Bitte groß!, findet Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - Wer das Stuttgarter Rathaus durch den Haupteingang betritt, macht nach wenigen Schritten Bekanntschaft mit einer anderen Welt. Nicht weil die Stadtverwaltung mit ihren rund 11 000 Beschäftigten einen eigenen Kosmos darstellen würde. Die Ferne begegnet einem vielmehr in Gestalt von Namen und Wappen der zehn Städte, mit denen Stuttgart Partnerschaften unterhält. Bevor Sie weiterlesen, die Eine-Million-Euro-Frage: Wissen Sie, welche zehn Städte das sind? Auflösung folgt – allerdings erst später.

Zuerst einmal ist festzuhalten: Das Jahr 2018 ist ein Jahr der Städtepartnerschaften. Es gibt einiges zu feiern: Vor 70 Jahren begründete Stuttgart mit St. Helens (England) seine erste Städtepartnerschaft. Ein Jubiläum steht auch in der Partnerschaft mit der indischen Millionen-Metropole Mumbai, vormals Bombay, an: Seit einem halben Jahrhundert pflegen die beiden Städte diesen Kontakt.

Eine kommunale Friedensbewegung

Die dritte Stadt im Jubiläumsreigen ist Lodz in Polen; 30 Jahre ist diese Städtepartnerschaft alt. Geschlossen wurde sie in der Endphase des Kalten Krieges. Das zeigt, wie wegweisend Partnerschaften auf kommunaler Ebene sein können. Schlicht dadurch, dass sich Menschen, die in verschiedenen Welten beheimatet sind und in unterschiedlichen Systemen und Zusammenhängen leben, kennen- und verstehen lernen. Von Mensch zu Mensch. Diese Überlegung stand auch am Beginn der Städtepartnerschaftsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Kommunen gingen auf dem Weg der Versöhnung voran, die große Politik folgte. Stuttgart war vorne mit dabei; es zählte zu den Pionieren dieser kommunalen Friedensbewegung. Und es sollte auch in Zukunft vorne mit dabeibleiben.

Beispielhafte Kontakte der Schulen

Wichtig ist, dass Städtepartnerschaften nicht nur auf dem Papier oder an der Wand im Rathaus stehen, sondern gelebt und belebt werden. Deshalb ist es zu begrüßen, dass es nächste Woche einen Städtepartnerschaftstag auf der CMT gibt und im Juni eine Europameisterschaft der Tramfahrer in Stuttgart und im September einen Auftritt des Mumbaier Symphonieorchesters und vieles andere mehr.

Ermutigend sind Kontakte, die über den Tag hinaus reichen – besonders die der Schulen wie dem Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, das jährlich eine Schülergruppe nach Mumbai entsendet und umgekehrt indische Schüler empfängt. Beispielhaft ist der Förderverein Schulpartnerschaften, der Kontakte nach Brünn vermittelt. Es zeigt sich: Wer an Austausch interessiert ist, findet viele Möglichkeiten. Sie müssen intensiv beworben werden – auch jenseits der Gymnasien.

Bleibt die Auflösung der Eingangsfrage: Stuttgarts zehn Partnerstädte liegen auf vier Kontinenten. Es sind: St. Helens/England (seit 1948), Cardiff/Wales (seit 1955), St. Louis, Missouri/USA (seit 1960), Straßburg/Frankreich (seit 1962), Mumbai/Indien (seit 1968), Menzel Bourguiba/Tunesien (seit 1971), Kairo/Ägypten (seit 1979), Lodz/Polen (seit 1988), Brünn/Tschechien (seit 1989), Samara/Russische Föderation (1992). Da fällt auf: Seit 26 Jahren ist keine neue Stadt dazugekommen. Das wirft die nächste Frage auf: Warum eigentlich nicht?

jan.sellner@stzn.de

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