Vor dem Opernhaus am Eckensee bleibt dieses Jahr alles beim alten. Ansonsten müssen sich die Stammgäste umgewöhnen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die weißen Zelte kommen! Von Donnerstag an wird bei hoffentlich gutem Wetter vier Tage lang in der Stuttgarter Innenstadt rund um den Eckensee und auf dem Schlossplatz gefeiert. Drei neue Wirte sind dabei, eine Bühne fällt weg.

Stuttgart - Die Stammgäste, und das sind viele, werden sich bei der 27. Auflage des Sommerfests umgewöhnen müssen. Dieses Jahr steht auf dem Schlossplatz und beim Eckensee ein Wechselspiel an. Renommierte Wirte setzen aus oder hören ganz auf, andere verkleinern sich und ziehen um. Dabei setzt sich die Tendenz der vergangenen Jahre fort: Die angestammten Gastronomen der Stadt ziehen sich mehr und mehr zurück, dafür präsentieren sich Caterer aus der Region.

Das muss für sich genommen nicht schlecht sein, nimmt dem Fest aber einen Teil seines Charakters. Viele Besucher gehen gezielt zu „ihrem“ Wirt, den sie meist seit vielen Jahren und gern auch persönlich kennen. Steigt ein Caterer ein, ist der Bezug weit weniger individuell. Beim Stadtfest kommt somit heuer auf die Teller, was es vor wenigen Tagen auch schon beim Solitude-Revival oder am Rand der CSD-Parade gab.

Konkret sind drei neue Gastronomen mit an Bord. An der Längsseite des Eckensees wird das Restaurant Sardegna die Gäste bewirten. Die Feuerbacher Sarden – das Ecklokal ist an der Siemensstraße unterhalb des Pragsattels – haben etliche Vorgänger. Der Platz mit überwiegend Laufpublikum scheint trotz des schönen Blicks schwer zu bespielen zu sein.

Burger im schockfarbenen Rote-Bete-Brötchen

Neu dabei ist das CBC aus Fellbach, das neben seinem Stammsitz weitere Lokale in Waiblingen und im SI-Centrum betreibt wie auch den Biergarten auf dem Korber Kopf. Sie setzen auf ihren Spezial-Burger mit Patty aus Büffelfleisch im – schockfarbenen – Rote-Bete-Brötchen. Die Fellbacher Caterer werden ihren Stand vor dem Kunstgebäude haben, wo voriges Jahr das Deli-Team seinen Einstand gab. Die Wirte an dieser Stelle sind auch mit für die Bühne vis-à-vis verantwortlich.

Der dritte Neuzugang ist Herr Kächele mit seinen Maultaschen, die zum Fest auch als Edelversion mit Steinpilzfüllung und Trüffelsoße angeboten werden. Herr Kächele wird Birgit Grupp ablösen, die das schöne und immer gut besuchte Brunnerz-Zelt abgegeben hat. „Ich bin traurig – und meine Stammgäste genauso“, sagt die Chefin im Stadtbesen und im Paulaner, die auch den Andechser in Göppingen betreibt. Das Fest habe sich einfach nicht gerechnet. „Ich hatte vier Nächte lang nur zwei, drei Stunden Schlaf – und hab dann auch noch draufgelegt.“

Conny Weitmann zieht mit einem kleineren Stand um

Ein markanter Wechsel vollzieht sich direkt vor dem Neuen Schloss. Nach 20 Jahren am selben Ort wird Conny Weitmann mit ihrem Zelt an die Königstraße umziehen. Die Festwirtin ist seit dem Start 1991 dabei, sie war die ersten Jahre an der Bolzstraße. „Irgendwann ist Zeit für Veränderung, sprich: für Verkleinerung“, sagt sie. Eigentlich wollte sie schon nach 25 Festjahren aufhören, „aber ich kann’s eben doch nicht lassen“.

Sie führt als Gründe für diesen Schritt die hohen Kosten aber auch die prekäre Personalsituation an. Jetzt hat sich die Fläche halbiert und damit die Mitarbeiterzahl – es sind noch knapp 30 –, und auch das eigene Musikprogramm ist gestrichen. Vor dem Neuen Schloss wird dieses Jahr Heilrings Restaurant im Paladion aus Böblingen seine Rückkehr aufs Sommerfest feiern, daneben wird das Restaurant Le Pastis ein weiteres Zelt aufbauen.

Der Bühnenplatz vor dem Schauspielhaus fällt weg

Die gravierendste Veränderung erwartet die Musikfans im hinteren Schlossgarten. Frank und Gaby Schäfer von der Tauberquelle wollen dieses Jahr pausieren. Damit fällt allerdings auch der große und eher abgelegene Platz vor dem Schauspielhaus samt der fünften Bühne komplett weg. „Das ist schade“, sagt Frank Schäfer, der sich diesen Sommer auf die Tauberquelle konzentriert, die anders als sonst die nächsten Tage geöffnet ist. Schäfer plant, 2018 wieder unter die Festwirte zu gehen, tendenziell aber an einem anderen Standort.

Bleiben also dieses Jahr vier Bühnen und ein Musikprogramm von 100 statt 120 Stunden, wie der Veranstalter, die städtische Tochter in.Stuttgart, vorrechnet. Rechtzeitig zum Start am Donnerstag sprudeln die Brunnen wieder – und die Wetterfrösche sagen ein recht stabiles Hoch voraus. Und wie sagte der Chef Andreas Kroll am Dienstag bei der Vorstellung des Programms? „Der ein oder andere Wechsel hält das Fest frisch und jung.“

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