Im Hallschlag wird ein Mehrgenerationenhaus gebaut. Foto: Von Ey Architektur, Berlin

Auf dem Hallschlag entstehen 18 Wohnungen für ältere und pflegebedürftige Menschen. Das Berliner Büro Von Ey Architektur ist für seinen Entwurf beim Planungswettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden und soll die Bauplanung übernehmen.

Stuttgart - Am Römerkastell 69 waren bisher eine Flüchtlingsunterkunft und ein Penny-Markt eingerichtet. Das Gebäude ist abgerissen, nun suchen die Archäologen noch bis Ende des Jahres nach Überresten römischen Lebens am Neckar.

Wenn alles nach Plan läuft, „können wir im Frühjahr 2015 mit dem Bau beginnen und das Haus Ende 2016 beziehen“, sagte Baubürgermeister Matthias Hahn am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Dort stellte Hahn das Siegerteam des europaweiten nichtoffenen Planungswettbewerbs vor. „Die Frage war: Was fügt sich am besten ein?“, so Hahn. Das Büro Von Ey Architektur aus Berlin hat diese Aufgabe nach übereinstimmender Meinung der Jury am besten gelöst und ist mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Einig sei man sich auch darin gewesen, das Projekt mit diesen Architekten weiterzu­verfolgen. Mit großer Wahrscheinlichkeit könne die städtische Wohnbaugesellschaft SWSG „innerhalb des geltenden Baurechts“ bauen.

Bauwerk mit "monolithischer Wirkung"

Gewünscht ist ein sogenanntes Mehrgenerationenhaus. Die Architekten Von Ey haben ein klares Bauwerk entworfen, „das seine monolithische Wirkung“ behalten soll, sagte Volker Trostdorf vom Preisgericht. Dach- und Zeilenform würden sich an die Bauweise des Gesamtensembles anlehnen. Auf Dachgauben habe man deshalb verzichtet, erläuterte Architekt Ulrich von Ey. Licht fällt stattdessen durch Dachflächenfenster ins Obergeschoss.

Die Außenhaut sei, so Ulrich von Ey, mit geschlämmtem Klinker gestaltet werden, was allerdings noch eine Kostenfrage aufwerfe. Eine Lochfassade ermöglicht für jede Wohnung eine Loggia statt eines Balkons, Solartechnik für die Warmwassererzeugung ist vorgesehen. Im Erdgeschoss werden die Sozialträger Arbeiterwohlfahrt und Sozialberatung Stuttgart einen Mittagstisch anbieten, die Stadtteilbibliothek zieht ein, ein Medien- und Gruppenraum des Familienzentrums Kinderhaus Hallschlag und eine Anlaufstelle für Vereine und Ehrenamtliche sind geplant. Ein Café mit Gartenterrasse zum Innenhof soll Gäste ins Haus holen.

In den drei darüber liegenden Stockwerken entstehen barrierefreie, teils auch rollstuhlgerechte Sozialwohnungen für Senioren, im Dachgeschoss zieht eine Pflegewohngemeinschaft ein, der eine Dachterrasse zur Verfügung steht. Zwei Drittel der insgesamt 18 Wohnungen haben ein Zimmer und eine Fläche von 45 Quadratmetern, ein Drittel sind 60 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnungen. Wie Projektleiterin Ulrike Bachir am Mittwoch sagte, sei „die Nachfrage nach diesen Wohnungen sehr groß“, Anfragen kämen vor allem aus dem Hallschlag.

Zehn Millionen Euro für den Hallschlag

3,5 Millionen Euro wird der Bau kosten, rund 500 000 Euro sind für den Abbruch und die archäologischen Grabungen bereits ausgegeben, die Wettbewerbskosten hat die Verwaltung aus den Mitteln für das Programm Soziale Stadt beglichen. Für den Hallschlag stehen insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung. Auch der Bau des Erdgeschosses für die Stadtteilangebote kann zu 30 Prozent daraus finanziert werden.

Das Projekt mit einer Grundfläche von 550 Quadratmetern entsteht an einer Stelle, wo im Jahr 90 nach Christus ein römisches Kastell für 480 Reiter und 544 Pferde gebaut worden war, was der Straße bis heute ihren Namen gab. 1908 musste die alte Reiterkaserne den Gleisen des neuen Hauptbahnhofs Platz machen. Als Ausweichquartier wählte man das Areal des ehemaligen römischen Kastells. 1997 wurde das Gelände für Wohnungen, soziale Einrichtungen und Medienschaffende frei.

Alle Entwürfe, auch die der Mitbewerber, werden im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, Eberhardstraße 10, vom 10. bis zum 30. April werktags von 9 bis 18 Uhr gezeigt. Der Siegerentwurf wird am Freitag, 11. April, um 18 Uhr im Café Nachbar, Am Römerkastell 73, ausgestellt.

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