Die Stadtbahn rauscht direkt neben den Häusern der Polizeisiedlung vorbei. Foto: Sandra Hintermayr

Stadtbahnen rauschen auf einer notdürftig abgezäunten Trasse an Fußgängern vorbei, und für die Vorfahrt mit dem Auto bleibt kaum Platz: Die Bewohner der Polizeisiedlung bei Stuttgart-Kaltental möchten die Gleise verlegt haben. Jetzt wird das genauer geprüft.

Stuttgart - Die Bewohner der Polizeisiedlung bei Kaltental haben ein bisschen Zeit gewonnen für ihr Ziel, die Stadtbahntrasse weiter von ihren Häusern wegzulegen.

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) wird nun nicht im Herbst die Gleise auf der bisherigen Trasse sanieren, was auf Jahre hinaus vollendete Tatsachen geschaffen hätte. Am Dienstag willigte die SSB im Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik ein, mit der Maßnahme noch zu warten. Das ermöglicht es der Stadtverwaltung und den Stadträten, im Herbst oder spätestens im Frühjahr 2017 über das weitere Vorgehen zu entscheiden – und zwar auf der Grundlage einer aktualisierten Kostenschätzung.

Kaum staatliche Zuschüsse zu erwarten

Zehn Jahre könne man mit der Gleissanierung sicherlich nicht mehr warten, sagte der Vertreter der SSB, aber für den jetzt angepeilten Zeitraum könne man die Entscheidung noch offen lassen. Die SSB lassen allerdings auch keinen Zweifel daran, dass sie die Verlegung nicht bezahlen wollen – und dass der Aufwand in die Millionen gehen dürfte.

Bisher gebe es keine aktualisierte Kostenschätzung, sagte Arne Seyboth vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung unserer Zeitung. Man weiß nicht, was die Maßnahme unterm Strich kosten würde, wenn die ohnehin entstehenden Kosten der SSB für die Sanierung des Gleisbetts auf der bisherigen Trasse abgezogen sind – und ob man noch Zuschüsse gegenrechnen kann. Aus dem Topf des sogenannten Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetzes könne man sich kaum etwas erwarten, meinte Seyboth. Zu prüfen wäre, ob sich die Maßnahmen mit einem städtebaulichen Sanierungsverfahren in Kaltental verknüpfen und so staatliche Zuschüsse erzielen ließen.

Stadtbahnen brausen mit Tempo 70 vorbei

Die Bewohner der Polizeisiedlung wünschen sich seit Jahrzehnten mehr Lärmschutz und mehr Sicherheit für Passanten und spielende Kinder. Denn die Bahnen rauschen mit Tempo 70 auf ihrer kaum abgezäunten Trasse an einem Weg vorbei.

Der wird von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern bei der Vorfahrt zu den Häusern benützt. Die Lösung würde so aussehen, dass das bisher westliche, stadtauswärts befahrene Gleis auf eine Spur der Straße zwischen Kaltental und Südheim verlegt wird und die Stadtbahnen darauf dann stadteinwärts fahren. Damit würde im Umfeld der Häuser Platz gewonnen für eine breitere Mischfläche für Autos, Fußgänger und Radfahrer. Man könne sich dann auch vorstellen, dass eine niedrige Lärmschutzwand den von den Rädern der Stadtbahnen ausgehenden Schall abfängt, meinte Seyboth, und dass auf der Seite zur Siedlung hin Büsche das Erscheinungsbild aufhübschen.

Tiefbauamt und SSB müssen rechnen

Die Aktualisierung der Kosten fällt in die Zuständigkeit von Tiefbauamt und SSB. Danach ist ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderats nötig, der dann vielleicht im städtischen Doppelhaushalt 2018/2019 Folgen hat. Drei oder vier Jahre könnten bis zu der Umsetzung also schon noch ins Land gehen – falls die Entscheidung zu Gunsten der Verlegung ausfällt. Manche im Gemeinderat haben Sympathien dafür. Wie die Entscheidung ausfallen wird, ist aber offen.

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