Die Umwelt zu schützen, das haben sich alle auf die Fahne geschrieben. Doch wie kann man diesen Anspruch erfüllen? Der MTV Stuttgart hat sich nun prüfen lassen.
Stuttgart - Fußabdrücke, das waren früher ganz harmlose Spuren, die man im Sand hinterließ. Heutzutage ist so ein Abdruck was Böses, er wiegt erdenschwer auf dem Planeten. Wir Deutschen leben auf großem Fuß, jeder von uns benötigt fünf Hektar, um die Rohstoffe und Energien herzustellen, die wir im Alltag verbrauchen. Würde jeder so leben wie wir, bräuchten wir 2,6 Erden.
Der größte Sportverein der Stadt
Das zu ändern, hat sich auch der MTV Stuttgart auf die Fahnen geschrieben. Der Verein mit seinen 8700 Mitgliedern hat 28 Abteilungen, 46 hauptamtliche Mitarbeiter, 80 Minijobber und 200 lizenzierte Übungsleiter, ist mithin der größte Sportanbieter der Stadt. „Wir haben einen sozialen Auftrag“, sagt Daniel Wall-Massetti, einer der drei Geschäftsführer, und zu dem zähle auch, die Umwelt zu schützen. „Den MTV gibt es seit 178 Jahren“, sagt sein Kollege Peter Kolb, „und in 178 Jahren soll es den MTV auch noch geben können. Und wir wollen unseren Teil dazu beitragen.“ Doch wie das anstellen? Schließlich hat der Sportverein ja auch zunächst und in erster Linie den Auftrag, seinen Mitgliedern Sportkurse und -angebote zu machen, die diese nutzen und schätzen. Dazu zählt nicht zuletzt regelmäßiges Training in einer beheizten Halle oder einem Fitnessstudio, Schwimmen lernen im kalten Wasser funktioniert auch nicht so gut, und nach dem Sport wären warme Duschen auch ganz schön.
Wie kann man Emissionen sparen?
So war es auch nicht überraschend, dass die Firma Fokus Zukunft beim Durchleuchten des MTV Stuttgart festgestellt hat, dass die meisten Emissionen beim Heizen verursacht werden. 2019, also noch vor Corona, verursachte der MTV 419 Tonnen Kohlendioxid. 310 Tonnen verursachte der Wärmeverbrauch, drei Tonnen der Kraftstoffverbrauch. 105 Tonnen kommen zusammen durch Arbeitswege der Mitarbeiter, Wasserverbrauch, Abfall, Papierverbrauch, die Computer, Geschäftsreisen, die Energie, die die Produktion von eingekauften Gütern und Waren bedurfte.
Was ist mit dem Strom?
Den Strom bezieht der MTV von den Stadtwerken, es ist Ökostrom, deshalb war da die Bilanz schon ausgeglichen. Den anderen Punkten widmete man sich in diesem Jahr. So wird das Mitgliedermagazin auf Recyclingpapier gedruckt, bei Speisen und Getränken bei Spielen und Veranstaltungen will man keine Einwegverpackungen mehr anbieten, ein Job-Rad-Modell bietet man an, hat ein Elektroauto angeschafft.
Den größten Batzen bildet aber der Betrieb der Sportanlagen: Das sind zwei große Sporthallen, vier Gymnastikräume, drei Rasenplätze, zwei Hartplätze, zwei Gaststätten, ein beheiztes Freibad. Da kann man nicht einfach das Gas abdrehen. Gerade in Coronazeiten, wenn eifrig gelüftet werden muss. LED-Beleuchtung in fast allen Hallen, Fotovoltaik auf dem Dach, das hat man bereits getan. Neue Brennwertkessel allerdings baut man nicht auf die Schnelle ein.
Was geschieht mit dem Neubau?
Beim mit 8,1 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Vereinsgelände hat man die neuesten Erkenntnisse mit eingeplant, beim Bestand allerdings muss man anders vorgehen. Da hat der Verein für 6000 Euro Zertifikate gekauft. Für den Schutz des Waldes in Brasilien und ein Kochofenprojekt in Honduras. Durch die Zertifikate gleicht der Vereine die eigenen Emissionen aus, dort wird in dem Maße Kohlendioxid gespart, wie der MTV verursacht. Kolb: „Wir haben uns schon auch gefragt, ist das Ablasshandel?“ Aber es helfe dort der Bevölkerung und schon insgesamt der Umwelt. So darf sich der MTV nun offiziell als klimaneutral bezeichnen.
Prüfen lassen hat der MTV aber nur sich selbst. Die Mitglieder und auch die Energiebilanz der rund 30 weiteren, meist städtischen Sportanlagen, die man nutzt, tauchen nicht auf. Fürs eine ist die Stadt zuständig, und etwa die Wege der Mitglieder zu erfassen, sei nahezu unmöglich. Hier bleibt vorerst nur der Appell an die Mitglieder, doch mit Bus und Bahn zum Sport zu kommen.