Die in Stuttgart aufgewachsene Schauspielerin Odine Johne spielt gerne Frauen mit einem Geheimnis. Im ARD-Thriller „Mordlichter“ kommt sie nun in der Rolle der Journalistin Johanna einem Familiengeheimnis auf die Spur.
Satt-grüne Wiesen, schroffe Felsen und der wilde Ozean erwarten die Journalistin Johanna, als sie nach vielen Jahren zu ihrem Geburtsort auf die Färöer-Inseln zurückkehrt. Direkt nach ihrer Ankunft trifft sie dort auf Grindwal-Jäger, die ein totes Tier zu einem Transporter schleppen und auf eine Gruppe von Tierschützern, die das blutige Abschlachten der Tiere anprangern. Als Johanna zufällig einen der Aktivisten tot auffindet, wird sie in die Konflikte des Ortes unweigerlich hineingezogen und stößt dabei auf ein dunkles Geheimnis in ihrer eigenen Familie. „Ich finde es spannend, eine Figur zu spielen, die eigentlich alles weiß, aber sich nicht erinnern kann“, sagt Schauspielerin Odine Johne, die in dem ARD-Thriller „Mordlichter – Tod auf den Färöer-Inseln“ die Hauptrolle der Johanna spielt. Dieser Aspekt habe sie an der Rolle gereizt, ebenso wie der ungewöhnliche Drehort auf den Färöer-Inseln.
Die eigenwillig-schöne Landschaft der dünn besiedelten, autonomen Inselgruppe zwischen Schottland, Norwegen und Island prägt die Stimmung des Films. „Diese Inseln sehen aus, als hätte ein Riese Felsen ins Meer geworfen. Ich wollte dort unbedingt hinreisen“, sagt die 38-Jährige. Der Film thematisiert jedoch auch den Konflikt zwischen Tierschutz und Tradition, ohne zu urteilen. Die Schauspielerin revidierte ihre Ansichten, als sie mit den Bewohnern und Bewohnerinnen der Inseln ins Gespräch kam. „Natürlich wäre es mir lieber, diese Tiere würden nicht getötet werden“, betont sie. Delfine – und Grindwale gehören zur Familie der Delfine – seien ihre Lieblingstiere und die Bilder des Abschlachtens schwer erträglich. „Andererseits sind sie nicht vom Aussterben bedroht und haben bis dahin ein schönes Leben gehabt, was man von den Tieren, die bei uns in Massentierhaltungen leben müssen, nicht behaupten kann“, sagt sie.
Um die Gegend besser kennenzulernen, unternahm sie eine eintägige Wanderung durch die wilde Natur der Färöer-Inseln. „Es war so neblig, dass ich die Hand vor meinen Augen kaum mehr sehen konnte. Das war mystisch und auch unheimlich. Eine halbe Stunde später war der Himmel wieder blau, weil der Wind alles weggepustet hatte“, erinnert sich Odine Johne. Auch ihre Figur Johanna ist in einer Szene der Natur völlig ausgeliefert. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, dort aufzuwachsen und immer mit diesen Wetterschwankungen und der Natur um sich herum konfrontiert zu sein.“
Sie selbst wuchs im Stuttgarter Stadtteil Heslach auf und verbindet damit eine schöne Kindheit. Sie erinnert sich an das Spielen im Wald und in Höhlen, war in der Siedlung Ziegelklinge unterwegs und oft in der Jugendfarm Kaltental. „Wir waren in der Großstadt und doch war es auch dörflich. Ich kannte gefühlt meine ganze Nachbarschaft“, sagt sie mit einem warmen Lächeln.
Ein Dreh in Esslingen führt sie demnächst wieder zurück ins Schwabenland und sie wird die Gelegenheit nutzen, um auch den Orten ihrer Kindheit einen Besuch abzustatten, auch wenn ihre Eltern dort nicht mehr wohnen. Diese haben ihr schon früh Einblicke in die Schauspielwelt gegeben, da ihre Mutter Schauspielerin und ihr Vater Oberbeleuchter war.
Sie spielte schon als Schülerin kleinere Rollen und arbeitete als Sprecherin in Hörspielstudios. Doch gerade weil sie durch ihre Mutter auch die schwierigen Seiten des Freiberuflichen kannte, zögerte sie zunächst, darin mehr als ein Hobby zu sehen. Nach einem Autounfall dachte sie aber anders darüber: „Ich hatte den Unfall überlebt, und mich gefragt, warum ich das, was ich gerne machen will, nicht wenigstens ausprobiere.“ Nach dem Abitur zog sie nach Berlin und schaffte 2008 bereits ihren Durchbruch in dem Kinofilm „Die Welle“. Trotz des Erfolgs kam sie ins Schwabenland zurück, um an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg zu studieren – und ihren Beruf wirklich zu lernen und sich entfalten zu können, wie sie sagt. „Das habe ich nie bereut.“ Seitdem spielt sie vor allem Charakterrollen, Frauen, die meist ein Geheimnis verbergen. „Ich werde selten für so ganz nette Liebesfilme angefragt“, sagt die zarte Frau mit dem intensiven Blick. Obwohl sie nach dem Studium wieder nach Berlin zog und man ihr im Gespräch zunächst die Herkunft nicht anhört, ruft sie den schwäbischen Dialekt noch gerne ab. Schade findet sie es daher, dass Dialekte im deutschen Film nur selten, oder wenn dann in Nebenrollen auftauchen: „Mit dem Schwäbischen hat man sofort eine ganz andere Kraft, ist viel mehr da.“
„Mordlichter – Tod auf den Färöer-Inseln“
Ausstrahlung
„Mordlichter“ ist am Samstag, 29. März, um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen, oder ab sofort in der ARD-Mediathek.