Die Juniorengarde im Einsatz. Foto: z

Beim Karnevalsclub Stuttgarter Rössle sind langweilige Büttenreden tabu, stattdessen setzt man bei den Veranstaltungen auf ein hochwertiges Bühnenprogramm.

Zuffenhausen - Die tollen Tage sind vorbei, und die meisten Faschingsfreunde können durchatmen. Dass bis zum Beginn der nächsten Kampagne tatsächlich Ruhe herrscht, ist aber ein Irrglaube. „Für uns ist es eine Ganzjahresbeschäftigung“, sagt Andreas Goihl, der Präsident des Karnevalsclubs Stuttgarter Rössle.

Inthronisation des Regentschaftspaares, Rathaussturm, Kinderfasching, Rössle-Ball: dass ein Karnevalsclub bei solchen Veranstaltungen aktiv ist, erscheint logisch. Weitaus weniger bekannt ist, dass viele der 150 Mitglieder auch bei ganz anderen Veranstaltungen im Einsatz sind. So war das „Rössle“ beim Zuffenhäuser Brunnenfest, der Einweihung des U-15-Tunnels sowie den Weihnachtsmärkten in Zuffenhausen und Stammheim dabei. Der 1976 gegründete Verein ist an drei Standorten zu Hause. Zuffenhausen gilt als offizielle Heimat, im Stammheimer Feuerwehrhaus wird trainiert, und in der Feuerbacher Festhalle gehen die Großveranstaltungen über die Bühne.

Tanzgarde sucht Nachwuchs

Neben Präsidium, Elferrat und Regentschaftspaar gibt es drei nach Alter zusammengesetzte Tanzgarden und zwei Tanzmariechen. Vor allem die Minigarde braucht Nachwuchs. „Wir suchen Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren“, sagt Goihl. Gefragt seien Takt- und Rhythmusgefühl, auch Jungen dürfen mitmachen. Nicht sportliche Höchstleistungen, sondern die Freude am Mitmachen stehe im Vordergrund. „Toll ist es, wenn der Spaß, den die Kinder auf der Bühne haben, auf das Publikum über geht“, beschreibt Goihl den idealen Ablauf einer Veranstaltung. Aus eigener Erfahrung weiß der 55-Jährige, dass das Lustigsein nicht immer leicht fällt. Private Probleme oder Schicksalsschläge machen manchmal einen Strich durch die Rechnung. Dennoch gelte der Grundsatz „The show must go on“. Schließlich, so Goihl, habe man gegenüber dem Publikum eine Verpflichtung. Dass es beim Karneval vor allem darum geht, auf Kommando fröhlich zu sein, verneint er und sagt: „Fröhlich sein kann man immer.“ Unlustige Zeitgenossen wolle man ohnehin nicht zum Feiern zwingen, lieber unterhalte man diejenigen, die Spaß daran haben. Wie diese Unterhaltung aussehen soll, davon hat der Rössle-Präsident klare Vorstellungen. „Wir bieten ein qualitativ hochwertiges Varietéprogramm.“ Unverzichtbar seien dabei Showblöcke, Tanzrunden und Live-Musik. Saufen, Party machen und schlechte Büttenreden hingegen wären beim Rössle tabu. In diesem Zusammenhang kritisiert Goihl das Fernsehen. Dort, so lautet sein Vorwurf, werde Karneval vor allem auf Auftritte von Comedians und auf ausufernde Büttenreden reduziert.

Nach der Kampagne ist vor der Kampagne

Während der „heißen Phase“, also vom 6. Januar bis zum Aschermittwoch, reiht sich ein Termin an den anderen. Um ihre Karnevalspflichten zu erfüllen, müssen einige Rössle-Aktive ein paar Tage Urlaub nehmen. Zum Abschluss steht am Aschermittwoch traditionell ein eher trauriges Ereignis auf dem Programm: Das Regentschaftspaar wird offiziell zu Grabe getragen. Die Tränen der Trauergemeinde sind freilich schnell getrocknet. Nach der Kampagne, so könnte man einen alten Spruch des ehemaligen Fußballbundestrainers Sepp Herberger umdeuten, ist schließlich vor der Kampagne.

AnschriftKarnevalsclub Stuttgarter Rössle,Franklinstraße 37, 70435 Stuttgart Telefon82 24 91 Fax 81 04 12 86 Homepage www.stuttgarter-roessle.de VorsitzenderAndreas Goihl Gründungsjahr 1976 Mitgliederzahl 150

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