Der Club der Old Friends will den jungen Stuttgarter Rapper Sammo (Mitte) ganz nach oben bringen. Links neben ihm ist Fitz Braum, der frühere Chef von Four Music. Foto: Andreas Engelhard

Der Hip-Hop von Stuttgart hat ein neues Gesicht: Sammo aus Zuffenhausen mischt eingängige Melodien mit hartem Rap. Der frühere Four-Music-Chef Fitz Braum will ihn nach oben bringen. Im Cavos wurde sein Zögling heftig gefeiert.

Stuttgart - Ist schon eine Weile her. 1999 erlebt die „Mutterstadt“, das „Mekka für Rapper“, wie die Massiven Töne singen, einen ganz besonderen Hip-Hop-Höhepunkt. Innerhalb von einer Woche dominieren vier Alben aus Stuttgart die Charts: „4:99“ von den Fanta Vier, „Esperanto“ von Freundeskreis, „Überfall“ von den Massiven Töne und „Rolle mit Hip-Hop“ von Afrob.

Einer, der damals seine Finger im Spiel hat und der auch als Entdecker der Ärzte gilt, heißt Fitz Braum. Die Fantas machen ihn zum Chef ihres Labels Four Music. In dieser Position baut er etliche Künstlerpersönlichkeiten auf, ehe er 2007 nach zwölf Jahren ausscheidet. Ein Kater lässt das Mausen nicht. Auf der Suche nach einem, der es auch ganz weit nach oben bringt, ist Braum in der „Mutterstadt“ fündig geworden. Wo auch sonst bei Hip-Hop?

Der Künstler schreibt sich mit V wie Svmmo

1999, als der Chartserfolg made in Stuttgart vierfach zuschlägt, kommt Sammo unter Schwaben zur Welt. „Er hat gute Chancen, den Stuttgarter Hip-Hop wieder groß zumachen“, sagt Hiki Shikano Ohlenmacher, Wirt des Partygriechen Cavos. Sein Lokal spielt bei der Aktion „Bringt Sammo nach oben“ eine wesentliche Rolle – nicht nur, weil das Talent aus Zuffenhausen, ein Spross jordanischer Einwanderer, hier seine Release-Party für den Song „Jenseits“feiert.

Im hinteren Partyraum des Cavos, der mal ein Darkroom war, ist die Spannung zu greifen. Unweit der Bar läuft auf der Leinwand das Musikvideo von Sammo, der sich als Künstler mit V schreibt wie Svmmo. Stuttgart, sieht man hier, gibt tolle Kulissen her. Schauplätze des schnell geschnittenen und bildstarken Films sind etwa die Theo Heuss und die Staatsgalerie. Wird die 21-jährige Hoffnung von Fitz Braum und von weiteren Sponsoren (auch Hiki ist finanziell beteiligt am neuen Hip-Hop-Projekt) in dieser für ihn wichtigen Nacht überzeugen? Werden die Gäste gar einen Star von morgen erleben?

„Sie reden nur von Frieden, aber ich seh keinen“

Um es kurz zu machen: Sammo ist ein hervorragender Deutschrapper, der eingängige Melodien mit hartem Sound mixt. Als wär’ er eine Kreuzung aus Cro und Bushido. Diese Musik passt auf die Straße wie auch in die Clubs. Weit entfernt von plumpen und klischeehaften Botschaften der Gangster-Rapper sind seine selbst geschriebenen Texte. „Sie reden nur von Frieden, aber ich seh keinen“, singt er.

Im Publikum ist ein PR-Profi, der Influencer und Firmen zu mehr Klicks in den sozialen Medien verhilft. „Sammo ist super“, sagt er, „er kann’s schaffen, wenn die Vermarktung stimmt.“ Alles hänge davon ab, ob der Rapper bei Youtube oder Instagram voll durchstartet. Da müsse man mit einigen Tricks nachhelfen.

Die Plattenfirma heißt AmSchirir wie verrückter Onkel

Für die Vermarktung ist der Club der Old Friends um Fitz Braum zuständig. Ihre eigene Plattenfirma AmSharir Records haben sie gegründet. AmSchirir ist arabisch und heißt auf Deutsch: verrückter Onkel. Den gibt es tatsächlich. Der verrückte Onkel von Sammo war oft im Cavos und erzählte unentwegt vom Hip-Hop-Neffen Sammo, so lange, bis Hiki einige Musikexperten zusammentrommelte. Die waren in der Tat hellauf begeistert. Bei der Release-Party rappt nun der coole 21-Jährige mit Sonnenbrille und verwandelt den ehemaligen Darkroom in einen Hexenkessel. Sollte er ein Großer werden, können die Partygäste mal sagen: Wir waren dabei, als alles anfing! Wenn nicht, vergessen sie ihn schnell wieder.

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